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27. Juli 2011 Von Frank Kranewitter

1. FC Nürnberg: Trainer hat im Bett die besten taktischen Einfälle

1. FC Nürnberg: Aber ansonsten haben die Franken keine Sorgen – Viele Zu- und Abgänge am Valznerweiher – Trainer Dieter Hecking sitzt beim Club fest im Sattel

| Vergrößern | Verlängert bis 2014: Trainer Dieter Hecking Archivfoto: dpa


Mit der Partie des deutschen Meisters Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV startet die Fußball-Bundesliga am 5. August in ihre 49. Saison. In einer Serie stellt das ECHO die 18 Erstligisten vor. Heute: 1. FC Nürnberg.


Der unvergessliche Moment der vergangenen Saison: An eine ähnliche Erfolgsserie wie im Frühjahr – acht Spiele ohne Niederlage, vier Heimsiege in Folge – konnte sich der Cluberer allenfalls verschwommen erinnern. Wirklich unvergessen ist und bleibt aber der Abschied von Fan-Liebling Marek Mintal. Als der Angreifer nach dem letzten Saisonspiel gegen Hoffenheim alleine auf dem Rasen stand und mit tränengetränkter Stimme gemeinsam mit den Fans A-capella die Vereinshymne „Die Legende lebt“ anstimmte, war dies einer jener gefühlsduseligen Momente, die sie beim traditionsverliebten FCN ganz besonders mögen.
Zitat der Saison: Im Bett, erzählte Trainer Dieter Hecking, kämen ihm stets die besten taktischen Einfälle. Auf die Nachfrage, was denn seine Frau, dazu sage, antwortete er: „Ich hab' ja schon fünf Kinder. Das muss reichen.“ So locker und entspannt ging es im Frankenland in den vergangenen Jahren selten zu.
So steht es um den Trainer: Dieter Heckings Vertrag wurde in der Sommerpause bis 2014 verlängert. Das Vertrauen in den Westfalen ist nach den Erfolgen der vergangenen Saison bei Verantwortlichen und Fans sehr groß. Aber Vorsicht: Auch die Verträge von Michael Oenning und Hans Meyer in Nürnberg waren jeweils vor jenen Spielzeiten verlängert worden, in denen sie dann entlassen wurden.
Wer ist bei den Fans umstritten? Umstritten ist auch unter den Fans, was man nun von Club-Boss Martin Bader und seiner Transfer-Politik halten soll. Spielt das erneut stark veränderte Team erfolgreich, gibt's wieder reichlich Lob. Doch die Kritiker warten bereits auf Niederlagen. Das Konzept auf Leihspieler zu setzen, wie in der vergangenen Saison Mehmet Ekici und Julian Schieber und aktuell Daniel Didavi (VfB Stuttgart) und Jens Hegeler (Bayer Leverkusen), dürfte Bader bei Misserfolg als Fehler vorgehalten werden.
Des Trainers Liebling: Timmy Simons ist zwar nicht der auffälligste, aber der wichtigste Spieler in Heckings System. Im Sommer gab es eine Millionen-Offerte vom RSC Anderlecht für den 34 Jahre alten Belgier. Der Club lehnte das Angebot ab.
Skurriles aus dem Verein: Das „easyCredit Stadion“ hat im Wettstreit um den grausigsten Stadionnamen der Liga beste Chancen. Die Club-Anhänger wehren sich seit Jahren gegen den Namen. Es gab sogar eine Demonstration vor der Zentrale der „Teambank“, die sich die Namensrechte von der Stadt Nürnberg gesichert hat – mit Erfolg. Die Bank kündigte genervt von der Kritik an, den 2012 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Das wiederum stimmt die FCN-Führung gar nicht froh.
Was muss sich ändern? Am liebsten hätten sie nach Platz sechs in der Vorsaison in Nürnberg gar nichts geändert. Nach dem Fortgang der Mittelfeld-Zentrale mit Ilkay Gündogan und Ekici müssen sich Taktik und Aufstellung zwangsläufig ändern. Dabei hoffen die Franken – wie im Vorjahr – von ihren deutlichen Fortschritten in der Nachwuchsarbeit zu profitieren. Unter anderem, um diese weiter zu stärken, baut der Verein derzeit am Trainingsgelände. Übrigens finanziert durch die Fans in Form einer Anleihe.
Prognose: Nach den vielen Wechseln wird der FCN wieder als Abstiegskandidat gehandelt. Dagegen spricht, dass der Club in der Defensive auf eine eingespielte Formation bauen kann – Andreas Wolf, der keinen Vertrag mehr erhielt, wurde bereits in der abgelaufenen Saison öfter von Per Nilsson ersetzt. Und die Neuen Daniel Didavi und Alexander Esswein haben in der Vorbereitung angedeutet, dass sie in die Fußstapfen von Ekici und Schieber treten könnten. Platz zehn bis zwölf scheint durchaus realistisch.

1. FC Nürnberg

       Zu- und Abgänge
Zugänge: Tomas Pekhart (FK Jablonec, war an Sparta Prag ausgeliehen, 2,0 Millionen Euro), Timm Klose (FC Thun, 400 000 Euro), Alexander Esswein (Dynamo Dresden, 200 000 Euro), Markus Feulner (Borussia Dortmund, 150 000 Euro), Patrick Rakovsky (Schalke 04, 100 000 Euro), Daniel Didavi (VfB Stuttgart, ausgeliehen), Wilson Kamavuaka (1899 Hoffenheim II, ablösefrei), Philipp Klement (1. FC Kaiserslautern II, ablösefrei).Manuel Zeitz (1. FC Saarbrücken, ablösefrei).
Abgänge: Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund, 4,0 Millionen Euro), Julian Schieberr (war vom VfB Stuttgart ausgeliehen), Mehmert Ekici (Werder Bremen, war von Bayern München ausgeliehen), Andreas Wolf (Werder Bremen, ablösefrei), Marek Mintal (Hansa Rostock, ablösefrei), Pascal Bieler (SV Wehen Wiesbaden, ablösefrei), Timo Ochs (1860 München, ablösefrei), Christoph Sauter (VfR Aalen, ablösefrei), Daniel Batz (SC Freiburg, ablösefrei), Felicio Brown Forbes (RW Oberhausen, ablösefrei), Dario Vidosic (Adelaide United, war an Arminia Bielefeld ausgeliehen, ablösefrei).


 
 


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