FRANKFURT/MAIN.
Der stille Mahner: Dietrich Weise wird 75
Frankfurt/Main - Der ehemalige Eintracht Trainer feiert seinen 75 Geburtstag. Rückblick auf Erfolge und Niederlagen einer bemerkenswerte Trainerlaufbahn
Es widerspräche seinem Naturell als einem der stillen Vertreter der Fußball-Trainerzunft, sich groß feiern zu lassen. Obwohl es einen angemessenen Anlass gibt. Denn Dietrich Weise, der ehemalige Bundesligatrainer des 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf, Ex- Nationalcoach von Ägypten und Liechtenstein sowie früherer Jugendtrainer und zuletzt Nachwuchs-Koordinator beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), feiert am Samstag (21. November) seinen 75. Geburtstag. ,,Der Jürgen Grabowski und andere Weggefährten werden wohl anrufen und DFB-Präsident Theo Zwanziger einen Blumenstrauß mit Glückwünschen schicken. Viel mehr erwarte ich nicht", sagt der Jubilar in einem dpa-Gespräch mit der für ihn typischen Bescheidenheit. Seinen Lebensmittelpunkt hat er seit einigen Jahren vom hessischen Karben, wo er noch ein weiteres Domizil unweit seiner früheren Frankfurter Arbeitsplätze hat, nach Heilbronn verlegt. Dorthin hat es ihn zu den Wurzeln seiner (west-)deutschen Zweitheimat zurückgezogen. Dort war der gebürtige Sachsen-Anhaltiner 1958 nach seiner Flucht per S-Bahn von Ost- nach Westberlin nur mit einer Aktentasche und einem Sparbuch über 3000 Ost-Mark gelandet. Der Fußball war es, der den damals 24 Jahre alten Kicker im Neuland Fuß fassen ließ. Erst als Spieler (SV Neckarsulm) und Spielertrainer (VfR Heilbronn), dann als renommierter Bundesligatrainer. Seine größten Erfolge feierte Weise als zweimaliger DFB-Pokalsieger (1974/,,75) mit der Frankfurter Eintracht, bei der er zweimal (1973 - "76 und 1983 - ,,86) wirkte. Dann schloss sich das Bundesliga-Kapitel mit dem bitteren Rauswurf, der ihn tief traf und auch gesundheitliche Spuren hinterließ. Die seelischen Verletzungen heilten dann in Ägypten, wo er mit Al- Ahli Kairo Meister und Pokalsieger wurde und auch das Nationalteam trainierte. In Weises abwechslungsreicher Fußball-Vita folgte das Engagement in den 90er Jahren beim Fußball-Zwerg Liechtenstein, wo er als Pionier und Entwicklungshelfer für professionelle Strukturen sorgte und die Nationalmannschaft wettbewerbsfähig machte. Stolz ist Weise auf seine Ehrenmitgliedschaft im Verband des Fürstentums. In Ägypten, wo er auf DFB-Einladung jüngst die U 20-Weltmeisterschaft besuchte, hätten sie ihn am liebsten wieder da behalten. Weise: ,,Da bin ich ein angesehener Mann." Das war er immer auch beim DFB, der sich Weises Erfolge als Jugend-Nationaltrainer erinnerte und ihn als Nachwuchs-Koordinator holte. Unter Weise wurde 1981 in Sydney der bis dato einzige WM-Titel eines Jugendteams (U 20) gewonnen - im selben Jahr auch der EM-Titel mit der U 18. ,,Es ist schon kurios, wir hatten damals die gleichen Abstellungsprobleme wie Horst Hrubesch 28 Jahre später", erinnert er sich schmunzelnd. Weise hatte noch das heute erfolgreiche Stützpunkt- System und die Trainerbestellung auf den Weg gebracht, dann war mit 66 Jahren Schluss. Weise wäre nicht Weise, wenn er nicht noch die Rolle des oft ungehörten Mahners spielte, dessen Denkanstöße nicht immer auf fruchtbaren Boden fielen. ,,So sehr ich mich über die jüngsten Erfolge im Jugendbereich freue, aber der Spielerkreis, der von unten kommt, wird nicht von Dauer sein. Ich habe Angst, dass die unteren Klassen hinter den Profiligen mehr und mehr vernachlässigt werden", warnt Weise, dessen Wege immer noch lieber in die Stehkurve der Provinzplätze als in die VIP-Lounges des ,,Eventpublikums" führen.
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