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06. Februar 2012  | VON SIGOR PAESLER

Verbesserung in allen Bereichen

Leverkusen – Stuttgart 2:2 – Der VfB holt ersten Punkt in diesem Jahr und macht einen Schritt nach vorne

| Vergrößern | Bodenkampf zwischen Leverkusens Manuel Friedrich (links) und dem Stuttgarter Julian Schieber. Foto: dpa


Bruno Labbadia war „selbst überrascht“, als er die Aufstellung des VfB Stuttgart schwarz auf weiß sah. Fünf Änderungen hatte der Trainer des Fußball-Bundesligisten vor dem Auftritt bei Bayer Leverkusen vorgenommen. Und tatsächlich spielte die Mannschaft beim verdienten 2:2 (1:1) beinahe wie ausgewechselt. Was viele überraschte.
Labbadia bemühte sich nach dem Punktgewinn in der BayArena, die beiden vorherigen Spiele gegen Schalke (1:3) und Mönchengladbach (0:3) in einem nicht so schlechten Licht darzustellen, obwohl „das Ergebnis natürlich scheiße aussieht“, wie er drastisch formulierte. Und er bemühte sich ebenso zu betonen, dass die vielen Wechsel keine panische Reaktion, sondern in jedem einzelnen Fall begründet seien. Er versuchte, sich die Erleichterung darüber nicht anmerken zu lassen, dass die Stuttgarter Mannschaft nach zwei Pleiten einem kaum schlechteren Gegner Paroli geboten und einen Zähler abgetrotzt hatte.
Warum eigentlich? Am Ende hatte der Trainer, der im Falle einer weiteren schwachen Leistung angezählt worden wäre, alles richtig gemacht. Und das hätte er öffentlich ein bisschen mehr genießen dürfen. Selbst wenn Martin Harnik nicht kurz Schluss der verdiente Ausgleich gelungen wäre, hätte man dem VfB ein deutliches Lebenszeichen attestiert. „Du kannst viel predigen, aber du brauchst auch Erfolgserlebnisse“, stellte Labbadia fest.
„Es war alles da, was man uns zuvor als fehlend vorgeworfen hatte. Es wäre nicht verdient gewesen, wenn wir den Platz als Verlierer verlassen hätten“, meinte Christian Gentner, einer der Rückkehrer und der beste Akteur auf dem Platz. Zudem waren Khalid Boulahrouz, Shinji Okazaki, Georg Niedermeier und Julian Schieber neu in der Startelf. Schieber dankte seine Nominierung mit einem sehenswerten Freistoßtreffer zum zwischenzeitlichen 1:1. Und Harnik, dem der Trainer eine Pause verordnet hatte, stach als Joker. „Wir sind 18 Mann, die zusammen gehören, das hat man auch an Martins Tor gesehen“, betonte Schieber artig. Harnik hatte seine Reservistenrolle offensichtlich ohne großes Murren akzeptiert.
Labbadia war viel Risiko gegangen. Und es gab auch Situationen, in denen man merkte, dass die Mannschaft in dieser Formation noch nie auf dem Platz gestanden war. Etwa beim Leverkusener 1:0 durch Stefan Kießling, als in Sachen Zuordnung in der VfB-Hintermannschaft so gut wie nichts klappte. Die Überzahl in der letzten halben Stunde nach Michal Kadlecs Gelb-Roter Karte nutzten die Stuttgarter nicht immer geschickt. Aber sie traten diesmal mannschaftlich geschlossener auf als zuletzt, leidenschaftlich wurden Fehler ausgebügelt.
Sie schafften zwei Mal nach einem Rückstand den Ausgleich. Gerade nach dem Elfmetertor von Simon Rolfes – der kleinliche Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) hatte einen Schubser von Serdar Tasci gegen Lars Bender geahndet –, war das nicht leicht. Und sie kassierten diesmal keinen Gegentreffer nach einer Standardsituation. Verbesserung in allen Bereichen.
Tabellarisch hilft das Unentschieden dem VfB nicht weiter, zwei Punkte aus den vergangenen sieben Spielen sind nach wie vor eine bescheidene Zwischenbilanz. Was der Hauptgrund für Labbadias stille Freude war und weshalb er auch nur vom berühmten „ersten Schritt und nicht mehr“ sprach: „Ich hoffe, dass die Mannschaft Selbstvertrauen aus dem Spiel geholt hat.“
Für Sportdirektor Fredi Bobic ist das Ergebnis in Leverkusen „toll für die Moral“, er will nun aber „im nächsten Heimspiel mal drei Punkte sehen“. Die sollten die Stuttgarter am Samstag gegen Hertha BSC tatsächlich holen. Denn alles andere als jetzt ein Sieg gegen eine Mannschaft, die hinter dem VfB steht, wäre eine Enttäuschung. Die Achtelfinalpartie im DFB-Pokal zuvor gegen Bayern München am Mittwoch (20.30 Uhr) ist für Bobic nur ein „Luxusspiel“. Die Erfahrungen in den vergangenen Wochen haben auch den Sinn dafür gestärkt, worauf es ankommt.

 
 


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