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02. Juli 2010  | VON LIZ SCHUSTER

Die Zukunft im Blick

Der Unmut der Bauschheimer Eltern ist verständlich - bis zu einem bestimmten Punkt jedenfalls. Eltern, Erzieherinnen und Personal hatten sich nach dem Grundsatzbeschluss vom Februar - Neubau statt Sanierung - darauf verlassen, dass die sogenannte Schimmelkita Rheingauer Straße 43 abgerissen und dafür eine neue Kita gebaut wird, sprich, dass es auch in Zukunft in Bauschheim drei Kindertagesstätten geben wird. Das ,,Kleingedruckte" in dem Grundsatzbeschluss, dass dieser vorbehaltlich einer Varianten- und Standortprüfung gilt, hatte niemand so interpretiert, wie es jetzt der Magistrat getan hat. Hier hätte die Stadt von Anfang an mit offenen Karten spielen müssen. Die Frage, ob eine dritte Kita in Bauschheim weiterhin sinnvoll ist, oder ob nicht andere, zukunftsweisende Wege beschritten werden sollen, hätte sofort gestellt werden müssen, als klar war, dass eine Sanierung der Kita nicht sinnvoll erscheint.

S
o fühlen sich die Eltern betrogen, der Protest - tatkräftig unterstützt von den Verdi-Vertrauensleuten der Stadtverwaltung - ist entsprechend lautstark, die emotionalen Wogen schlagen hoch. Von einer Abschaffung der Horte zugunsten einer qualitativ schlechteren (und für die Stadt preiswerteren) Betreuung in dem geplanten Kinderhaus an der Otto-Hahn-Schule ist die Rede, von ,,Großraum-Kitas", die entstehen, wenn die Hortgruppen umziehen und auf die frei werdenden Räume die Kinder der Kita Rheingauer straße 43 verteilt werden.

Die Frage, ob das vom Magistrat vorgelegte Konzept vielleicht doch das bessere und zukunftsträchtigere ist, wird erst gar nicht zugelassen.

Die Weichen in der Schullandschaft sind auch im Land Hessen seit Jahren ganz klar in Richtung Ganztagsschule gestellt. Das schafft nicht nur für die Eltern die besten Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es ist auch die beste Möglichkeit, Kinder angemessen zu fördern, insbesondere die zunehmende Zahl der Kinder aus sozial schwachen Familien, um auch ihnen die Chance auf einen guten Schulabschluss zu ermöglichen.

D
a macht es doch wenig Sinn, weiter in das Parallelsystem Hort zu investieren. Der Bau von Kinderhaus plus Mensa an der Bauschheimer Grundschule ist die richtige Lösung, wenn man nicht in einem Zeitraum von zwei, drei Jahren, sondern vorausschauend auf mindestens die nächsten zehn Jahre blickt. Schulkindbetreuung sollte den Bildungs- und Spielbedingungen der Kinder entsprechend am Ort der Schule angeboten werden.

Die Stadt ist hier allerdings in der Pflicht, für eine qualitativ hochwertige Betreuung - auch am Morgen vor Schulbeginn sowie in den Ferien - und die entsprechende Personalausstattung zu sorgen. Ein von Elternvertretern, pädagogischem Personal und Stadt gemeinsam erarbeitetes Konzept wäre die beste und tragfähigste Lösung. Runter von den Barrikaden, ran an den runden Tisch.

 
 


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