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24. Dezember 2010  | Von Udo Döring

„Gute Ausgangsposition um anzugreifen“

Tennis: Andrea Petkovic geht erstmals mit festem Trainer in die Saison - Sechs Wochen harte Vorbereitung in Offenbach

| Vergrößern | Unter den Augen ihres Trainers Petar Popovic (rechts) und Benjamin Ebrahimzadeh, Trainer der Tennis-Akadamie in Offenbach, arbeitet Andrea Petkovic an ihrer Form. Am zweiten Weihnachtsfeiertag reist die Darmstädterin nach Australien, wo am 2. Januar die Saison beginnt. Foto: udo döring


Der erste Weihnachtsfeiertag 2010 ist für Andrea Petkovic so etwas wie der Start in die Saison 2011. Wenn es die Bedingungen auf dem Flughafen zulassen. Denn Deutschlands beste Tennisspielerin will am Samstag nach Australien fliegen. Ein paar Tage bei Verwandten, Silvester, dann geht das Turnierleben los: Brisbane, Sydney, Melbourne.

Der gewohnte Tennistrott - und doch ist einiges anders für die 23 Jahre alte Darmstädterin. Erstmals reist ein fest angestellter Trainer mit ihr durch die Tenniswelt. Petar Popovic soll ihr helfen, in der Weltrangliste weiter nach vorne zu kommen, mehr Konstanz in ihre Leistungen zu bringen und überhaupt „mein Tennis auf ein neues Level zu heben“. Eine komplexe Aufgabe für einen Trainer, der selbst erst 28 Jahre ist und zum ersten Mal eine Frau betreut.

„Aber Petar ist genau der Richtige für diese Aufgabe“, sagt die im früheren Jugoslawien geborene Südhessin über den Serben, mit dem sie sich in dessen Muttersprache unterhält. Popovic hatte zuvor Ivo Karlovic trainiert, den mit 2,08 Meter größten Spieler und vielleicht aufschlagstärksten Spieler der Weltrangliste. Als dem Kroaten im Sommer die Achillessehne riss, reifte der Gedanke der Zusammenarbeit mit Andrea Petkovic, die er seit zehn Jahren kennt.

Aus Freundschaft ist ein Arbeitsverhältnis geworden. „Wenn wir auf dem Platz sind, arbeiten wir hart. Abseits haben wir viel Spaß zusammen“, sagt der Vater von zwei Kindern, der Weihnachten bei der Familie in Novisad verbringt und am Samstag ebenfalls in den Flieger Richtung Australien steigt.

„Ich brauche einfach jemanden, der mich das ganze Jahr über begleitet“, sagt Andrea Petkovic im Gespräch mit dem ECHO: „Meine schwankenden Leistungen im Vorjahr hängen auch damit zusammen, dass ich nach guten Phasen immer wieder alleine auf Turnieren war und dann so vor mich hin gewurschtelt habe“. Die zehn Wochen, die sie ihr bisheriger Trainer Glen Schaap begleiten konnte, seien einfach zu wenig gewesen. Außerdem musste sie zum Training in dessen Tenniscenter in der Schweiz reisen.

Dabei ist der Familienmensch Petkovic zwischen den Turnieren am liebsten im heimischen Griesheim. Was mit ihrem neu strukturierten Umfeld nun möglich ist. Physiotherapeutisch betreut sie Thomas Hein vom Remedia-Zentrum in Darmstadt. Ihr neues Trainingsquartier ist die Tennis-Akadamie in Offenbach. Betrieben von den früheren Daviscup-Spielern Alexander Waske und Rainer Schüttler im Leistungszentrum des Hessischen Tennis Verbandes.

Cheftrainer ist Benjamin Ebrahimzadeh, der in Abstimmung mit Petar Popovic die Trainingspläne für Andrea Petkovic erstellt und sie bei ihren Einheiten in Offenbach betreut. „Andy hat keine Limits. Ich glaube, es gibt keine andere Spielerin auf der Tour, die so hart arbeitet“, sagt der frühere Weltranglisten- und Hessenligaspieler beim TC und TVH Rüsselsheim, der Andrea Petkovic nach eigenen Wort eher bremsen muss.

Mindestens acht Stunden hatte der Trainingstag in den letzten sechs Wochen für die Darmstädterin, die als eines ihrer Berufsziele ausgibt: „Ich will die fitteste Spielerin auf der Tour sein“. In Zahlen will sie ihre Marschroute nicht definieren: „Damit setzt man sich selbst zu sehr unter Druck. Viel wichtiger ist für mich die spielerische Entwicklung“. Mit dieser Einstellung sei sie bisher gut gefahren - und hat auch ihr für das Jahr 2010 gesteckte Ziel punktgenau erreicht: einen Platz in der Setzliste der Grand-Slam-Turniere. Davon gibt es 32 und auf eben jenem Rang der Weltrangliste steht Andrea Petkovic. Für die am 17. Januar beginnenden Australian Open sieht sich die Darmstädterin daher in einer „guten Ausgangsposition um nächstes Jahr anzugreifen.“


 
 


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