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20. November 2009  | dpa

Neuer Wettskandal im internationalen Fußball?

Sportwetten - SSV Ulm zeigt sich über Berichte ,,geschockt" und will mit Staatsanwaltschaft kooperieren

BOCHUM. 
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Wettskandal? Dem internationalen Fußball droht wieder die Verstrickung in dubiose Geschäfte. ArchivFoto: Claus Völker dpa

Dem internationalen Fußball droht ein neuer Wettskandal größeren Ausmaßes. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt nach eigenen Angaben seit Anfang des Jahres gegen eine international agierende Bande, der fortgesetzte, gewerbsmäßige Wettbetrügereien zur Last gelegt werden. Der Hauptverdächtige soll der ,,Berliner Morgenpost" zufolge aus Berlin stammen und bereits in den Manipulationsskandal um den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt gewesen sein. Die Berliner Polizei verwies am Donnerstag auf die zuständigen Behörden in Bochum. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung steht auch ein Spiel aus Deutschland im Fokus der Ermittler.

,,Die UEFA- und DFB-Frühwarnsysteme für die Überwachung des Wettmarktes haben keinerlei Erkenntnisse über Spielmanipulationen in Deutschland geliefert. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum können wir keinen Kommentar abgeben, da uns die Ermittlungsergebnisse bisher nicht bekannt sind", erklärte Harald Stenger, der Medien-Direktor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Nach einer Meldung des Onlinedienstes der ,,Süddeutsche Zeitung" haben die Ermittler allerdings den Verdacht, dass auch eine Partie in Deutschland manipuliert worden sein könnte. Dabei soll es sich laut ,,Süddeutsche.de" um das Freundschaftsspiel SSV Ulm gegen Fenerbahce Istanbul (0:5) am 14. Juli 2009 handeln. Aus den Unterlagen der Ermittler ergebe sich der Verdacht, ,,bislang unbekannte Spieler des SSV Ulm sollen für ihre Bereitschaft zu verlieren" einen niedrigen fünfstelligen Betrag insgesamt erhalten haben. Es handele sich dabei nur um einen Anfangsverdacht.

,,Die Beschuldigten sind verdächtig, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus hochrangigen europäischen Fußball- Ligen gegen Geldzahlungen veranlasst zu haben, den Ausgang von Spielen im Sinne der Bande zu manipulieren und diese Situation zu Wettbetrügereien ausgenutzt zu haben", erklärte die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen am Donnerstag in Bochum.

Im Zuge der Ermittlungen, die durch Verantwortliche der Europäischen Fußball-Union (UEFA) unterstützt und begleitet würden, seien am Donnerstag im In- und Ausland zahlreiche Einrichtungen durchsucht und mehrere Verdächtige festgenommen worden. Einzelheiten wollen Staatsanwaltschaft und Polizei zusammen mit einem Vertreter der UEFA aus der Schweiz an diesem Freitag (14.00 Uhr) auf einer Pressekonferenz in Bochum bekanntgeben.

Anfang 2005 hatte die Hoyzer-Affäre den deutschen Fußball erschüttert. Der Referee hatte in einigen Spiele absichtlich falsch gepfiffen. Nutznießer waren vor allem ein Berliner Wettbüro und er selbst. Hoyzer gestand und wurde zu einer Haftstrafe wegen der Manipulation von Fußball-Spielen und Beihilfe zum Betrug verurteilt. Die Haftstrafe hat er inzwischen verbüßt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sperrte Hoyzer lebenslang.

   Laut ,,Morgenpost" soll es diesmal um angeblich manipulierte Erstligaspiele in der Türkei gehen. Insgesamt gebe es 100 Tatverdächtige. Am Donnerstagmorgen seien fünf Haftbefehle vollstreckt worden.

Fußball-Regionalligist SSV Ulm 1846 hat in einer ersten Stellungnahme volle Kooperation mit der Staatsanwaltschaft zugesagt. ,,Wir wollen eine schnellstmögliche Aufdeckung des Falls", sagte Markus Lösch, der Geschäftsführer des SSV Ulm. ,,Wir stellen uns absolut zur Verfügung." Der Verein fordere Akteneinsicht, um sich ein Bild machen zu können, und hoffe dabei ,,auf Fakten". Er wisse bislang nichts Konkretes.

   Lösch sagte, der Verdacht, dass der SSV Ulm 1846 in den neuen Wettskandal verwickelt sein könnte, habe ihn ,,überrascht und geschockt". Er habe davon am Donnerstagabend im Videotext erfahren. Der ehemalige Profi von Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Nürnberg, den Stuttgarter Kickers und von Eintracht Trier versicherte, er könne sich nicht vorstellen, dass Ulmer Spieler manipuliert haben sollten.


 
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