„Es geht darum, Entscheidungen mit Augenmaß und immer im Dialog mit den medizinischen Abteilungen zu treffen“, sagt Lutz Michael Fröhlich, DFB-Abteilungsleiter Schiedsrichter. Der Deutsche Fußball-Bund hat zur internationalen Regel 5 zusätzliche Erläuterungen gestellt. Unter anderem heißt es: „Fußball soll bei Temperaturen ab minus 15 Grad, bei starkem Wind ab Temperaturen von minus 10 Grad nicht mehr gespielt werden. Bei starker Kälte muss der Schiedsrichter auf die angemessene Bekleidung der Beteiligten achten.“
Der DFB weist darauf hin, dass die Temperaturempfehlungen keine Fußballregel seien und ein Abbruch auch nicht eingeklagt werden oder der Spielausgang nicht im Nachhinein angefochten werden kann. Die Entscheidung sei Ermessenssache des Schiedsrichters und der Mannschaftsärzte, das letzte Wort habe der Unparteiische. „Die Schiedsrichter sind sensibilisiert“, sagte Fröhlich angesichts der derzeit bitteren Kälte.
In Darmstadt sind am heutigen Samstagnachmittag allerdings keine Temperaturen von minus 10 Grad oder tiefer zu erwarten. Im Rhein-Main-Gebiet, so die Vorhersage der Meteorologen, sollen es maximal minus fünf bis sieben Grad werden. Deshalb ist auch eine Absage des Drittliga-Hessenderbys zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem SV Wehen Wiesbaden ab 14 Uhr am Böllenfalltor wohl kein Thema. Die letzte Entscheidung allerdings trifft Schiedsrichter Robert Hartmann aus Wangen im Allgäu. Die Wahrscheinlichkeit einer späten Absage kommt indes selten vor.
Problematisch ist die Kälte vor allem für Torhüter. Schließlich haben sie in den 90 Minuten eindeutig weniger Möglichkeiten, sich durch intensives Laufen warmzuhalten. „Bei so einer extremen Kälte ziehe ich immer eine Lage mehr an“, sagt Jan Zimmermann, Torwart des SV 98 gegenüber dem Hessischen Rundfunk. Trotzdem käme man aber nicht ums Frieren herum. Angst davor, im entscheidenden Moment nicht voll auf der Höhe zu sein, hat Zimmermann indes nicht. „Klar ist man beeinträchtigt. Aber es spielt keine entscheidende Rolle“, so der Torhüter.
„Es gibt nur rein physische Mittel, um sich aufzuwärmen und warmzuhalten“, erklärt Dr. Ingo Schwinnen, Mannschaftsarzt des SV 98, gegenüber dem ECHO. Der Sportmediziner empfiehlt daher ein noch intensiveres Aufwärmprogramm vor Beginn der Partie. Intensiver und zeitaufwendiger als üblich müsse jeder Fußballer sein Programm absolvieren. Und keine Frage: „Vor Spielbeginn müssen die Muskeln auch durch eine entsprechende Massage aufgewärmt werden,“ rät Schwinnen. Zum einen, um Verletzungen frühzeitig vorzubeugen. Zum anderen, weil kalte Muskeln weniger leistungsfähig sind.
Die Zuschauer am Böllenfalltor können sich laut Mitteilung des SV 98 am heutigen Samstag zu günstigen Preisen innerlich aufwärmen. An den Verkaufsständen gibt es alle heißen nicht-alkoholischen Getränke zum Preis von einem Euro (Kaffee, Tee und heißer Orangensaft).
In der Dritten Liga wurden zwei Begegnungen wegen Unbespielbarkeit der Plätze bereits abgesagt: VfL Osnabrück gegen RW Erfurt und Carl Zeiss Jena gegen den 1. FC Heidenheim.
Torhüter haben derzeit die größten Probleme
Fussball – Kälte: Schiedsrichter entscheiden über Absage oder nicht – Spiel des SV 98 derzeit nicht gefährdet
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