E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 

Am Flughafen keine Navigationshilfe in Sicht

Wegen der Nähe zum Frankfurter Flughafen stockt die Realisierung eines Instrumentenlandesystems

Nach dem Absturz mit fünf Toten sorgt das Thema Sicherheit am Flugplatz Egelsbach für Diskussionsstoff. Der Betreiber möchte ein Instrumentenlandesystem installieren. Eine zeitnahe Umsetzung ist jedoch wegen der Nachbarschaft zum Frankfurter Flughafen unwahrscheinlich.
EGELSBACH.
Auf gutes Wetter hoffen die Piloten beim Landeanflug in Egelsbach.   Archivoto: Günther Jockel
Auf gutes Wetter hoffen die Piloten beim Landeanflug in Egelsbach. Archivoto: Günther Jockel

Schlechtes Wetter ist für den Egelsbacher Flugplatz ein Problem. Die Piloten sind beim Landeanflug auf gute Sicht angewiesen. Ein automatisches Anflugsystem und eine Verlängerung der Landebahn stehen deshalb auf dem Wunschzettel der Hessischen Flugplatz GmbH (HFG), die Betreiberin des Flugplatzes ist. „Das ist auch ein wirtschaftlicher Faktor“, sagt Pressesprecherin Nina Lamprecht.
Bis 2015 sollte der Instrumentenanflug (IFR) realisiert werden, hatte NetJets im April 2010 angekündigt. Der Mehrheitsgesellschafter fliegt Egelsbach mit seinen der Absturzmaschine vergleichbaren Business-Jets nicht an. Die Frage, ob die Flugzeuge aus Sicherheitsgründen in Frankfurt landen, ließ das Unternehmen unbeantwortet.
Der Vorteil von IFR: Die Flugzeuge werden wie an einer Schnur geleitet und können dadurch bei ungünstigen Bedingungen landen. Für das System spricht sich auch der Nutzerausschuss aus, eine Vereinigung der am Flugplatz tätigen Firmen, Vereine und des Verbands der Allgemeinen Luftfahrt. „Sollte wieder ein Pilotenfehler als Hauptursache ermittelt werden, würde das in den Augen der Nutzer umso mehr begründen, dass Maßnahmen zur navigatorischen Unterstützung der Piloten und somit zur Verbesserung der Sicherheit getroffen werden müssen“, sagt der Ausschussvorsitzende Hans-Peter Walluf. Solche Verfahren seien an vielen anderen mit Egelsbach vergleichbaren Flugplätzen in Deutschland und weltweit längst Standard.
Andere Flugplätze haben allerdings in ihrer Nachbarschaft keinen Airportriesen wie den Frankfurter Flughafen, wo Schwergewichte wie der Betreiber Fraport und sein wichtigster Kunde Lufthansa (LH) ihre Interessen durchsetzen.
2011, sagt Lamprecht, sei der Antrag für den Instrumentenanflug beim Regierungspräsidium Darmstadt gestellt worden. In der Regel dauere eine Umsetzung mindestens fünf Jahre. Doch die Aussichten sind alles andere als gut für die Pläne der HFG. Das Regierungspräsidium hat bei der Deutschen Flugsicherung in Langen ein Gutachten in Auftrag gegeben. Deren Fazit: „Theoretisch wäre es möglich, ein Instrumentenlandesystem zu installieren“, sagt Pressesprecher Axel Raab. „Aber es würde dadurch zu Einschränkungen am Frankfurter Flughafen kommen.“ Maschinen, die ihren Landeanflug auf Egelsbach abbrechen und durchstarten müssten, würden Flugzeugen auf der Startbahn West in die Quere kommen.
In ihrem Magazin „Der Flugleiter“ schreibt die Gewerkschaft der Flugsicherung im Januar: „Rund um die IFR-Verfahrensimplementierung herrscht ziemliche Ruhe. Im Moment hat es eher den Anschein, als würde Netjets so langsam bewusst, in welch komplizierte Flugsicherungswelt sie sich da eingekauft haben und welch mächtige Gegner LH und Fraport als Nachbarn sind. Beide haben nämlich viel Geld in die Expansion FRA investiert und wollen demzufolge nicht gestört werden.“
Das Regierungspräsidium wartet ab. „Der Betreiber hat das Gutachten erhalten, danach hat man nichts mehr gehört. Es gibt zahlreiche Fragen zu klären“, sagt Sprecher Dieter Ohl. NetJets hält sich bei Anfragen bedeckt und veröffentlichte zum Absturz nur ein allgemeines Statement.

 

Artikel Text Laenge: 3199

ANZEIGE
 
  • 12. März 2012
  • Von Ilka Ennen
x Artikel verlinken

Wenn Sie auf diesen Artikel von echo-online.de verlinken möchten, können Sie einfach und kostenlos folgenden HTML-Code in Ihre Internetseite einbinden:

Bitte beachten Sie unsere AGB, die Datenschutzerklärung und das Impressum. Sämtliche Rechte für Artikel liegen bei der Echo Medien GmbH. Beiträge dürfen als Textkopie, Pdf-Datei oder Bild-Scan nur nach Absprache in das Layout anderer Seiten eingebunden werden.

Mehr zum Thema:
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE