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07. Dezember 2011  | von udo Döring

Als Weltcup-Sieger in den Ruhestand

Radball – : Für Jens und Holger Krichbaum wird das letzte gemeinsame Turnier zur Krönung ihrer erfolgreichen Laufbahn

| Vergrößern | Die pure Freude bei Holger (links) und Jens Krichbaum im Trikot der Weltcup-Sieger. Foto: stefan Thomé


Wenn Holger Krichbaum nicht rückfällig wird, hat er seine sportliche Laufbahn wohl mit dem größten Erfolg beendet. „Das ist eines dieser Märchen, die der Sport schreibt – und ich war mittendrin“, schwärmte der 34 Jahre alte Eberstädter nach dem Weltcup-Finale in Mücheln. Angereist, um sich mit Spaß und Anstand von der großen Radball-Bühne zu verabschieden, stand er am Ende mit seinem Bruder Jens ganz oben auf dem Podium. Besser und emotionaler können fast zwei Jahrzehnte, in denen die beiden zu einem der weltweit besten Radball-Duos aufgestiegen waren, nicht enden.

Die knapp 500 Zuschauer standen schon lange nahezu geschlossen hinter den beiden Südhessen, als sie das Turnier mit dem 4:1-Sieg über den RC Höchst beendeten – und die Österreicher sind der amtierende Weltmeister.
„So ein geiler Tag“, freute sich auch Jens Krichbaum, der als Torwart die Gegner vor allem in der Schlussphase schier verzweifeln ließ. Während der drei Jahre jüngere der beiden Brüder seine Karriere an der Seite des WM-Dritten Marco Rossmann aus Pfungstadt (bisher RSG Ginsheim) fortsetzen wird, ist für Holger Krichbaum aus gesundheitlichen, beruflichen und privaten Gründen Schluss mit Radball. Daran soll auch das Erlebnis von Mücheln nichts ändern. Zweifel an der Richtigkeit seiner Entscheidung hat Krichbaum nicht. „Nachdenklich macht mich höchstens, nicht öfter mit dieser Vorbereitung und Einstellung gespielt zu haben: Da hast du trainiert, bis die Reservelampe brannte und warst dann im Wettkampf leer“.
Fehlendes Training machten die beiden Eberstädter bei ihrem letzten gemeinsamen Auftritt mit Disziplin, Ehrgeiz, Tempo und solider Abwehrarbeit wett. In einer Konsequenz, die ihren langjährigen Trainer Christian Hess zu dem Ausspruch brachte: „Jetzt, wo die Mannschaft meine Spielversion kapiert hat, hört der Holger auf!“ Als zweifacher Weltmeister selbst reich an außergwöhnlichen Erlebnissen, konnte der Mainzer wie so viele in der Halle seine Tränen angesichts dieses Radball-Happy-Ends nicht verbergen.
Neben den Trophäen für zwei deutsche Meistertitel, Europacupsieg, Deutschland-Pokalsieg und viele andere Erfolge steht nun der Weltcup. In der Krichbaumschen Sammlung fehlt eigentlich nur der WM-Titel. Wobei der letzte gemeinsame Erfolg bei Radball-Kennern sportlich höher einsortiert wird. Denn anders als bei einer WM dürfen beim Weltcup mehrere Teams aus einem Land starten. Gerade in Deutschland, Schweiz und Österreich ist dabei die nationale Hürde oft die höhere vor dem Titelgewinn.

Und neben dem aktuellen Titelträger bezwangen die Krichbaums in Mücheln auch die Vize-Weltmeister aus der Schweiz, spielten 2:2 gegen die Europacupsieger aus Österreich und schlugen den deutschen Meister SV Ehrenberg sowie den letztjährigen Weltmeister RV Gärtringen. Dafür war im Halbfinale zwar ein Viermeterschießen notwendig. Dabei half neben dem nötigen Glück aber vor allem ein Torwart in Hochform.
„Der Jens würde jetzt sogar einen Vier-Meter-Ball fangen“, sagte einer der Zuschauer während der Schlussphase des Endspiels, nach dem die Krichbaums mit stehendem Applaus gefeiert wurden. Auf den Shirts der Krichbaums, die in Radballkreisen nur „Turtles“ (Schildkröten) genannt werden, stand: „Wir verkriechen uns in den Ruhestand“. Das gilt zwar nur für einen der Brüder, aber der kann mit höchster innerer Zufriedenheit das künftige Treiben auf dem Radballparkett beobachten.

 
 


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