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08. Februar 2012  | dpa

Michael Skibbes skurrile Rechnung

Neuer Wettbewerb - neue Chance: Hertha BSC soll Bundesliga-Krise für 90 oder 120 Minuten vergessen

| Vergrößern | Trainer Michael Skibbe von Hertha BSC, aufgenommen am 28.01.2012 in Berlin im Spiel gegen den Hamburger SV. Foto: dpa
BERLIN. 

Die Rechnung des sieglosen Hertha-Trainers Michael Skibbe klingt skurril. „Wir sind in einem anderen Wettbewerb. Und da haben wir drei Spiele hintereinander gewonnen“, erklärte der neue Chefcoach vor dem Pokal-Viertelfinale seiner Berliner gegen Borussia Mönchengladbach. Nach neun erfolglosen Liga-Spielen und dem Absturz an den Rand der gefürchteten Abstiegszone sieht sich Hertha gegen die Liga-Überflieger aus Gladbach als Außenseiter, aber nicht chancenlos. Neuer Mut muss her - im Training ließ Skibbe Football spielen.
„Wir werden alles tun, um die Situation zu nutzen“, erklärte Michael Preetz. Der Manager, seit 1996 als Profi und später als Entscheider bei Hertha, spürt am besten die „große Sehnsucht“ in Berlin. Endlich einmal beim großen Fußballfest am 12. Mai im eigenen Stadion dabei sein. Vor 31 Jahren war den Berlinern letztmals der Einzug in ein Pokal-Halbfinale geglückt. Die beiden bisher einzigen Endspiel-Teilnahmen datieren sogar von 1977 und 1979, klammert man den Siegeszug der Hertha-Amateure bis ins Finale 1993 aus. „Es ist eine große sportliche Herausforderung“, sagte Skibbe.
Denn die aktuelle Borussia um Jungstar Marco Reus hält in dieser Saison nicht nur mit den deutschen Branchenführern wie Bayern und Dortmund mit. Die „Fohlen“ haben auch eine große Cuptradition: Dreimal DFB-Pokalsieger, dazu noch zwei weitere Endspielteilnahmen. Nach dem Abschlusstraining am Dienstag stand für den Borussen-Tross der Flug nach Berlin auf dem Programm. Und die Vorfreude auf das Bundesliga-Topspiel am Samstag gegen Schalke 04 hat Trainer Lucien Favre erst einmal zurückgestellt: „Jetzt zählt nur Berlin.“
Natürlich werden an diesem Mittwoch (19.00 Uhr/Sky) auch wieder alle Augen auf den Schweizer gerichtet sein. Über zwei Jahre hatte er bei der Hertha gearbeitet, sein Rauswurf war mit vielen unschönen Nebengeräuschen verbunden. Inzwischen gewann Favre mit Gladbach schon in der Liga bei Hertha 2:1; für Preetz ist die Sache von damals Geschichte. „Ich werde ihn begrüßen wie jeden anderen auch. Es gibt überhaupt kein Problem mit Lucien Favre“, betonte der Manager.
Vor rund 50 000 Zuschauer im Kühlschrank Olympiastadion, wo zur Anstoßzeit „nur noch“ minus acht Grad erwartet werden, geht es auch um eine Menge Geld. Rund zwei Millionen Euro TV-Gelder hat jedes Team mit vier Pokalrunden schon verdient, fast noch einmal soviel wird für den Halbfinaleinzug ausgeschüttet. „Jede weitere Runde hilft enorm“, erklärte Preetz angesichts von rund 35 Millionen Euro Schulden, die Hertha mit sich herumträgt.
Die Berliner können im Pokal nach dessen Bundesliga-Sperre endlich wieder den Brasilianer Raffael aufbieten. „Natürlich werden wir mit ihm mehr Impulse haben“, sagte Preetz. Das weiß auch Konkurrent Favre, der Raffael einst vom FC Zürich nach Berlin gelockt hatte: „Er bedeutet für Hertha enorm viel.“ Dass Favres Intimkenntnisse ein Vorteil sind, glaubt Preetz nicht: „Natürlich kennt er die Situation in Berlin. Aber ob ihn das in den 90 Minuten hilft, weiß ich nicht.“

 
 


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