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24. Dezember 2011  | Von Achim Muth

Löw: „Bei uns gibt es keine Geschenke“

Fussball – Bundestrainer Joachim Löw über seine Einstellung zu Weihnachten und zur Kirche

| Vergrößern | Joachim Löw Foto: dpa

ECHO: Herr Löw, welchen Bezug haben Sie als ehemaliger Ministrant zum Weihnachtsfest?
Joachim Löw: Weihnachten heißt für mich: Ruhe, Familie, Tradition, gutes Essen.

Zur Person: Joachim Löw

Geboren: 3. Februar 1960 in Schönau/Schwarzwald.
Privatleben: Löw ist seit 1988 verheiratet und lebt seit drei Jahren in der Nähe von Freiburg.
Karriere als Fußball-Profi: In 52 Bundesligaspielen (u.a. VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt) erzielte er sieben Tore, hinzu kommen 252 Einsätze und 81 Tore in der Zweiten Liga, die er für den SC Freiburg schoss. Damit ist er bis heute dessen Rekordtorschütze.
Karriere als Trainer: Von 1994 bis 2004 arbeitete Löw als Vereinstrainer (u.a. VfB Stuttgart, Fenerbahce Istanbul). 2004 wurde er Co-Trainer von Jürgen Klinsmann, ehe er nach der WM 2006 dessen Nachfolge als Bundestrainer antrat.


ECHO: Gehen Sie auch in die Kirche?
Löw: Am Heiligen Abend, ja.

ECHO: Aus Überzeugung?
Löw: Wir gehen an Weihnachten gerne mit der Familie in die Kirche.

ECHO: Sind Sie ein gläubiger Mensch, der regelmäßig betet?
Löw: Ich bete auf meine Art und Weise. Ich muss aber nicht unbedingt in die Kirche gehen, um zu beten.

ECHO: Was stärkt Sie?
Löw: Jeder Mensch sucht ja nach Glauben oder nach einem Halt. Es gibt ja auch das Erleben der inneren Stärke. Der Ruhe,
die einem Kraft gibt, die man benötigt, um durchs Leben zu gehen.

ECHO: War das Abrücken von der Institution Kirche ein Prozess oder gab es dafür ein einschneidendes Erlebnis?
Löw: Ich bin nicht abgerückt von der Kirche, aber ich sehe manches kritisch.

ECHO: Sie verbinden Weihnachten mit Ruhe. Wie ruhig ist denn der Heilige Abend im Hause Löw?
Löw: Der Großteil der Familie ist beisammen und das genießen wir sehr. Für mich bedeutet dieser private Kreis auch Ruhe und Zufriedenheit.

ECHO: Und niemand fragt Sie nach der Nationalmannschaft?
Löw: Das Thema ist an Weihnachten außen vor.
ECHO: Auch bei den Leuten, die den Bundestrainer beim Kirchgang treffen?
Löw: Ich habe es fast überall erlebt, dass Leute mich auf die Nationalmannschaft ansprechen oder um ein Autogramm bitten, aber in der Kirche bislang noch nicht (lacht).

ECHO: Kümmern Sie sich selbst um die Geschenke?
Löw: Bei uns gibt es keine Geschenke.

ECHO: Grundsätzlich nicht?
Löw: Nur für die Kinder in der Familie. Unter uns Erwachsenen ist das aber schon seit vielen Jahren nicht mehr der Fall.

ECHO: Weil einem nichts mehr einfällt, weil man schon alles hat?
Löw: Nein, weil wir das Geld, das wir normalerweise in Geschenke investieren würden, lieber für gute Zwecke verwenden und damit Menschen helfen, die wirklich hilfsbedürftig sind. Geschenke kann man das ganze Jahr über machen, dass muss nicht an Weihnachten sein.

ECHO: Hier in unserem Interviewraum steht ein voller Geschenkewagen für Sie. Am auffälligsten ist die Fünf-Liter-Flasche Rotwein eines Hotels...
Löw: Es stimmt mich ein bisschen bedenklich, dass mir mittlerweile alle Wein schenken und dass die Flaschen immer größer werden (lacht). Vor zwei Jahren waren noch hin und wieder Zigaretten dabei.

ECHO: Hat es geklappt, mit dem Rauchen aufzuhören?
Löw: Ja, im Moment schon. Darüber bin ich sehr froh.

ECHO: Enge Mitarbeiter von Ihnen erzählen, dass Werte für den Bundestrainer wichtig sind. Sind sie auch ein Auswahlkriterium bei der Zusammenstellung der Nationalmannschaft?
Löw: Ja, sie sind ein Teil. Als Trainer ist es wichtig zu wissen: Wie verhalten sich Spieler in einem Team. Eine Mannschaft zu sein, ist im heutigen Leistungssport Fußball viel wichtiger als je zuvor. Es gibt Werte, die dort zu beachten sind: respektvoller Umgang untereinander, aber auch gegenüber unserem Team hinter dem Team. Kommunikation, Toleranz, Disziplin, Akzeptanz von Abläufen, Zuverlässigkeit, Seriösität, Konzentrationsfähigkeit: Das alles spielt eine Rolle für ein gutes Arbeitsklima.
Wenn man bedenkt, wie häufig wir im Ausland sind und dort Deutschland vertreten, dann ist mir das Auftreten der Nationalmannschaft wichtig. Wir wollen uns schließlich nicht nur aufgrund unserer Spielweise Respekt verdienen.


 
 


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