Mohamed Zidan reckte die Arme zum Himmel, dachte an die zahlreichen Opfer in der Heimat und genoss dann für einen Augenblick das zuletzt so seltene Glücksgefühl. In der Gästekurve feierten die Fans von Mainz 05 ihren „verlorenen Sohn“ nach dessen Führungstreffer zum 1:0 bei Schalke 04 ausgelassen.
Noch lange nach dem 1:1 in Gelsenkirchen hatte der ägyptische Fußballprofi Mühe, seine Emotionen in Worte zu kleiden. „Ich kann meine Gefühle gar nicht beschreiben. Ich bin sehr glücklich und auch ein bisschen stolz auf mich“, sprudelte es au s Zidan heraus, ehe seine Gedanken doch wieder zu den Opfern der Stadionkatastrophe von Port Said und den Unruhen in seinem Heimatland schweiften.
Kaum ein Fußballfan mag dem erst fünf Tage zuvor von Borussia Dortmund zurück nach Mainz gewechselten Spieler den freudigen Moment nicht gegönnt haben. Zumal der Einsatz des 30 Jahre alten Stürmers laut Trainer Thomas Tuchel bis wenige Stunden vor dem Anpfiff „auf der Kippe“ stand. „Der Arzt war bei mir, ich bekam Medikamente“, erläuterte Zidan die Auswirkungen eines Magen-Darm-Virus'. „Er hat in der Nacht zuvor wohl kaum geschlafen und sich mehrmals übergeben“, fügte Tuchel hinzu.
„Sofort ein Tor zu machen, hilft ihm. Das tut ihm sicher gut.“ Grundlage für Zidans schnelle Wiedereingliederung sei, dass ihm das Umfeld und die Abläufe aus seiner ersten Mainzer Zeit von 2005 bis 2007 (dazwischen spielte Zidan ein halbes Jahr für Bremen) noch vertraut sind. Tuchel: „Die Grundlage war, dass er nach Hause gekommen ist.“
Schalke war nach dem frühen Gegentreffer in der 15. Minute zunächst wie gelähmt. Ausgerechnet in schwarz-gelben Schuhen hatte der ehemalige Dortmunder nach einer Flanke von Radoslav Zabavnik Maß genommen und den Ball aus halbrechter Position volley ins Tor gedroschen. Der Elf von Trainer Huub Stevens gelang nach fünf Siegen in Serie nur noch der Ausgleich durch Chinedu Obasi (59.). Stevens akzeptierte das Remis. „Wir haben es nicht gebracht in der ersten Hälfte. Aber es war wieder ein Schritt in eine gute Richtung.“
Dass er mit seinem ersten Bundesliga-Treffer für die Rheinhessen seit dem 12. Mai 2007 den ehemaligen Dortmunder Mitspielern am 20. Spieltag zum Sprung an die Tabellenspitze verhalf, war für Zidan eine zusätzliche Freude. „Ich habe vorher mit Sebastian Kehl telefoniert und ihm ein Tor versprochen. Damit sie etwas Vorsprung haben in der Meisterschaft“, erklärte Zidan augenzwinkernd. Dass seine Rechnung am Abend voll aufging, konnte Zidan da allerdings noch nicht wissen.
Ungleich wichtiger war für den Nationalspieler ohnehin, sein Tor den leidgeprüften Menschen in der Heimat zu widmen. Mit großer Sorge betrachtet er die dortige Entwicklung. Die Katastrophe im Stadion in seiner Geburtsstadt Port Said, wo bei Gewaltexzessen am Mittwoch mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen waren, beschäftigt Zidan. „Für mich war das ein Schock. Ich habe das Tor für meine gestorbenen Landsleute geschossen. Deswegen habe ich auch zum Himmel geschaut und die Arme hochgenommen, weil sie in Gedanken immer bei uns bleiben.“
Zidan begann seine Karriere bei Al-Masry, dem Club, in dessen Stadion beim Spiel gegen El-Ahli aus Kairo das Unfassbare geschah. „Gott sei Dank war keiner aus meiner Familie dort. Sie kommen eigentlich nur, wenn ich spiele“, sagte er erleichtert. Gleichwohl ist die Angst um die Angehörigen wegen der unsicheren politischen Lage, der anhaltenden Unruhen in Ägypten groß.
Zidan feiert Einstand bei Mainz mit Tor
Mohamed Zidan widmet sein Tor seinen leidgeprüften Landsleuten in Ägypten
GELSENKIRCHEN.
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