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Das Netz ist tot im Odenwald

Im Odenwald sind viele Menschen seit Wochen ohne Telefon

Kein Anschluss unter dieser Nummer: In Teilen des Odenwaldes sind die Verbindungen nach draußen gekappt. Es funktioniert kein Festnetz, kein Handy, kein Internet. Und das seit nunmehr vier Wochen.
ODENWALDKREIS.
Abgesoffen: Die Kabel der Telekom stehen unter Wasser und übertragen keine Daten mehr. Foto: Guido Schiek
Abgesoffen: Die Kabel der Telekom stehen unter Wasser und übertragen keine Daten mehr. Foto: Guido Schiek

Die Störungen sind nicht überall identisch. Manche Haushalte sind komplett vom Netz abgehängt. Andere klagen über ein Rauschen in der Leitung. Bei wieder anderen funktioniert das Telefon manchmal. Hintergrund sind offenbar Wasserschäden an den Telekomkabeln.
Hannelore Jenal (81) aus Hassenroth ist mit einem Hausnotruf zum Deutschen Roten Kreuz ausgestattet. Doch der funktioniert nicht, denn er hängt an der Telekomleitung. „Gott sei Dank hat sie ein behindertengerechtes Handy mit großen Tasten“, sagt ihre Tochter Barbara Sattler. „Das funktioniert zum Glück. Noch. Jetzt bin ich ihr Hausnotruf.“
Barbara Sattler ist genervt. Seit vier Wochen versucht sie, ihrer vom Netz abgehängten Mutter zu helfen. Die Telekom-Hotline ist keine Hilfe. „Ich weiß nicht, wie oft ich da schon angerufen habe. Jedes Mal endlose Warteschleifen, die immer gleiche Abfrage von Kundenummern. Wenn man endlich verbunden wird – natürlich jedes Mal mit anderen Mitarbeitern – heißt es, das Problem sei in Bearbeitung. Und dann passiert nichts mehr.“ Mehrfach sei der Besuch eines Monteurs angekündigt worden, nie sei einer erschienen. „Am schlimmsten ist die soziale Komponente. Ohne Telefon vereinsamt meine Mutter völlig.“

Grundversorgung

In Deutschland gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Telefonanschluss. Zuständig für die Grundversorgung ist die Telekom. Sie ist auch dazu verpflichtet, Störungen unverzüglich zu beseitigen. Infos dazu im Internet auf der Seite der Bundesnetzagentur.



Manche Haushalte haben sich Rufumleitungen legen lassen. Andere sind sich unsicher, wer dafür die Kosten trägt und warten lieber ab. Viele Odenwälder fühlen sich an früher erinnert. Als kaum jemand Telefon hatte und man auf gute Nachbarschaft angewiesen war. Das Telefon von Ria Kessler (83) im 400-Einwohner-Örtchen Olfen klingelt seit drei Wochen ungewöhnlich oft – aber nicht für sie. Hier rufen nun auch jene an, die eigentlich die benachbarten Landwirte sprechen wollen, die Obst, Wurst und Eingemachtes direkt vermarkten. „Ich schreib´ alles auf einen Zettel und zweimal am Tag kommt der Nachbar vorbei und holt den Zettel“, erzählt sie.
„Heute ist unser 25. Tag ohne Telefon und trotzdem kam die Telekomrechnung“, ärgert sich besagter Nachbar. Andreas Öhlenschläger wirkt schon abgestumpft, wenn er über das Dilemma redet. 60 verschiedene Telekommitarbeiter hatte er an der Strippe, geholfen habe ihm keiner. Als Geschäftsmann ist er auf sein Faxgerät angewiesen, aber das funktioniert nicht. Sein Weihnachtsgeschäft sei gefährdet, er rechnet mit einem Umsatzverlust von etwa 10 000 Euro. „Bei wem soll ich Schadensersatz fordern? Bei der Telekom oder der Firma, die das Kabel fürs Breitband-Internet gelegt hat?“ Jeder schiebe dem anderen den Schwarzen Peter zu.
„Zu 65 Prozent sind Tiefbauarbeiten Ursache beschädigter Leitungen“, sagt Telekomsprecher George Stephen McKinney. Strenge Winter, Erdbewegungen, Alterung und Verschleiß spielten aber auch eine Rolle.
Dabei hatte im Odenwaldkreis letzten Sommer alles so wunderbar begonnen. Als erster Landkreis Deutschlands ließen sich die Kommunen mit einem Hochgeschwindigkeits-Internet ausstatten. Diese Arbeiten führt die Firma Klenk & Sohn aus Modautal aus. 250 Kilometer Glasfaserkabel sind bereits gelegt.

Natürlich könne es durch Baggerarbeiten zu Beschädigungen kommen, so Geschäftsführer Udo Klenk. Aber hier handle es sich vor allem um Wasserschäden. „Erst war es lange sehr trocken, jetzt regnet es die ganze Zeit.“ Die Telefonkabel im Landkreis seien vor allem mit Papier isolierte Kabel aus den 60er Jahren und damit anfällig für Schäden. „Das Papier wird nass, die Feuchtigkeit kriecht die Leitung entlang und verhindert so die Datenübertragung“, erklärt er.
Ende der Woche haben sich die Firma Klenk und die Telekom für die Reparaturarbeiten zusammengetan. „Die Regie liegt bei der Telekom“, sagt Klenk. „Wir stellen nur Monteure zur Verfügung.“ Wer die Kosten trägt, ist offen. „Jetzt haben erstmal die Reparaturen höchste Priorität.“
Ob die Telefone im Odenwald zu Weihnachten wieder funktionieren? McKinney will sich nicht festlegen. Zu kompliziert seien die Reparaturen, um eine Prognose stellen zu können. „Wasserschäden sind die aufwendigsten Schäden überhaupt.“

 

Artikel Text Laenge: 4504

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  • 19. Dezember 2011
  • Von Sabine Beil
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