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WENN NICHTS MEHR SO IST, WIE ES WAR Der Verein Trauernde Eltern & Kinder Rhein Main ist Ansprechpartner, wenn große oder kleine Menschen mit Verlusten klar kommen müssen Der Tod eines nahestehenden Menschen ist immer schmerzvoll. Besonders schlimm ist es aber, wenn Eltern viel zu früh gehen müssen oder das eigene Kind verstirbt. Wir haben mit Irene Heppel, Vorsitzende des Vereins Trauerende Eltern & Kinder Rhein Main, gesprochen. Ihr Verein unterstützt Familien, die mit dieser schwierigen Situation klarkommen müssen. Er ist Anlaufstelle für Betroffene von Frankfurt bis Bad Kreuznach und von Gießen bis Heidelberg. Frau Heppel, was sind die konkreten Anliegen, mit denen sich betroffene Familien an Sie wenden? Irene Heppel: Eltern, die um ihr Kind trauern, suchen möglichst schnelle Hilfe bei der Trauerbegleitung. Sie möchten sich mit anderen Eltern austauschen und suchen das Einzel- oder Paargespräch mit Trauerbegleitern. Sie sind in der Situation hilflos und entdecken Verhaltensweisen an sich, die sie nicht kennen. Viele Eltern erleben eine gedankliche Mischung aus Schmerz, Trauer, Unverständnis, Wut und mehr. Sie hoffen auf Verständnis und erwarten Rat beim Umgang mit den negativen Gefühlen. Eltern von trauernden Kindern suchen fachliche Gespräche bei Verhaltensauffälligkeiten oder fragen nach Gruppenangeboten für ihre Kinder. Wie können Sie den Trauernden in ihrer jeweils individuellen Situation helfen? Irene Heppel: Der Verein Trauernde Eltern & Kinder bietet ein Erstgespräch innerhalb weniger Tage an; Einzelgespräche werden dann individuell vereinbart. Die Gruppen (Frühtod, Suizid, Krebs, etc.) treffen sich einmal im Monat. Unsere sieben ausgebildeten Trauerbegleiterinnen mit teils eigener Trauererfahrung gehen auf die Betroffenen ganz individuell ein. Mit dem Tod des eigenen Kindes oder eines Elternteils fertig zu werden, erfordert viel Kraft und bringt die Betroffenen an ihre Grenzen. Unterstützung bietet der Verein Trauernde Eltern & Kinder Rhein Main e.V. Fotos: Trauernde Eltern & Kinder Mit welchen Angeboten geht Ihr Verein auf die betroffenen Familien zu? Irene Heppel: Neben den unterschiedlichen Gruppenangeboten bieten wir Einzel und auch Paargespräche. Alle Gruppen werden von Trauerbegleiterinnen fachlich geleitet und sind auf die Bedürfnisse und Wünsche der Teilnehmer abgestellt. Daneben werden Tages- und Wochenendseminare (beispielsweise Nahtoderfahrungen, Kreativ- oder Musikseminare, Mütter- und Väterseminare) angeboten. Der Umgang mit Trauer ist sehr individuell. Welche Trauerphasen lassen sich aus Ihrer Erfahrung quasi als allgemeingültig aufzeigen? Irene Heppel: „Nicht wahr haben wollen“ mit der Aufgabe, die Wirklichkeit des Verlustes verstandes- und gefühlsmäßig anzunehmen. „Aufbrechende Emotionen“ mit der Aufgabe, alle Gefühle, die durch den Verlust entstehen, zu durchleben. 38 wegbegleiter Trauer-Ratgeber l B E G L E I T U N G „Suchen und sich trennen“ mit der Aufgabe, sich zu erinnern und sich langsam an einen Alltag anzupassen, in dem der Tote fehlt. „Neuer Selbst- und Weltbezug“ mit der Aufgabe, neue persönliche Erkenntnisse, Haltungen und Pläne entstehen zu lassen und dem Toten einen anderen Platz im neuen/weitergehenden Leben zu geben. Inwieweit unterscheidet sich die Trauer von Kindern von der von Erwachsenen? Irene Heppel: Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie lachen, streiten sich und toben herum, um Minuten später in Tränen auszubrechen, was für Außenstehende nicht erklärbar ist. Für Kinder, die ein Elternteil oder ein Geschwisterkind verloren haben, ist zu Hause eine Welt zusammengebrochen. Nichts ist mehr wie früher, wird nie mehr so sein. Sie leiden nicht nur unter dem Verlust, sondern auch unter dem meist veränderten Verhalten der zurückbleibenden Familienangehörigen.


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