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28. Januar 2012  | Von Heiko Weissinger

„Ich weiß, dass ich es noch kann“

Leichtathletik – Dameon Jones versucht nach langer Verletzungsserie ein Comeback bei der LG Mörfelden-Walldorf

| Vergrößern | Trainiert eifrig für sein Comeback: Dameon Jones. Foto: Uwe Krämer


Als Dameon Jones 2008 von seinem Heimatverein LG Stadt Hattersheim zu Eintracht Frankfurt wechselte, schien er auf dem Weg zu einer großen Karriere zu sein: Deutscher Vizemeister im Blockmehrkampf Sprint/Sprung mit 14, Hessenrekord in dieser Disziplin mit 15 eingestellt, mehrfacher Hessenmeister in Sprint, Sprung und Mehrkampf, Deutscher Mannschaftsmeister der Schüler im Mehrkampf. Mit 16 lief er zum ersten Mal die 100 Meter unter elf Sekunden und sprang sieben Meter weit. Lohn: die Nominierung für den Nationalkader Ende 2009.
Doch im gleichen Jahr begann eine Serie von Verletzungen, die bis heute anhält. „Ich hatte sehr oft Muskelfaserrisse und Zerrungen, bei Wettkämpfen bekam ich Schmerzen“, erinnert sich der Frankfurter an das Jahr 2010 und die erste Hälfte des vergangenen Jahres. „Ich konnte nicht mehr so oft trainieren, hatte kaum noch Wettkämpfe.“
Jones' sportliche Entwicklung stagnierte, er verlor den Anschluss. Anfang 2011 der Tiefpunkt: „Ich war so frustriert, dass ich ganz die Lust auf Sport verloren und zwei Monate überhaupt nichts mehr gemacht habe.“ Sein Freund Kai Schneider legte ihm schließlich einen Wechsel zu dessen Verein LG Mörfelden-Walldorf nahe, wo Jones seit einem halben Jahr mittrainiert.

Ein Neuanfang mit bekanntem Trainer. Denn Markus Oerter war 2008 und 2009 Coach im Landeskader Hessen und kannte Jones noch aus der Zeit, als Weiten von 7,30 bis 7,50 Meter und Zeiten von 10,60 bis 10,70 als nächste Ziele ausgegeben wurden. Heute wäre der Neunzehnjährige froh, wenn er in dieser Saison seine Bestmarken von vor drei Jahren (10,98/7,00) erreichen würde.
„Das muss auch der Anspruch für den Sommer sein“, sagt Markus Oerter, der das Training und insbesondere den Laufstil umgestellt hat, um die Verletzungsanfälligkeit zu reduzieren: „Dameon soll jetzt weniger über Kraft kommen, sondern mehr über Bewegungsschnelligkeit, damit die Muskulatur entlastet wird.“
Bis Ende Dezember lief es gut, Jones blieb von Verletzungen verschont und tastete sich langsam an alte Bestwerte heran. Doch dann, bei einem Trainingslager kurz vor Silvester, als die Intensität auf zwei Übungseinheiten pro Tag gesteigert wurde, spielte der Körper erneut nicht mit. Jones erlitt wieder eine Oberschenkelzerrung und verzichtet nun auf die Hallensaison.
„Der Rückschlag ist sehr schade“, sagt Markus Oerter. „Er war ehrgeizig im Training und hat gezeigt, dass er es noch mal wissen will. Ich hätte ihm bei der Hessenmeisterschaft der U 20 am Wochenende zugetraut, in den Kampf um den Titel einzugreifen.“ Für den Trainer steht außer Frage, dass Jones noch immer zu Höherem berufen ist: „Bestleistung mit 16 – das kann nicht das Ende sein, da muss noch was kommen.“ Zumal Leichtathleten mit 23, 24 noch für eine Leistungsexplosion gut seien. Bei Dameon Jones sei alleine die Gesundheit entscheidend, „und hier ist 2012 ein wichtiges Jahr, um zu sehen, ob der Körper noch mitmacht.“
Dameon Jones glaubt an sich: „Ich weiß, dass ich es noch kann.“ Er will es mit nahezu täglichem Training in Mörfelden, Walldorf und Frankfurt-Kalbach sich selbst beweisen, aber auch denen, die schon zu seinen erfolgreichen Zeiten gesagt haben, „der schafft es nicht“ – und den früheren Schulterklopfern, die sich von ihm abgewandt haben, seit er nicht mehr in den Bestenlisten auftaucht.
Es gebe nicht mehr viele, die an ihn glauben, sagt Jones. Sein neuer Trainer gehört dazu. „Ich würde nicht mit ihm zusammenarbeiten, wenn ich ihm nichts mehr zutrauen würde“, sagt Markus Oerter. Klar sei aber auch: „Manche sind belastbarer, andere weniger.“
Dameon Jones weiß, dass der Neuanfang in Mörfelden-Walldorf die letzte Chance ist, um in Weitsprung oder Sprint „noch einmal bundesweit auf mich aufmerksam zu machen“. Und er hofft, dass es ihm nicht wie dem ehemaligen deutschen Weltklasse-Zehnkämpfer Paul Meier ergeht, der nach einer langen Verletzungsserie seine Karriere vorzeitig beenden musste. „Mein Körper lässt kein Leistungstraining mehr zu“, sagte der WM-Dritte von 1993 bei seinem Rücktritt. „Mein Pech war, dass ich zu jung zu gut war. Ich war auf die hohen Intensitäten nicht vorbereitet, die aufgrund meines Talents möglich waren."

 
 


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