Die Kamera sieht alles: Sie fängt jeden Spielzug, jeden Schritt und jeden Abwurf ein. Für Helmut Wolf sind diese bewegten Bilder wie ein Buch, aus dem er alle benötigten Informationen herauslesen und immer wieder nachschlagen kann. Der Co-Trainer und Scout der deutschen Basketball-Nationalmannschaft hat sich auf Videoanalysen spezialisiert. Er nennt sie die „effektivste Art der Sportanalyse“ überhaupt.
Der Sechsunddreißigjährige zeichnet alle Spiele der Mannschaft auf und erstellt daraus zehn- bis zwanzigminütige Videos mit den Schlüsselszenen der Partie. Gestern gewährte er Teilnehmern der Basketball-Projektgruppe an der Dieburger Goetheschule Einblicke in seine von außen oft unsichtbare Arbeit. Dabei gab es für die rund 25 Schüler überraschende Erkenntnisse: Zum Beispiel die, dass die Spieler des eigenen Teams gar nicht so sehr im Fokus der Videoaufnahmen stehen. „Ich analysiere vor allem die Spielzüge der Gegner, um herauszukriegen, welche Taktik das Team verfolgt“, erklärt Wolf den Jung-Basketballern in der Schlossgartenhalle.
Über die Leinwand flimmern Szenen eines Spiels der deutschen Basketball-Auswahl gegen die Türkei. Manchmal erscheinen gelbe Pfeile im Bild, die die Laufrichtung eines Spielers oder die Flugbahn des Balls anzeigen. Die Basketball-Europameisterschaft in Litauen im vergangenen Jahr war eines der ersten wichtigen Großturniere, bei denen Wolf konsequent mit der Videoanalyse arbeitete. „Jeden Tag hatten wir eine halbe Stunde Videositzung. Dabei haben wir mit der Mannschaft besprochen, was die Gegner machen und was wir dagegen tun können.“ Einzig und allein auf die Technik verlässt sich der Co-Trainer bei seinen Analysen allerdings auch nicht: Er macht sich bei jedem Match vom Spielfeldrand aus zusätzlich schriftliche Notizen. Aus den handschriftlichen und virtuellen Unterlagen entsteht im Anschluss ein möglichst umfangreiches Profil der gegnerischen Spieler mit ihren Stärken, Schwächen und Besonderheiten.
Die Videoanalyse an sich ist nicht neu. Im deutschen Profi-Fußball und -Handball gibt es kaum noch ein Team, das sich die Methode nicht zunutze macht, wie Wolf betont. „Basketball ist in Deutschland aber leider immer noch eine Randsportart. Wir hinken den USA wie in fast allem um zwei, drei Jahre hinterher.“
Im Heimatland des Basketball hätten alle Teams der National Basketball Association (NBA) ihre eigenen Video-Coaches. „Das ist dort nichts Besonderes. Hier bei uns ist das, was ich mache, dagegen quasi einzigartig.“ Helmut Wolf ist zuversichtlich, dass die Stunde der Videoanalyse im deutschen Basketball noch schlagen wird. Besonders für die Auswertung von Spielszenen in der Halbzeitpause sieht er noch Entwicklungspotential.
08. Februar 2012 | von Meike Mittmeyervon Meike Mittmeyer
Gut analysiert ist halb gewonnenGut analysiert ist halb gewonnen
Basketball – Co-Bundestrainer gewährt Nachwuchssportlern an Dieburger Goetheschule Einblicke in die VideoanalyseBasketball – Co-Bundestrainer gewährt Nachwuchssportlern an Dieburger Goetheschule Einblicke in die Videoanalyse
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Doch nicht jeder Film, den Wolf erstellt, zielt nur darauf ab, die Taktik der gegnerischen Mannschaft zu durchschauen: „Manchmal schneide ich die besten Szenen unseres Teams zu einem Motivationsvideo zusammen.“ Auf der Leinwand verfolgen die Dieburger Schüler nun die besten Treffer von Dirk Nowitzki und Co., untermalt von monumentaler Musik. „So etwas muss schließlich auch mal sein“, befindet der Co-Trainer.
von Meike Mittmeyer
Die Kamera sieht alles: Sie fängt jeden Spielzug, jeden Schritt und jeden Abwurf ein. Für Helmut Wolf sind diese bewegten Bilder wie ein Buch, aus dem er alle benötigten Informationen herauslesen und immer wieder nachschlagen kann. Der Co-Trainer und Scout der deutschen Basketball-Nationalmannschaft hat sich auf Videoanalysen spezialisiert. Er nennt sie die „effektivste Art der Sportanalyse“ überhaupt.
Der Sechsunddreißigjährige zeichnet alle Spiele der Mannschaft auf und erstellt daraus zehn- bis zwanzigminütige Videos mit den Schlüsselszenen der Partie. Gestern gewährte er Teilnehmern der Basketball-Projektgruppe an der Dieburger Goetheschule Einblicke in seine von außen oft unsichtbare Arbeit. Dabei gab es für die rund 25 Schüler überraschende Erkenntnisse: Zum Beispiel die, dass die Spieler des eigenen Teams gar nicht so sehr im Fokus der Videoaufnahmen stehen. „Ich analysiere vor allem die Spielzüge der Gegner, um herauszukriegen, welche Taktik das Team verfolgt“, erklärt Wolf den Jung-Basketballern in der Schlossgartenhalle.
