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AUF DEM LETZTEN WEG Zur Bedeutung von Hospizen und Palliativmedizin Jeder Mensch wünscht sich wohl, gesund zu bleiben, sehr alt zu werden und dann ohne Schmerzen diese Welt verlassen zu können. Eine schöne Vorstellung, die sich aber leider nicht immer erfüllt. Oft machen unheilbare Krankheiten diese Träume zunichte und die Betroffenen müssen sich mit einem zu früh bevorstehenden Tod und dem damit verbundenen Leiden auseinander setzen. Gerade in einer Welt, in der die Medizin viel erreichen kann, aber nicht immer zur Heilung führt, kommt Begriffen wie „Palliativmedizin“ und „Hospiz“ besondere Bedeutung zu. Aber was bedeuten sie? „Hospiz“ heißt ursprünglich soviel wie „Herberge“ oder auch „Gastfreundschaft“. Der Name war schon im Mittelalter bekannt und zumeist die Bezeichnung für Pilgerherbergen oder auch Armenhäuser. Im 19. Jahrhundert entstanden erste Häuser, in denen Schwerstkranke gepflegt wurden und die sich zu den heutigen Krankenhäusern weiterentwickelten. Schon damals hatte man bestimmte Vorstellungen davon, wie das Ende eines menschlichen Lebens würdevoll gestaltet werden könnte, daher hat sich der Begriff Hospiz erhalten. Die moderne Hospizbewegung begann 1967 mit der Gründung des St. Christopher´s Hospice in England. In Deutschland dauerte es fast 20 weitere Jahre, bis 1986 das erste stationäre Hospiz in Aachen seine Türen öffnete. Zu groß war bis dahin die Angst der Kirchen und der Mediziner vor der Ausgrenzung der Patienten in eine „Sterbeklinik“ – so wurde zunächst in Deutschland das Londoner Hospiz genannt. Doch nach und nach entstanden immer mehr Einrichtungen, in denen Schwerstkranke sowie Sterbende und ihre Angehörigen Unterstützung fanden, vielfach zeichneten Bürgerinitiativen und Vereine in Form einer Bürgerbewegung für die Realisierung ambulanter und stationärer Hospizangebote verantwortlich und tun dies noch heute. Statt Ausgrenzung erleben die Betroffenen hier Menschen, die sich Zeit für sie und ihre Probleme und Wünsche nehmen – ein Team von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. An den Krankenhäusern findet inzwischen durch die Palliativmedizin eine gezielte Behandlung der Schmerzen und der Krankheitssymptome von Schwerstkranken, die nicht geheilt werden können, statt, damit die Patienten möglichst beschwerdefrei sind und die ihnen verbleibende Lebenszeit bestmöglich nutzen können. Vielfach sind eigene Palliativstationen eingerichtet worden, in denen sich speziell geschultes Personal um die besonderen Bedürfnisse der Sterbenden und ihrer Angehörigen kümmert. Sie ergänzen die ambulanten und stationären Hospizangebote um die Möglichkeit, schwierigere Krankheitsverläufe nicht nur pflegerisch, sondern bei Bedarf auch ärztlich mit angemessener Diagnostik und Therapie zu begleiten. Erfreulicherweise hat die Palliativmedizin auch im Studium der Medizin ihren Platz gefunden, denn die Bedeutung der Schmerz- und Symptombehandlung gerade in der letzten Lebensphase ist inzwischen anerkannt. V ANKE GERSIE L E T Z T E R W E G l wegbegleiter Trauer-Ratgeber 33


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