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01. Juni 2010  | von udo Döring

Halbmarathon: Mit Bestzeiten durch die Wetterzonen

Sonne, Regen und viel Wind beim Straßenlauf in Griesheim - Halbmarathon mit nassen Schuhen oder barfuß

| Vergrößern | Gegenverkehr im Regen: Begegnungen beim Griesheimer Straßenlauf auf der Landstraße Richtung Pfungstadt. Foto: Thomas Zöller


Sonne über dem Kopf, Wasser in den Schuhen - so endete am Sonntag für die 1200 Aktive der Straßenlauf in Griesheim. Der Halbmarathon war auch ein Lauf durch die Wetterzonen. Erst Sonne, dann heftiger Regen und Wind, am Ende wieder Sonne. Aber auch die phasenweise widrigen Bedingungen konnten die Schnellsten nicht bremsen. Allen voran Marcel Groß: 1:10:08 Stunden brauchte der 25 Jahre alte Student von der LG Wettenberg für die 21,1 km bei seinem Sieg vor Thomas Seibert (SSC Hanau-Rodenbach/1:10:53) und Jeremy Brandy (Keystone Elite/1:11:27). Mit der Zeit war Groß nicht wirklich zufrieden, aber mit dem Wettkampf: ,,Ein tolles Rennen und der erste Titel überhaupt für mich". In Griesheim wurden nämlich auch die Hessenmeister im Halbmarathon ermittelt.

Groß hatte eine fünfköpfige Spitzengruppe gesprengt, die sich schon auf dem ersten Kilometer gebildet hatte. Den entscheidenden Antritt setzte er anfangs der letzten von drei Runden. Wobei der Begriff nicht ganz treffend ist, ging es doch immer auf der Landstraße Richtung Pfungstadt entlang: hoch bis zum Wasserwerk und wieder zurück nach Griesheim bis zum neuen Kreisel.

Es herrschte hohes Verkehrsaufkommen auf der gesperrten Landstraße. Anfangs mischten sich unter die Halbmarathon-Schar noch die 15 Minuten später gestarteten 10 000-m-Läufer. Für die Hobbyläufer gab es so freilich viel zu sehen. Für die Spitzenathleten, die nicht das Privileg eines Führungsfahrrades hatten, wurde der Lauf schon mal zum Slalom. ,,Man sollte für nächstes Jahr die beiden Rennen trennen", rät Groß den Veranstaltern mit Blick auf die deutsche Meisterschaft auf gleicher Strecke. Der Hessenmeister würde sich auch die engen Wendepunkte wegwünschen: ,,Das drückt doch auf die Zeit und stört den Rhythmus".

Generell erhält die Strecke jedoch gute Noten bei den Läufern: flach, schnell, bestzeitenwürdig. Wenn es nicht gerade gießt und windet. ,,Mir ist Regen aber lieber als Sonne". Eine nicht sehr weit verbreitete Meinung im Läuferfeld. Für Kerstin Straub aber einer der Gründe, warum sie ihre Halbmarathonzeit auf 1:20:49 Stunden verbessern und mit klarem Vorsprung den Hessentitel vor Tanja Ruppert (SG Chattengau/1:23:16) und Sandra Barborseck (TV Breitenbach/1:23:44) holen konnte. Für die 21 Jahre alte Läuferin vom SSC Hanau-Rodenbach auch eine Marke, mit der sie sich für einen Einsatz bei der Langstrecken-WM in den USA empfehlen will. Im nächsten Jahr möchte sie auch wieder nach Griesheim kommen, ihre Zeit unter 1:20 drücken, womit sie eine Chance unter den besten Acht in Deutschland sieht.

Michael Obst will dann in der Spitze der M 40 mitmischen. Von seinem Halbmarathon-Einstand in dieser Altersklasse war der für Veranstalter TuS Griesheim laufende Darmstädter selbst überrascht: ,,Den Umständen entsprechend war die Zeit sehr gut", sagte Obst zu seinen 1:14:20 Stunden, mit denen er M 40-Hessenmeister wurde und als Gesamtsiebter zweitbester Südhesse hinter Martin Skalsky (LG Rüsselsheim/1:13:28) war. Zu den Umständen gehörte, dass Obst nach einem Bedienungsfehler seiner Uhr ohne Zeitorientierung lief, aber auch eine passende Vorbereitung. ,,Ich habe zuletzt zwei Wochen bei genauso windigen Bedingungen trainiert - beim Urlaub auf Menorca", berichtete Obst, dessen nächstes Ziel kompakter ist: die 5000 Meter lange Masters-Challenge beim Darmstädter Stadtlauf am 22. Juni.

Hassan Saba visiert dagegen den längsten Laufklassiker an: den Marathon in seiner Heimatstadt Frankfurt. Weil er erst seit kurzer Zeit wieder im Training ist, entschied er sich in Griesheim für 10 000 m und war trotz des zweiten Platzes 20 Sekunden hinter Marco Schwab (Kassel /33:23 Minuten) nicht zufrieden. ,,Nur die ersten drei Kilometer waren gut", sagte der für TV Jugenheim gemeldete Algerier nach dem ungemütlichen Lauf in nassen Socken.

Einem machte das Wasser auf der Straße und in den Schuhen gar nichts aus - er lief den Halbmarathon nämlich barfuß. ,,Der Laufstil wird viel besser, weil jeder Fehler bestraft wird", begründet Hermann Blatz seinen seit zwei Jahren gepflegten Naturstil, mit dem er sich eine dicke Hornhautschicht an den Füßen zugelegt hat. Auf Asphalt sucht sich der Ehemann von Regine Blatz - die gebürtige Pfungstädterin gewann die W 45 in 1:32:05 - im Stile eines Formel-1-Fahrers die Ideallinie mit dem meisten Gummiabrieb.

Der fehlte in Griesheim auf den ersten Kilometern, die über den noch nicht für den Verkehr freigegebenen Westring führten. Split und Steinchen sind die natürlichen Feinde des Barfußläufers. Aber bis zur deutschen Meisterschaft im April 2011 wird auch der erste Streckenabschnitt in bestem Zustand für Rekordläufe sein.


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31.05.2010 Merck-Lauf

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