Über die Leinwand flimmern Szenen eines Spiels der deutschen Basketball-Auswahl gegen die Türkei. Manchmal erscheinen gelbe Pfeile im Bild, die die Laufrichtung eines Spielers oder die Flugbahn des Balls anzeigen. Die Basketball-Europameisterschaft in Litauen im vergangenen Jahr war eines der ersten wichtigen Großturniere, bei denen Wolf konsequent mit der Videoanalyse arbeitete. „Jeden Tag hatten wir eine halbe Stunde Videositzung. Dabei haben wir mit der Mannschaft besprochen, was die Gegner machen und was wir dagegen tun können.“ Einzig und allein auf die Technik verlässt sich der Co-Trainer bei seinen Analysen allerdings auch nicht: Er macht sich bei jedem Match vom Spielfeldrand aus zusätzlich schriftliche Notizen. Aus den handschriftlichen und virtuellen Unterlagen entsteht im Anschluss ein möglichst umfangreiches Profil der gegnerischen Spieler mit ihren Stärken, Schwächen und Besonderheiten.
Die Videoanalyse an sich ist nicht neu. Im deutschen Profi-Fußball und -Handball gibt es kaum noch ein Team, das sich die Methode nicht zunutze macht, wie Wolf betont. „Basketball ist in Deutschland aber leider immer noch eine Randsportart. Wir hinken den USA wie in fast allem um zwei, drei Jahre hinterher.“
Im Heimatland des Basketball hätten alle Teams der National Basketball Association (NBA) ihre eigenen Video-Coaches. „Das ist dort nichts Besonderes. Hier bei uns ist das, was ich mache, dagegen quasi einzigartig.“ Helmut Wolf ist zuversichtlich, dass die Stunde der Videoanalyse im deutschen Basketball noch schlagen wird. Besonders für die Auswertung von Spielszenen in der Halbzeitpause sieht er noch Entwicklungspotential.
Doch nicht jeder Film, den Wolf erstellt, zielt nur darauf ab, die Taktik der gegnerischen Mannschaft zu durchschauen: „Manchmal schneide ich die besten Szenen unseres Teams zu einem Motivationsvideo zusammen.“ Auf der Leinwand verfolgen die Dieburger Schüler nun die besten Treffer von Dirk Nowitzki und Co., untermalt von monumentaler Musik. „So etwas muss schließlich auch mal sein“, befindet der Co-Trainer.
Der Sechsunddreißigjährige zeichnet alle Spiele der Mannschaft auf und erstellt daraus zehn- bis zwanzigminütige Videos mit den Schlüsselszenen der Partie. Gestern gewährte er Teilnehmern der Basketball-Projektgruppe an der Dieburger Goetheschule Einblicke in seine von außen oft unsichtbare Arbeit. Dabei gab es für die rund 25 Schüler überraschende Erkenntnisse: Zum Beispiel die, dass die Spieler des eigenen Teams gar nicht so sehr im Fokus der Videoaufnahmen stehen. „Ich analysiere vor allem die Spielzüge der Gegner, um herauszukriegen, welche Taktik das Team verfolgt“, erklärt Wolf den Jung-Basketballern in der Schlossgartenhalle.
Über die Leinwand flimmern Szenen eines Spiels der deutschen Basketball-Auswahl gegen die Türkei. Manchmal erscheinen gelbe Pfeile im Bild, die die Laufrichtung eines Spielers oder die Flugbahn des Balls anzeigen. Die Basketball-Europameisterschaft in Litauen im vergangenen Jahr war eines der ersten wichtigen Großturniere, bei denen Wolf konsequent mit der Videoanalyse arbeitete. „Jeden Tag hatten wir eine halbe Stunde Videositzung. Dabei haben wir mit der Mannschaft besprochen, was die Gegner machen und was wir dagegen tun können.“ Einzig und allein auf die Technik verlässt sich der Co-Trainer bei seinen Analysen allerdings auch nicht: Er macht sich bei jedem Match vom Spielfeldrand aus zusätzlich schriftliche Notizen. Aus den handschriftlichen und virtuellen Unterlagen entsteht im Anschluss ein möglichst umfangreiches Profil der gegnerischen Spieler mit ihren Stärken, Schwächen und Besonderheiten.
Die Videoanalyse an sich ist nicht neu. Im deutschen Profi-Fußball und -Handball gibt es kaum noch ein Team, das sich die Methode nicht zunutze macht, wie Wolf betont. „Basketball ist in Deutschland aber leider immer noch eine Randsportart. Wir hinken den USA wie in fast allem um zwei, drei Jahre hinterher.“
Im Heimatland des Basketball hätten alle Teams der National Basketball Association (NBA) ihre eigenen Video-Coaches. „Das ist dort nichts Besonderes. Hier bei uns ist das, was ich mache, dagegen quasi einzigartig.“ Helmut Wolf ist zuversichtlich, dass die Stunde der Videoanalyse im deutschen Basketball noch schlagen wird. Besonders für die Auswertung von Spielszenen in der Halbzeitpause sieht er noch Entwicklungspotential.
Doch nicht jeder Film, den Wolf erstellt, zielt nur darauf ab, die Taktik der gegnerischen Mannschaft zu durchschauen: „Manchmal schneide ich die besten Szenen unseres Teams zu einem Motivationsvideo zusammen.“ Auf der Leinwand verfolgen die Dieburger Schüler nun die besten Treffer von Dirk Nowitzki und Co., untermalt von monumentaler Musik. „So etwas muss schließlich auch mal sein“, befindet der Co-Trainer.
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