ODENWALDKREIS.
Während die Odenwälder Wegemeistereien des Bensheimer Amts für Straßen und Verkehrswesen noch mehr oder minder erfolgreich um schneefreie Überland-Fahrbahnen kämpfen, haben die meisten kommunalen Bauhöfe dieses Ringen bereits seit einigen Tagen aufgegeben. Dabei haben sie nicht mutwillig, sondern zwangsläufig zurückgesteckt, wie das Ergebnis einer Umfrage bei den Städten und Gemeinden des Odenwaldkreises zeugt: Fast durchgehend verfügen sie nur noch über Reste von Streusalz.,,Wir haben praktisch nichts mehr", betätigte etwa Erbachs Stadtbaumeister Martin La Meir. Die wenigen Tonnen Salz, die sich noch im Lager befänden, blieben für gezielte Einsätze reserviert: ,,Das brauchen wir für die Steil- und Gefahrenstrecken auf unseren Hauptverkehrswegen", sagt der Fachmann; auf allen anderen Straßen sei der Streudienst deshalb eingestellt worden. ,,Das heißt aber nicht, dass wir untätig sind", betont La Meir. Geräumt wird weiter und um so intensiver.Ein ähnliches Bild zeichnen Markus Krippner für die Gemeinde Reichelsheim, Thorsten Rudolph für die Stadt Breuberg und Peter Bauer für die Stadt Beerfelden; auch aus Bad König und Michelstadt ist die Erschöpfung der Vorräte bekannt. Wie die Verantwortlichen erklären, haben sie alle längst Salz nachbestellt, ,,aber dieses Jahr ist einfach kaum etwas zu bekommen", wie Martin La Meir erfahren hat. Immerhin hat er für Ende dieser Woche eine Lieferung in Aussicht, und sein Beerfelder Kollege sieht sogar unmittelbar den Nachschub bevorstehen, ,,der dann für den Rest des Winters reichen sollte".Doch auch ohne Taumittel bricht für den Beerfelder Stadtbaumeister nicht die Welt zusammen: ,,Ich muss unseren Bürgern ein großes Kompliment machen: Die meisten nehmen die Beschwerlichkeiten der derzeitigen Schnee- und Kältewelle mit einem Schulterzucken hin. Sie wissen, dass der Winter halt so sein kann", betont Bauer. Trotz der hohen Schneelage könne also von katastrophalen Zuständen keine Rede sein: ,,Wir haben keine Probleme, sondern Aufgaben", ist sein Leitspruch.Im Sinne ihrer Erfüllung hat die Stadt Beerfelden ihre Einwohner am Montag darauf hingewiesen, dass sie ab sofort zumindest vereinzelt mit der Inanspruchnahme ihrer Bürgersteige als Schneelager rechnen müssen: ,,Wir bitten Anwohner und Fußgänger um Verständnis dafür, dass die besondere Situation diesen Schritt verlangt." An manchen Stellen sei die Freihaltung einer Fahrspur sonst nicht mehr zu gewährleisten.Im Hinblick auf einen ausreichend breiten Verkehrsraums sowie der Manövrierfähigkeit von Bussen, Müllabfuhr und anderen Dienstleistern appellieren Stadtbaumeister und Bauhofchefs grundsätzlich an die Einwohner, wo immer möglich nicht die Straßenränder und Bürgersteige zur Ablagerung weggeschobenen Schnees zu nutzen. Besser sei es, die weiße Pracht auf Grünflächen zu schaffen - auch eingedenk des vorhergesagten Endes der Kälteperiode, das einen Wechsel der Gefahrenlage bringen könnte. Denn wenn es taut, kann das Wasser des im Garten oder auf der Wiese aufgetürmten Schnees zumindest teilweise im Erdreich versickern; von der Straße hingegen rinnt es unmittelbar in die Kanäle und Gewässer, was die Hochwassergefahr steigen lässt. ,,Das Risiko von Überschwemmungen ist angesichts der Schneemassen diesmal nicht von der Hand zu weisen", sagt dazu Heinrich Hess von den Wasserverbänden Mümling und Gersprenz. ,,Wie gefährlich das Ganze wird, hängt aber vor allem davon ab, ob und in welchem Maß zu dem ab Wochenmitte angekündigten milderen Wetter auch Regen kommt."
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