Präsident Uli Hoeneß lief mit hochrotem Kopf schweigend an allen Mikrofonen vorbei, Jupp Heynckes suchte nach seinem 1000. Punkt als Bundesliga-Trainer nach Ausreden. Der FC Bayern München kommt nicht in Tritt: In Gladbach verloren, gegen Wolfsburg verkrampft gewonnen und beim HSV am Samstagabend nur 1:1 gespielt. Die Tabellenführung haben die Bayern an die Dortmunder verloren. „Ich bin sicher, dass das nicht reicht zum Titel“, warnte Torschütze Ivica Olic (71.).
Der formstarke BVB mit neun Punkten aus drei Rückrundenpartien als härtester Konkurrent scheint die Bayern zu lähmen. „Wir sind jetzt unter Druck. Das sagt alles“, meinte Sportdirektor Christian Nerlinger zum Zwei-Punkte-Abstand auf den neuen Tabellenführer (43 Punkte). „Wir können nicht zufrieden sein, hier sind die Ansprüche größer und extremer“, sagte Trainer Jupp Heynckes, „man muss Dinge auch erzwingen“.
Stürmer Arjen Robben versuchte sich in der Analyse: „Am Ende fehlt die Schärfe, der Fokus, ich weiß nicht, was es ist“, rätselte der Holländer und gestand: „Wir sind enttäuscht, weil wir die Tabellenspitze verloren haben.“ Seinem Kollegen Philipp Lahm fehlt einfach der letzte, entscheidende Pass. Tatsächlich verlief das Angriffsspiel des Rekordmeisters auch zu einseitig durch die Mitte.
Zwar glich der ehemalige Hamburger Olic die verdiente Führung des HSV durch einen Volleyschuss von Jacopo Sala (23.) aus. Doch für die Bayern ist ein Zähler zu wenig, um den Erfolgshunger zu stillen. Die Chancen der Hamburger waren nach dem Konzept von Trainer Thorsten Fink zwingender als die Versuche des Titelaspiranten. „Es ist noch ein langer Weg, wir sind noch nicht top. Aber das kommt“, meinte Robben.
Heynckes suchte nach Entschuldigungen für den fehlenden Rhythmus: Robben und Franck Ribéry hätten die Woche zuvor verletzungsbedingt wenig trainiert, Bastian Schweinsteiger sogar die ganze Vorbereitung verpasst. Zudem hätte der HSV „intelligent und kompakt verteidigt“. In der momentanen Form ist auch das Pokal-Viertelfinale am Mittwoch in Stuttgart für den FC Bayern kein Selbstläufer.
Fink bewies mit dem HSV, dass auch technisch unterlegene Gegner mit Einsatz mithalten können. „Seit ich hier bin, war es von der Leidenschaft das beste Spiel“, beteuerte der Trainer. Finks Mut wurde am Ende belohnt, der ehemalige Bayern-Profi ließ den 20 Jahre alten Sala nach gelungenem Startelf-Debüt in Berlin statt des wieder gesunden Ivo Ilicevic auf dem rechten Flügel stürmen.
Nur die Hereinnahme von Heung Min Son für Mladen Petric erwies sich bei den Hamburgern als Fehlgriff: Erst verschuldete der Asiate nach einem Eckstoß das Gegentor, dann vergab er auch noch die Großchance zum 2:1 (76.).
HSV schießt die Bayern von der Tabellenspitze
Fussball-Bundesliga – Starke Hamburger spielen 1:1 gegen ideenlose Münchner
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