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26. April 2010 Von Udo Döring

Andrea Petkovic: Tränen trotz Weltklasseleistung

Tennis: Andrea Petkovic spielt gegen Frankreich im Einzel groß auf, kann im Doppel den Abstieg aber nicht verhindern

 
| Vergrößern | Andrea Petkovic peitschte sich selbst nach vorn und riss damit auch das Publikum mit. Foto: dpa


Am Ende weinte Andrea Petkovic doch wieder bittere Tränen. Nach dem Jubel über zwei famose Einzelsiege lehnte sie sich weinend an die Schulter von Kristina Barrois, mit der sie gerade das entscheidende Doppel verloren hatte. Endergebnis eines packenden Wochenendes: 2:3 gegen Frankreich. ,,Die Momentaufnahmen waren zwar sehr schön. Aber nach dem Doppel fühlte ich einfach nur noch Leere in mir", sagte die 22 Jahre alte Darmstädterin, deren emotionale Achterbahnfahrt zur Geschichte des deutschen Fedcup-Teams passt. Zum dritten Mal in Serie folgt dem Aufstieg in die Weltgruppe 1 der direkte Abstieg.

Vier Stunden zuvor hatte Andrea Petkovic noch gestrahlt: ,,Ich bin froh, dass ich den Fluch von Brünn besiegt habe". 6:1, 7:6 hatte sie sich im Stile einer Weltklassespielerin gegen die Französin Aravane Rezai durchgesetzt. Das taktisch variablere Spiel und die effektiveren Aufschläge gaben den Ausschlag in einem hochklassigen Match. ,,Ich wusste, dass ich aufschlagstärker bin. Das musste ich aber auch jedes Mal bestätigen und sie auch bei ihrem eigenen Service permanent unter Druck setzen", analysierte die in Griesheim lebende Petkovic die Partie, in der sie nach eigenen Worten nie das Gefühl hatte, verlieren zu können. Was sie mit großer Nervenstärke erfolgreich umsetzte. So gewann sie im ersten Satz nach 0:1-Rückstand sechs Spiele und konterte an dessen Ende einen Breakball mit drei unerreichbaren Aufschlägen in Folge. Im zweiten Satz machte sie einen 2:4-Rückstand wett, wehrte zwei Satzbälle ab und sicherte sich den Tiebreak schließlich mit 7:2.

Mit drei unerreichbaren Aufschlägen in Folge hatte sie auch das Fedcup-Wochenende eröffnet und mit einem 6:4, 6:3 gegen Pauline Parmentier ihren ersten Einzelpunkt für das deutsche Fedcup-Team geholt. Hochkonzentriert und motiviert setzte Andrea Petkovic das Vorhaben um, in Frankfurt Spaß haben und die freudlosen Stunden von Brünn mit den zwei Niederlagen beim 2:3 gegen Tschechien vergessen machen zu wollen. ,,Erst hatte ich noch meine 0:3-Bilanz gegen Pauline im Kopf. Aber das war aus einer Zeit, als ich noch in der Schule war. Aber ich habe gemerkt, welch großen Unterschied mein seitdem stark veränderter Fitnesslevel macht", sagt die Darmstädterin, die sich in etwas mehr als zwei Jahren seit ihrem bei den Australien Open 2008 erlittenen Kreuzbandriss physisch enorm entwickelt hat.

Ein ähnliches Level hätte sicher auch ihren Teamkolleginnen geholfen. Aber die 23 Jahre alte Tatjana Malek unterlag im zweiten Einzel nach starkem Beginn gegen eine immer sicherer und druckvoller spielende Aravane Rezai 6:2, 3:6, 0:6. Die am zweiten Tag anstelle von Malek im Einzel eingesetzte Julia Görges (22) konnte 3:1-Führungen im ersten Satz und auch im Tiebreak nicht verwerten und unterlag 6:7 (4:7), 4:6. Der Versuch, den dritten Punkt mit der Premiere des Doppels Petkovic/Barrois zu holen, scheiterte deutlich. ,,Ich habe die beiden noch nie in dieser Form spielen sehen. Wir haben bis zuletzt gehofft, dass die irgendwann einbrechen, taten sie aber nicht", sagte Andrea Petkovic nach dem 3:6, 1:6 gegen die Französinnen Alize Cornet und Julie Coin, die wesentlich harmonischer und variantenreicher spielten. Das deutsche Duo konnte seine körperlichen Vorteile nicht nutzen und agierte fast ausschließlich von der Grundlinie. Von ihren im Einzel so starken Aufschlagspielen konnte Andrea Petkovic im Doppel nur eines gewinnen.
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Nach der Doppelniederlage flossen Tränen: Kristina Barrois (links) und Teamchefin Barbara Rittner (rechts) versuchen, Petkovic zu trösten. Foto: dpa

,,Wir haben uns trotz der Niederlage hier gut verkauft. Jede Einzelne hat ihr bestes gegeben. Am Ende hat bei den Mädels sicher auch die nötige Erfahrung gefehlt", kommentierte Barbara Rittner den Ausgang, der an ihrem 37. Geburtstag erst einmal wenig Grund zum Feiern gab. ,,Aber wenn dieses junge Team in dieser Form zusammenbleibt, auch mit der Art, über alles zu reden, dann werden wir stärker zurückkommen und uns irgendwann in der Weltgruppe etablieren".

Das versprach auch Sabine Lisicki, die mit der ebenfalls an Krücken gehenden Anna-Lena Grönefeld das deutsche Team bei der abschließenden Pressekonferenz schon fast demonstrativ einrahmte. In der Mitte fand Andrea Petkovic langsam zu gewohntem Redefluss, verhaspelte sich aber bei der Wiederholung des positiven Aspekts ihres zweiten Fedcup-Einsatzes als Führungskraft: ,,Ich bin froh, den Fluch besucht zu haben". Und dabei konnte sie auch schon wieder lachen.


 
 


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