Dem FC Bayern droht das Aus im ersten von drei Titelrennen. Der VfB Stuttgart hat wohl nur noch diese eine Chance auf das internationale Fußball-Geschäft. Als ob ein Südschlager im Viertelfinale des DFB-Pokals nicht schon brisant genug wäre, bekommt dieses Prestigeduell am heutigen Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) in der Mercedes-Benz-Arena noch diese zusätzliche Bedeutung. „Ich denke, dass meine Spieler wissen, in welcher Situation wir sind. Manchmal braucht man so ein Spiel, wo der Funke überspringt“, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes.
Er spielt damit auf eine vergleichbare Situation in der Saison 2009/2010 an. Damals standen die Münchener unter Louis van Gaal mit dem Rücken zur Wand und gewannen dann bei Juventus Turin mit 4:1. Das war der Auftakt zu einer Erfolgsserie, die die Bayern bis zur deutschen Meisterschaft und ins Finale der Champions League trug. Nach dem holprigen Start in die Rückrunde und dem Verlust der Tabellenführung an Dortmund hofft Heynckes auf einen ähnlichen Effekt: „Wir haben sehr gute Offensivspieler. Es ist eine Frage der Zeit, wann sie explodieren.“
Der erfahrene Trainer weiß genau, was auf dem Spiel steht: Gewinnen die Bayern, verschaffen sie sich wieder etwas Ruhe und Selbstvertrauen. „Der Pokal ist ein Wettbewerb, wo wir erfolgreich sein wollen“, betonte Heynckes. Verlieren sie jedoch, wird das Krisengerede noch lauter.
Für Bruno Labbadia ist es ebenfalls ein besonderer Tag: Der VfB-Trainer wird am heutigen Mittwoch 46 Jahre alt. Und er wurde 1991 als Spieler von Heynckes zu den Bayern geholt. Seitdem kennt er den großen Erwartungsdruck rund um diesen Verein: „Ich finde es immer wieder interessant, wie schnell die Bayern angeblich in einer Krise stecken. Aber wir wissen, dass sie eine Riesen-Qualität haben. Wir müssen eine Topleistung abrufen. Das ist mein Geburtstagswunsch.“
Labbadia und Heynckes sind durchaus in einer vergleichbaren Lage. Beide haben damit zu kämpfen, dass ihre Mannschaften vieles von ihren Stärken und ihrer Leichtigkeit aus dem vergangenen Herbst verloren haben. Dass beide Trainer noch nicht das richtige Mittel dagegen gefunden haben, zeigt allein, dass Heynckes zuletzt Toni Kroos von einer Position zur anderen geschoben und Labbadia mehrfach die taktische Grundordnung seines Teams verändert hat. Ansonsten versuchen beide aber vor allem, die Ruhe zu bewahren.
Labbadia eilt eher der Ruf voraus, zu viel von seinen Profis zu verlangen. In der vergangenen Woche aber regte er eine Spielersitzung an, in der diverse Probleme auf den Tisch kamen und die allgemein als Grund für den kleinen Aufschwung beim 2:2 in Leverkusen gilt.
Zwei Dinge bereiten dem VfB allerdings Sorgen: Gegen die Bayern hat er eine miserable Pokalbilanz. Von zehn Duellen in diesem Wettbewerb gewannen die Stuttgarter nur eins - am Tag des Mauerfalls 1989 (3:0). Zuletzt hieß es zu Hause 1:5 (2009) und 3:6 (2010).
Seit der Nacht auf Montag ist zudem sicher, dass Arjen Robben mitspielen kann. Da wurde der Bayern-Angreifer zum dritten Mal Vater. „Vielleicht hätten wir vorher mit seiner Frau telefonieren sollen, dass sie noch etwas wartet“, meinte Labbadia.
Rivalität im Süden: FC Bayern in Stuttgart unter Druck
Bruno Labbadia, Trainer des VfB Stuttgart, wird heute 46 und will mit der Mannschaft ins Halbfinale einziehen
STUTTGART.
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