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04. Februar 2012  | Von Heiko Weissinger

„Danach gleich umziehen oder warm verpacken“

Interview – GPR-Chefarzt Michael Habekost sieht für Crossläufer in Trebur trotz Kälte kein erhöhtes Gesundheitsrisiko

| Vergrößern | Michael Habekost (53) ist seit Anfang 2005 Chefarzt für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am GPR-Klinikum in seinem Wohnort Rüsselsheim. Der verheiratete Vater dreier erwachsener Kinder war früher Marathonläufer. Heute hält er sich mit Joggen, Rad- und Kanufahren sowie Yoga fit. Foto: Echo


ECHO: Herr Habekost, beim Treburer Crosslauf werden zehn Grad minus erwartet. Sind Tempoläufe bei diesen Temperaturen ein Gesundheitsrisiko?

Michael Habekost: Nein. Die Kurz- und Mittelstreckenläufe sind weniger problematisch als Eineinhalb-Stunden-Läufe in der Kälte. Außerdem nehmen ja hier in der Regel trainierte Läufer teil, keine Anfänger. Ein Ausdauerläufer, der gut trainiert ist, kann mit geschlossenem Mund laufen. Wer auf kürzeren Strecken aufgrund der Anstrengung nicht durch die Nase atmen kann, bei dem ist die Austrocknungsgefahr für die Luftwege und damit die Erkältungsgefahr größer.

ECHO: Wie groß ist die Gefahr, das Herz zu überfordern oder anderweitig krank zu werden?

Habekost: Nicht anders als bei normalen Temperaturen auch; für das Herz gibt es da kein besonderes Risiko. Was die Erkältungsgefahr angeht, da muss man schauen, dass man hinterher nicht verschwitzt rumsteht. Und es gibt Menschen, die unter Belastung eine Art Asthmareaktion zeigen. Da ist das Risiko bei Kälte und reizarmer Luft sicher höher, weil die Atemluft nicht angewärmt und auch nicht angefeuchtet wird; da kommt die kalte Luft direkt in die Lunge. Trainierte Leute wissen das, Volksläufer müssen da aufpassen.

ECHO: Wie gefährlich ist die Kombination Kälte und starker Wind?

Habekost: Da sehe ich kein besonderes Risiko. Kalt ist kalt. Nur die Empfindung ist eine andere, weil sich die Kälte durch den Wind noch mal anders anfühlt.

ECHO: Wie können sich die Läufer vor der Kälte schützen?

Habekost: Bei den Kurzstrecken wird man nicht so stark ins Schwitzen kommen, als wenn man jetzt zehn oder 15 Kilometer läuft. Aber es wird sicher warm werden. Ich würde eine leichte Kleidung mit langen Beinen empfehlen, die einen nicht frieren lässt, aber sie sollte nicht zu warm sein, damit man nicht zu stark ins Schwitzen kommt. Wenn der Schweiß dann durch die Kleidung abtransportiert wird, hat man schnell das Gefühl, dass man friert. Und das ist dann der Moment, wo man auskühlt, wo Erkältungen drohen. Wichtig sind auch Handschuhe und Mütze, weil man sonst zu viel Wärme verliert, vielleicht auch etwas für den Hals, aber man sollte nicht mit Wollpullover laufen. Das ist eher was für Schlittschuhläufer, die zum Vergnügen auf dem Eis laufen und nicht groß ins Schwitzen kommen.
ECHO: Sollten die Läufer ihr Ess- und Trinkverhalten rund um einen Wettkampf bei niedrigen Temperaturen umstellen?

Habekost: Ich denke nicht. Es ist sicher vernünftig, vor dem anstrengenden Wettkampf viele Kohlehydrate zu tanken. Ansonsten sind warme Getränke empfehlenswert, kalt sollte man nicht unbedingt noch trinken.

ECHO: Welche Fehler sollten Sportler bei dieser extremen Kälte unbedingt vermeiden?

Habekost: Mit durchgeschwitzten Sachen in der Kälte stehen, denn dann ist man anfällig für Infekte. Man sollte sich danach entweder gleich umziehen oder sich warm verpacken, wie man es ja auch bei den Biathleten und Langläufern im Fernsehen sieht. Wobei sich Sportler ohnehin immer warmhalten sollten. Es kann Ihnen auch im Sommer passieren, dass Sie sich nach dem Sport erkälten, wenn Sie verschwitzt sind und irgendwie einen Luftzug abbekommen, zum Beispiel von der Klimaanlage.
ECHO: Muss man bei diesen eisigen Temperaturen anders laufen und trainieren?

Habekost: Man muss gerade bei Kurz- und Mitteldistanzen Wert auf das Warmlaufen legen, sonst ist nichts Besonderes zu beachten.

ECHO: Sind bei der Kälte ähnliche Leistungen wie bei angenehmen Temperaturen möglich oder bedeutet minus zehn Grad, dass der Körper mehr Energie verbraucht und deshalb weniger leistungsfähig ist?

Habekost: Bei längeren Strecken ist es wahrscheinlich unerheblich, aber bei kürzeren Strecken kann man bessere Leistungen erbringen, wenn es nicht so kalt ist. Das liegt aber weniger am Energiespeicher, sondern daran, dass Sie sich bei großer Kälte außerhalb des Fensters für angenehmes Empfinden befinden. Und die Muskeln sind geschmeidiger bei wärmeren Temperaturen.

ECHO: Wie schätzen Sie die Verletzungsgefahr auf dem gefrorenen Boden rund um das Treburer Stadion ein?

Habekost: Grundsätzlich nicht höher als wenn Sie auf Asphalt laufen. Aber die Verletzungsgefahr ist natürlich höher als auf weichem Waldboden. Man muss besser aufpassen, der Boden ist nicht so gut gefedert, und man kann leichter über einen gefrorenen Ast oder Ähnliches stolpern. Und für die Gelenke ist das natürlich auch nicht so toll.

ECHO: Gibt es denn auch positive Effekte beim Laufen in der Kälte, beispielsweise eine immunstimulierende Wirkung?

Habekost: Ich glaube nicht, dass die Kälte per se einen Vorteil bietet. Man kann nicht sagen: Es härtet besonders gut ab, wenn man bei Kälte läuft. Da kauft man sich eher ein paar Nachteile ein, zum Beispiel, dass man leichter mit Bronchitis reagiert.

 
 


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