Eine solch rasante Entwicklung hatte selbst Bernd Konradi nicht erwartet, als er im März 2010 den Vorsitz beim SC Kickers übernahm. Die Gelb-Blauen hatten damals keine eigenständige Mannschaft mehr, sondern bildeten eine Spielgemeinschaft mit dem VfR Groß-Gerau.
Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, Jasmine Wismar zum Verein zu holen. Die Mädchenreferentin des Fußballkreises Groß-Gerau, zuvor bei der TuS Rüsselsheim engagiert, trainiert nun drei Mannschaften, spielt im zweiten Frauenteam und fungiert als stellvertretende Jugendleiterin des SC Kickers. In ihrem Gefolge schlossen sich weitere Spielerinnen dem Verein an, darunter ihre drei Töchter. Der Anfang war gemacht.
Zudem hat der Vorstand die Außendarstellung des Klubs verbessert: Das Logo eines Totenkopfs mit Zöpfen, ergänzt mit dem Untertitel „Soccer Girls“, ziert die Kickers-Trikots und das Vereinsheim an der Rüsselsheimer Straße. Aber es sind fröhliche Fußballpiratinnen, die auf ihren Kaperfahrten nur Punkte erbeuten wollen. „Wir wollen, dass die Mädchen hier Spaß am Fußball haben“, betont Konradi.
Diesen Spaß vermittelt der Verein auch bei seinem Mädchen- und Familientag, den er alljährlich veranstaltet. Dabei steht Fußball im Mittelpunkt, aber die Besucher können sich auch bei Spielen und Bewegungsangeboten amüsieren. Darüber hinaus wirbt der Verein bei Aktionen in Schulen für den Mädchenfußball – insbesondere für jenen beim SC Kickers.
All dies regt die Mund-zu-Mund-Propaganda an, die nach den Erfahrungen der SC-Verantwortlichen sehr wichtig ist, wenn man Mädchen für Fußball gewinnen will. Dass junge Frauen sich für den Sport begeistern lassen, sei nach wie vor ungewöhnlich, so Wismar. Die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland habe daran wenig geändert.
In der Regel kämen Mädchen nicht von sich aus zu einem Fußballverein, sondern schlössen sich Geschwistern oder Freundinnen an. Damit sie am Ball bleiben, legt der SC Kickers großen Wert darauf, ihnen die Freude an dieser Sportart zu vermitteln. So ist denn auch die Philosophie des Vereins überschrieben: „Wo Spaß am Fußball Methode ist“. Jasmine Wismar fügt hinzu: „Der Leistungsgedanke gehört aber auch dazu.“ Denn am spaßigsten sind nun einmal Siege.
Ein altersgemäßes, aufeinander aufbauendes Trainingskonzept soll für eine umfassende fußballerische Schulung sorgen. „Besonderes Augenmerk gilt der Ausbildung und Förderung technischer, individueller und taktischer Fähigkeiten“, heißt es in der Kickers-Philosophie. Auf diese Weise sollen die Spielerinnen, wenn sie in die nächsthöhere Altersklasse kommen, reibungslos von Mannschaft zu Mannschaft integriert werden können.
Diese Anstrengungen haben bereits Erfolge gebracht, wie Jasmine Wismar berichtet. Sie weist auf die C-Juniorinnen hin, die „Herbstmeister“ geworden sind – und dies, obwohl dieses Team bis auf eine Ausnahme mit Spielerinnen im D-Jugend-Alter besetzt ist. Und die D 2-Juniorinnen des SC Kickers hätten einen Coup geschafft, der bisher einmalig in Hessen sei: Die Mörfelder Mädchenmannschaft hat in einem altersgerechten Jungenwettbewerb (eigentlich dürften die Kickers-Mädchen bei den E-Junioren spielen) die Endrunde der Hallenkreismeisterschaft erreicht. Das Finale wird am 22. Januar in Goddelau ausgetragen.
Bei den Frauen spielt der SC Kickers mit zwei Teams um Punkte in der Kreisoberliga, der untersten Klasse. Jasmine Wismar traut dem ersten Team, das Tabellenzweiter ist, aber den Aufstieg zu. Nicht auf direktem Weg, denn dazu ist der ungeschlagene Spitzenreiter Germania Pfungstadt III zu stark, aber durchaus über die Relegation.
Ihren Teil dazu beitragen will Jessica Nardelli, eine der Leistungsträgerinnen dieses Teams. Die Tochter von Bernd Konradi, als Schriftführerin auch Vorstandsmitglied, hat noch die Glanzzeiten des SC Kickers in der Oberliga erlebt. Bis 2005 gehörten die Mörfelderinnen Hessens Eliteliga an. Aber was nicht mehr ist, kann ja wieder werden.
„Steiler Aufschwung“ in eineinhalb Jahren
Fussball – SC Kickers Mörfelden zählt zwei Frauen- und fünf Mädchenteams – Erfolgreiche C- und D 2-Juniorinnen
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