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Kinder werden immer häufiger zu Tätern

Wildwasser: Vorstand bilanziert in allen Bereichen des Missbrauchs steigende Tendenz

Die Anzahl von Minderjährigen, die bei sexuellem Missbrauch als Täter genannt werden, hat sich binnen eines Jahres von sechs auf zwölf Prozent verdoppelt. Gabriele Vorndran, ...
Bestätigt im Amt: Karin Fischer, Renate Hosius-Willfahrt und Gaby Jonethal (von links)  bleiben im Vorstand des Vereins „Wildwasser“.  Foto: Carmen-Ramona Erlenbach
Bestätigt im Amt: Karin Fischer, Renate Hosius-Willfahrt und Gaby Jonethal (von links) bleiben im Vorstand des Vereins „Wildwasser“. Foto: Carmen-Ramona Erlenbach


Die Anzahl von Minderjährigen, die bei sexuellem Missbrauch als Täter genannt werden, hat sich binnen eines Jahres von sechs auf zwölf Prozent verdoppelt. Gabriele Vorndran, Diplom-Pädagogin der Beratungsstelle Wildwasser im Kreis Groß-Gerau, wies bei der Jahreshauptversammlung am Mittwoch in der Rüsselsheimer Niederlassung auf verschiedene Ursachen für die steigende Gewaltbereitschaft hin.

Schuld sei eine entsprechende Vermittlung durch die Medien. Kinder, die selbst sexuell missbraucht wurden, würden häufig selbst zu Tätern. Darüber hinaus gäbe es eine Grauzone mit einer verwaschenen Grenze zwischen sogenannten Doktorspielen und echtem sexuellem Missbrauch. Das Thema „sexuell grenzverletzende Kinder und Jugendliche“ werde derzeit in der Fachliteratur diskutiert und auch im Kreis Groß-Gerau seit Jahren im Blick behalten.
Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 146 Beratungsfälle für junge Menschen bis 27 Jahre. Bei den 115 Mädchen und jungen Frauen handelt es sich um 14 mehr als 2010, und auch die Anzahl Rat suchender Jungen ist von 21 auf 31 gestiegen. Mit 26 Prozent war die Altersgruppe zwischen elf und 14 Jahren am stärksten vertreten. 36 Prozent betroffener Mädchen und 39 Prozent dieser Jungen stammen aus Familien mit Migrationshintergrund. Vorndran zeigte sich erleichtert, dass auch sie die Dienste der Beratungsstelle nun in Anspruch nehmen.
In 52 Prozent aller Fälle sexuellen Missbrauchs wurde als Täter eine vertraute, männliche Person aus dem sozialen Umfeld genannt, in 23 Prozent der Vater oder Stiefvater. In der Statistik spiegeln sich laut Gabriele Vorndran aber auch die Veröffentlichungen vieler Fälle sexualisierter Gewalt in Institutionen wie Kirchen und Schulen im vergangenen Jahr. Betroffene wandten sich oft erst nach vielen Jahren als Erwachsene an Wildwasser.
Bei der Frage nach den geplanten finanziellen Kürzungen durch die Stadt (wir berichteten) sei noch immer keine Lösung in Sicht, verdeutlichte Stefanie Obert. Einerseits hätten alle Fraktionen bei Gesprächen die Arbeit des Vereins Wildwasser begrüßt und als erforderlich beurteilt, andererseits jedoch habe keine konkrete Hilfe für die Verhandlungen mit der Stadt zugesagt. Das nächste Gespräch wegen der anstehenden finanziellen Kürzung stehe am 9. Mai an. Auch wenn es anderen Vereinen ähnlich erginge, „so muss die Stadt in unserem Fall doch dringend Prioritäten setzen“, forderte Claudia Heyse. Sie regte auch die Wiederholung des im vergangenen Jahr erfolgreich durchgeführten Mut-Mach-Projekts in Kooperation mit dem Kinderschutzbund an der Georg-Büchner-Schule an.

Das Präventionsprojekt „Starke Kinder“ erfreut sich laut Susanne Winterstein großer Nachfrage und wurde im vergangenen Jahr an 16 Schulen im Kreis durchgeführt. Es gebe eine Warteliste, die bis zur Mitte des kommenden Jahres reiche. Außerdem erreichte die Präventionsarbeit auch durch zwei Mutmachgruppen an der Georg-Büchner-Schule und acht Elternabende insgesamt 656 Personen.
Die Neuwahl des Vorstands ergab keine Änderung. Ihm gehören weiterhin Karin Fischer, Renate Hosius-Willfahrt und Gaby Jonethal an. Susanne Winterstein kehrte aus dem Vorstand zu ihrem Status als Mitarbeiterin zurück.

 

Artikel Text Laenge: 3208

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  • 06. Mai 2011
  • Von tami
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