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10. September 2010  | Von Volker Bachmann

Trainer geht drei Tage vor Saisonbeginn

Basketball: Markus Kühn sieht bei Regionalligist BG Ober-Ramstadt keine Perspektive mehr - Klaus Erzgräber springt ein

| Vergrößern | Letzter Spielzug: Trainer Markus Kühn (Mitte) hat beim Basketball-Regionalligisten BG Ober-Ramstadt drei Tage vor Saisonbeginn seinen Rücktritt erklärt. Archivfoto: Volker Dziemballa


Ein positiver Saisonstart sieht anders aus. Wenn drei Tage vor Rundenbeginn der Trainer abspringt, weil er keine Perspektiven sieht, dann ist das vielmehr ein alarmierendes Zeichen. Das gilt erst recht für die BG Ober-Ramstadt, für die der kurzfristige Ausstieg von Coach Markus Kühn am Mittwochabend die Fortsetzung einer schwarzen Serie bedeutet. Nach einer zermürbenden Saison in der 1. Basketball-Regionalliga und dem folgenden Abstieg könnte der einstige Zweitligist in der 2. Regionalliga Südwest/Nord nun vom Regen in die Traufe kommen.

Statt eines Signals zum Neuaufbau drängt sich gleich wieder der Eindruck von Auflösungserscheinungen auf. Kein gutes Omen, zumal gleich zum Auftakt mit dem Auswärtsspiel bei BBC Horchheim am Samstag eine äußerst schwierige Aufgabe ansteht. »Es sieht bescheiden aus«, räumte Matthias Ackermann ein. Der BGO-Vorsitzende mochte einen Tag, nachdem ihn Kühn von seinem Entschluss unterrichtete hatte, einen Rückzug aus der Liga nicht ausschließen. Dieser könne die Konsequenz sein, wenn nun auch noch einige Spieler aus dem neu zusammengestellten Kader den Absprung suchen würden. Ackermann hofft allerdings, dass mit der schnellen Benennung von Klaus Erzgräber als Nachfolger von Kühn die Kontinuität gewahrt bleibt. Der bisherige Assistent und langjährige Jugendtrainer springt nicht zum ersten Mal ein.

»Ein Konzept für den ganzen Verein, frühzeitige Spielerverpflichtungen, nicht soviel Chaos im Umfeld«, waren für Kühn am Ende der so trostlos verlaufenen Saison 2009/10 die Ansatzpunkte für den erhofften Neuaufbau gewesen. Dafür hatte er sich in der Sommerpause einsetzen wollen. Offenbar aber vergeblich. Der Trainer habe ihm mitgeteilt, so beschrieb Ackermann die Situation, dass er weder die Perspektive für erfolgreiches Arbeiten noch die entsprechende Struktur im Verein sehe. Kühn, im Sommer 2009 als Nachfolger von Claus Reimer gekommen, mochte auf Anfrage darüber hinaus nicht viel ergänzen. Er betonte nur, er wolle sich als Trainer zum Leistungssport entwickeln, dafür fehlten bei der BGO aber die Rahmenbedingungen. »Es hat sich nicht in eine positive Richtung entwickelt«.

Schon während der vergangenen Saison - als die Überforderung durch den nachträglichen Aufstieg offenbar wurde - setzte in der Mannschaft der Aderlass an Leistungsträgern ein. Die Liste der Abgänge ist lang: Burak Ilhan (zur TG Hanau), Jirko Stiller (wohl TV Langen), Eddie James Bruce (unbekannt), Dennis Twardzik, Sascha Schmidt (beide SCC Pfungstadt) sowie Sean Molvig und Philipp Jakobi (beide USA). Vom alten Stamm blieben nur Sven Geier, Nico Quanz, Steffen Schmucker und Thomas Dullmaier. Zugänge gibt es zwar viele: Tomislav Colic (SV Darmstadt 98), Tekuh und Titah Bangang (beide MTV Kronberg), Marcel Buchal (SKG Roßdorf), Michael Harris, Sercan Apes (beide TV Groß-Umstadt). Doch sie müssen wohl ebenso wie einige aufrückende Talente aus der Jugend erst noch Regionalliga-Reife entwickeln.

Ackermann macht sich keine Illusionen: Das Ziel könne nur Klassenerhalt sein. Auch ein erneuter Abstieg gehört offenbar zum Kalkül. »Wir wollen den jungen Spielern eine Perspektive bieten, egal ob das Regionalliga oder die Oberliga ist«, sagt der Vorsitzende. Die gesunkenen Ansprüche sieht er nur »zum Teil im Finanziellen begründet«, denn der Verein stehe nicht unbedingt schlechter da als in der vergangenen Saison. Hintergrund sei vor allem ein »Umdenken des Vorstandes«. Man wolle kein Geld mehr für Sportler ausgeben, »die letztlich die Leistung dann doch nicht bringen«.

Der Vorsitzende, früher selbst lange Jahre für Ober-Ramstadt am Ball, sieht im Unterbau der Bundesligen die »generelle Tendenz, dass es immer weniger wird«. Knappe Ressourcen, hohe Fluktuation, kurzatmige Planung bilden die Spirale nach unten. Nur noch wenige Clubs könnten sich, so urteilt Ackermann, im Basketball an der Schwelle zum Leistungssport halten, vieles entwickle sich eher Richtung Breitensportangebot. Die BG Ober-Ramstadt, früher durch professionell geführte Jugendarbeit über die Region bekannt, steht auf der Kippe.


 
 


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