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08. Juli 2011  | Von Ralph Baumann

Kein Abel im morgigen Kellerduell

Tennis-Hessenliga: Auch ohne die schillernde Figur, die im Gefängnis sitzt, rechnet sich der SC 80 in Haßloch etwas aus

| Vergrößern | Starkes Comeback: Tennisspieler Maximilian Abel wurde im Februar 2010 als Freigänger hessischer Hallenmeister. Nun aber ist er wieder im festen Vollzug, fehlt seinem SC 80 Frankfurt also morgen im Hessenligamatch beim TV Haßloch. ArchivFoto: Herbert Krämer




Zum Kellerduell der Tennis-Hessenliga treffen sich am morgigen Samstag ab 10 Uhr der gastgebende TV Haßloch und der SC 80 Frankfurt. Für TVH-Sportwart Uwe Wingert ist das eines der Spiele, das seine Haßlocher gewinnen sollten, wollen sie zum achten Mal in Folge die Klasse halten.
Die Chancen dazu stehen nicht schlecht, denn der namhafteste Akteur im Kader des Liganeulings wird nicht dabei sein: Maximilian Abel sitzt im Gefängnis, eigentlich schon seit zweieinhalb Jahren. Doch während er als Freigänger im vergangenen Jahr mit sieben Siegen bei acht Einsätzen in Einzel und Doppel noch mithalf, dass der SC 80 den Sprung ins Oberhaus des Bundeslandes schaffte, ist er in diesem Sommer nicht dabei.
Um ihn sozial wiedereinzugliedern, durfte Abel 2010 im offenen Vollzug Tennis spielen. Doch der inzwischen nicht mehr in Weiterstadt einsitzende 29-Jährige soll als Freigänger gegen Auflagen verstoßen haben, was ihm nun wieder einen dauerhaften Gefängnisaufenthalt eingebracht hat.
Maximilian Abel galt nicht erst 2003, als er Deutscher Meister wurde, als Hoffnungsträger im weißen Sport. Vier Jahre zuvor bestritt er das Finale des Orange Bowl, der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Tennis-Junioren. Sein Gegner war der US-Amerikaner Andy Roddick, in der Folge einer der besten Tennisspieler der Welt.
Wie sich der Deutsche, der in jener Zeit in Rüsselsheim lebte, aber nie für einen Rüsselsheimer Klub spielte, selbst um alle Siegchancen beim bedeutendsten Nachwuchs-Wettbewerb brachte, zeigt seine mangelhafte Professionalität, die ihn an einer großen Karriere hinderte. Während Roddick rechtzeitig auf dem Centre Court war und sich dort noch von einem Physiotherapeuten lockern ließ, hatte Abel wegen der Zeitumstellung vergessen, den Wecker richtig zu stellen. Auf den letzten Drücker traf der Deutsche auf dem Platz ein, noch schnell ein Croissant essend. Im entscheidenden dritten Satz ging Maximilian Abel dann die Puste aus.
Obwohl er sich Jahre später auf den stattlichen Weltranglistenplatz 170 nach vorne gespielt hatte, fing er an, unmäßig Alkohol und andere Drogen zu sich zu nehmen. Vor knapp vier Jahren wurde bei einem Turnier in Frankreich Kokain in seinem Körper festgestellt, die Folge war eine zweijährige Spielsperre.
Seine Tennispause nutzte der offenbar ziemlich verschuldete Abel, um Scheckkarten zu entwenden und damit Geld abzuheben. Viele seiner Bekannten waren unter den Opfern, angeblich hat er auch Mitspieler in der Umkleidekabine bestohlen.
Das Landgericht Frankfurt verurteilte das einstige Tennistalent, aus dem so viel hätte werden können, wegen Scheckkartendiebstahls und -betrugs in 79 Fällen, wobei manche Tat nicht übers Versuchsstadium hinauskam, zu drei Jahren Haft. Nun aber will der SC 80 Frankfurt auch ohne ihn am Samstag in Rüsselsheim Punkte klauen, was dann für den TVH zwar ärgerlich wäre, aber eine völlig straffreie Handlung.
Frankfurts routinierter Spielführer Valentino Pest geht von einer fünfzigprozentigen Siegchance aus. TVH-Sportwart Wingert sieht das ähnlich. „Das ist Abstiegskampf pur“, meint er, obwohl es erst der dritte Spieltag ist.
Für die Frankfurter ist es sogar erst die zweite Partie, sie hatten – wie Haßloch – keine Chance gegen den Wiesbadener THC, wobei der Sieg des jungen Richard Waite im Spitzeneinzel gegen den Polen Marcin Gawron überraschte. „An den beiden vorderen Positionen muss nun auch bei uns etwas passieren“, erhöht Wingert den Druck auf seine neu verpflichteten Südamerikaner.
Der ohne Matchpraxis nach Hessen gekommene Chilene Guillermo Hormazabal habe in dieser Woche an jedem Tag fünf Stunden auf dem Platz gestanden. Man werde diesmal einen anderen Hormazabal sehen, habe der 25-Jährige seinem Arbeitgeber versprochen.
Auch Kapitän Dominic Metzger habe nun schmerzfrei trainieren können. „Er muss jetzt einfach über seinen Schatten springen und das spielen, was er kann. Dann wird er hinten auch gewinnen“, so Wingert.
Eine hohe Hürde wartet morgen auf den jungen Kai Lemke, der nach Lage der Dinge auf Position fünf auf den Kroaten Ivan Cinkus trifft. Der 31-Jährige habe mal in der Weltrangliste unter den besten 150 gestanden, informiert Wingert. Cinkus hat am letzten Sonntag den gewiss nicht schwachen Wiesbadener Christopher Scheidt mit 6:0 und 6:1 vom Platz gefegt.
Am Frankfurter Riederwald bei Titelverteidiger Eintracht (Wingert: „Da wird nichts zu holen sein“) treffen die Haßlocher am Sonntag auf einen alten Bekannten: Dominik Müller, der am Auftakt-Wochenende fehlte, weil er in den USA an seinem Studienort noch Prüfungen hatte, kam gestern in Hessen an. Er dürfte an Punkt fünf zum Einsatz kommen. Also fürwahr ein heftiges Wochenende für den 16 Jahre jungen Treburer Lemke.

 
 


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