| mehr Bilder |
DARMSTADT.
Die Stadtmauer rötlich getönt, die Fensterfront des Darmstadtiums stahlblau, darüber eine strahlend gelbe Sonne umrahmt von Azur - es war eines der gemalten Plakate an der Strecke, die den Läufern beim 3. Darmstadt-Marathon die Sehenswürdigkeiten der Stadt näher bringen sollte. Und das Wunschbild kam der Wirklichkeit bei bestem Spätsommerwetter am Sonntag doch ziemlich nahe. Der erste von rund 1700 Läufern, der vorbeikam, würdigte das Bild allerdings keines Blickes. Weder das neue Kongresszentrum noch das alte Schloss gegenüber, das er später noch als Symbol auf der gewonnenen Medaille in der Hand hielt, konnten die Aufmerksamkeit von Zsolt Szelepcsényi auf sich lenken. Der 18 Jahre alte Ungar, aus der Darmstädter Schwesterstadt Szeged, wollte wie 2009 wieder den Halbmarathon gewinnen. Und er tat das in imponierender Manier. Das Rennen sei schwieriger als im Vorjahr gewesen, konstatierte er später zwar. Doch das kann nicht an der Konkurrenz gelegen haben. Denn in 1:12:34 Stunden distanzierte er den zweitplatzierten Teamkollegen Roland Selmeczy um nahezu sechs Minuten. Damit lieferte Szelepcsényi am Sonntag die sportlich wohl wertvollste Leistung ab, samt Streckenrekord und persönlicher Bestzeit - und das auf einem Kurs, der allgemein wegen seines Zuschnitts und Höhenprofils als schwierig gilt. Als weitere Tücke kam am Sonntag vor allem im Abschnitt am Oberfeld noch kräftiger Gegenwind dazu. Der forderte auch Darmstadts Triathlon-Profi Frank Vytrisal, obwohl dieser das Rennen nur als Aufgalopp für die kommende Saison nahm. »So richtig kommt man da nicht ins Rollen«, befand der 43-Jährige. »Die Sekunden, die man da verliert, kann man später nicht mehr einholen«. Dennoch war Szelepcsényi nicht der einzige, der an diesem Tag schneller denn je war. Das Kunststück gelang auch dem Mannheimer Raphael Grotti, der den ganzen Marathon absolvierte - und damit zwei dieser Runden, die vom Bürgerpark zuerst in den Ostwald und dann durch die Stadt über Mathildenhöhe und Herrngarten zurück führten. 2:46:10 Stunden brauchte er dafür. Persönliche Bestzeit, Streckenrekord, hieß auch Grottis Bilanz. Der 26-Jährige, der lange in Eberstadt zuhause war, verkörpert noch den Einsteiger in der Langstreckenszene und damit das Gegenstück zu Vorjahressieger René Strosny. Der Siebenunddreißigjährige, der in Roßdorf wohnt und für den Bautzener LV startet, wurde diesmal in 2:52:27 Stunden Zweiter. Er ist Vielstarter und Ultralangstreckenläufer, der den Darmstadt-Marathon als Training für sein nächstes Vorhaben begriff: Den »Spartathlon« in Griechenland, bei dem er 246 Kilometer am Stück zu bewältigen hat. Mehr als Grotti in seinen bisher fünf Marathon-Rennen zusammen zurückgelegt hat. Diese sind allerdings von großen Leistungssprüngen gekennzeichnet. Als Vorbild taugt der Mannheimer mit seinem improvisierten Einstieg 2008, »ohne zu Wissen, was Marathon eigentlich ist«, allerdings kaum. Ohne Verein, ohne Trainer und Ratgeber ging er die Sache eher unorthodox an. Im Frühjahr in Mannheim lief er dennoch in 2:53 erstmals unter drei Stunden. Im Herbst in Frankfurt will er die 2:45 knacken. »Zum richtigen Spitzensport schaffe ich es nicht mehr«, betont der BWL-Student zwar. Aber die Hoffnung auf weitere Fortschritte auf einem flacheren Kurs schwingt mit. »Ich bin ja noch nie so ein Brett wie Berlin oder Frankfurt gelaufen. Und was mehr geht, das nimmt man gerne mit«. Hinter der amerikanischen Frauen-Siegerin Michelle Fetzer (Triathlon Wiesbaden), die nach ihrem Sieg in 3:08:02 über das viele Auf und Ab und die vielen Richtungswechsel stöhnte, lief Lokalmatadorin Steffi Schmahl auf Rang zwei. Und die 35 Jahre alte Darmstädterin fand das »gar nicht so anstrengend.« Auch, dass sich das Feld nach dem Zieleinlauf der vielen Halbmarathon-Teilnehmer stark lichtete, fand sie nicht schlimm. Im Gegenteil. »Das war das Tolle. Auf der zweiten Runde ist man dann mehr für sich und kann sein eigenes Tempo laufen.«








Merken
|













