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31. Januar 2012  | Von Sigor Paesler

VfB Stuttgart höchstens Mittelmaß

1. Bundesliga – VfB Stuttgart zwischen aufkommender Trainerdiskussion und Qualitätsfrage

| Vergrößern | Unruhige Zeiten können auf Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia (links) und VfB-Sportdirektor Fredi Bobic zukommen. Archivfoto: dpa

Seit dem 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach am Sonntag ist beim VfB Stuttgart der Abstiegskampf ausgerufen – und plötzlich die Trainerdiskussion da. Dass Sportdirektor Fredi Bobic sich dazu äußert und sagt, dass die Position von Bruno Labbadia „kein Thema“ sei, ist ein Indiz genau dafür, dass der Druck auch auf den Coach größer wird. So ist das Geschäft. Und es ist angesichts von nur einem Zähler aus den vergangenen sechs Spielen und den schwachen Auftritten in den ersten beiden Spielen des Jahres auch kein Wunder.
Es stellt sich die Frage, ob Labbadia sein Pulver verschossen hat. Oder ob die Mannschaft im Niemandsland der Tabelle genau da steht, wo sie hingehört – mit sorgenvollem Blick in Richtung des vier Punkte entfernten Relegationsplatzes und ohne realistische Ambitionen in Richtung der acht Zähler entfernten Europapokal-Zone.
Kein Fall ist exakt mit dem anderen zu vergleichen, aber der am 13. Dezember 2010 verpflichtete Labbadia absolviert in Stuttgart bereits seine zweitlängste Station als Coach. Drei Jahre war er in Darmstadt, anschließend jeweils ein Jahr oder etwas weniger in Fürth, Leverkusen und Hamburg. Wobei sie den ehemaligen Stürmer zumindest in Fürth ungern gehen ließen.
Die Schwaben haben unter Motivator Labbadia in der abgelaufenen Runde den Klassenverbleib geschafft. Erst danach wollte er der Mannschaft seine Philosophie eines modernen Offensivfußballs näherbringen. Der Saisonstart war vielversprechend – am neunten Spieltag stand das Team auf Platz vier. Aber danach blieben die Impulse aus, der VfB entwickelte sich nicht weiter.
Was seit Mitte Oktober passiert ist, kann niemand zufriedenstellend erklären. „Von unseren 26 Gegentoren resultierten zwölf aus Standardsituationen. Das ist natürlich viel zu viel“, rechnete Serdar Tasci, seit seiner Beförderung zum Kapitän der Mann der klaren Worte, vor. Woran diese Schwäche liegt? Keiner weiß es, trainiert und darüber gesprochen wurde genug. „Wir haben vergangene Woche etwas umgestellt“, erklärte Labbadia frustriert.
„Es ist von so vielem ein bisschen, ich kann es wirklich nicht sagen“, war auch Mittelfeldspieler William Kvist nach der Schlappe gegen Mönchengladbach ratlos. Ein bisschen Abwehrschwäche, ein bisschen Mängel im Spielaufbau, ein bisschen fehlende mannschaftliche Geschlossenheit und viele Probleme im Angriff. Daran konnte auch Neuzugang Vedad Ibisevic nichts ändern, der Bosnier war ein Fremdkörper. „Er hat in Hoffenheim seine Klasse bewiesen und wird das sicher auch bei uns tun“, erklärte Tasci.
Die Hoffnung der VfB-Fans, nach der Murks-Saison 2010/2011 wieder in Richtung Europa zu blicken, wo die Mannschaft in den Jahren zuvor Stammgast war, ist zerplatzt. Der VfB ist Mittelmaß, höchstens. Von den momentan besten sechs Teams der Liga haben die Stuttgarter in der Hinrunde nur gegen Schalke 04 gewonnen, am ersten Spieltag.
Labbadia nahm das Wort „Abstiegskampf“ im Gegensatz zu einigen Spielern nicht in den Mund. Er betonte, man müsse „ruhig bleiben“ und „nicht paniken“. Auch dafür gibt es Argumente, so lange Mannschaften wie Freiburg, Augsburg oder Kaiserslautern mitspielen. Doch jetzt geht es erst einmal nach Leverkusen, zum Tabellensechsten.


 
 


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