E-Paper | Apps | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 

Firmengründung nach Schicksalsschlag

Kosmetikum: Familie Nielsen importiert medizinische Creme aus Skandinavien - »Linderung für Krebs-Patienten«

Vor einem Jahr erhielt Charlotte Nielsen die Schreckensnachricht: Eine ärztliche Untersuchung hatte ergeben, dass ihr Mann an Lungenkrebs erkrankt ist. Bis dahin waren die Nielsens ...
ERBACH.
Für den Vertrieb einer medizinischen Kosmetikserie aus Skandinavien haben Charlotte und Svend Ulrik Nielsen aus Erbach eine Firma gegründet. Die Cremes sollen bei Krebskranken die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie lindern. Foto: Guido Schiek


Vor einem Jahr erhielt Charlotte Nielsen die Schreckensnachricht: Eine ärztliche Untersuchung hatte ergeben, dass ihr Mann an Lungenkrebs erkrankt ist. Bis dahin waren die Nielsens ein erfolgreiches Unternehmerpaar. Vor 28 Jahren sind sie von Dänemark nach Deutschland gekommen, seit 1989 leben sie in Erbach.

Nachdem die dänische Maschinenfabrik, wo Svend Ulrik Nielsen in der Geschäftsführung arbeitete, die Produktion vor Jahren ins Ausland verlagert hatte, schwenkten die Nielsens auf den Import dänischer Produkte um und gründeten ihre eigene Firma. Die Angebotspalette reicht von Lebensmitteln bis zum Designer-Outfit.

Der Schicksalsschlag 2009 traf die Familie schwer. Doch bald nahm Svend Ulrik Nielsen seine Chemotherapie auf und schöpfte neue Hoffnung. »Denn eins wusste ich: Der Weg aus einer solchen Krankheit besteht nicht darin, im Bett zu bleiben«, erinnert sich der Patient. Zurzeit macht Nielsen die vierte Behandlung durch. »Wer nicht kämpft, hat schon verloren«, ist seine Devise.

Vor wenigen Monaten hat das Paar eine zweite Firma gegründet. Und ohne die Erkrankung wäre die Familie wohl nie auf die neue Geschäftsidee gekommen. »Die Bestrahlungen der Krebstherapie hatten bei meinem Mann die Haut am Rücken verbrannt. Meine Schwägerin, die in Dänemark lebt, hat uns daraufhin eine Creme empfohlen, die man nur in Skandinavien kaufen kann«, sagt Charlotte Nielsen. Dort sei das Produkt seit Jahren auf dem Markt und helfe zuverlässig bei geschädigter Haut aller Art. »Nachdem wir zuerst skeptisch waren, haben wir den behandelnden Ärzten in Heidelberg vorgeschlagen, das Produkt auf den wunden Stellen anzuwenden«, berichtet sie, »und siehe da: Es hat geholfen.« Nach wenigen Wochen sei der Erfolg sichtbar gewesen, »die Ärzte waren erstaunt und meinten, solch einen guten Effekt hätten sie bisher noch nicht gesehen«, erinnert sich Charlotte Nielsen.

Seit 20 Jahren sei das Mittel auf dem skandinavischen Markt. Dank des Wirkstoffes Sucralfat, der früher ausnahmslos in Form von Tabletten zur Heilung innerer Krankheiten eingesetzt worden sei, sorge die Creme für eine bessere Hautstruktur. Erst durch Zufall habe ein Arzt herausgefunden, dass die Substanz auch äußerlich aufgetragen zum Erfolg führt.

In Dänemark entwickelte der Mediziner schließlich das Endprodukt zum Auftragen auf die Haut. Inzwischen gibt es eine Pflegeserie, die aus drei Cremes besteht. »Mehr Produkte braucht man nicht - da der Wirkstoff für alle Hauttypen geeignet ist, reichen eine Tages- und ein Nachtcreme aus. Außerdem gibt es noch ein Pflegegel, aber das ist alles«, weiß Charlotte Nielsen.

Nachdem die wissenschaftlich getesteten Produkte ihrem Mann geholfen hatten, empfahl die Unternehmerin die Serie Bekannten weiter. Die berichteten von guten Ergebnissen bei Neurodermitis und unreiner Haut. »Spätestens da war für uns klar, dass wir das Produkt für den deutschen Markt zugänglich machen wollen«, sagt die Geschäftsfrau. Vor allem wolle man aber den Krebspatienten helfen, die Ähnliches durchmachen, fügt ihr Mann hinzu.

Im Frühjahr beantragten sie die Zulassung des Kosmetikums für den deutschen Markt, es folgte die Gründung der Firma »Babette CosmeCeuticals«. Seit August sind die Tuben nun dort zu bestellen. Die Produkte werden in Schweden hergestellt, die Nielsens beziehen sie wiederum über ein Unternehmen mit Sitz in Dänemark.

Zurzeit ist das Paar damit beschäftigt, ein Vertriebsnetz aufzubauen. »Jeden Tag telefonieren wir mit Vertretern, die für uns Apotheken besuchen. Bevor sie tätig werden, erhalten sie bei uns im Haus eine ausführliche Produkteinführung«, berichtet Charlotte Nielsen. Hilfe bekommt sie von ihrem Mann - sofern es ihm gut geht oder er nicht gerade einen Teil seines täglichen Fitnessprogramms absolviert.

Um die Therapie zu unterstützen, spult der Erbacher jeden Tag 15 Kilometer auf dem Hometrainer ab, außerdem steht ein langer Spaziergang mit dem Hund auf dem Programm. »Den Hund haben wir uns neu zu unserem anderen dazugeholt. Sie sehen, ich habe nicht vor, mit dem Leben abzuschließen«, sagt Nielsen im Gespräch mit dem ECHO. »Auch wenn ich weiß, dass ich dazu eine große Portion Glück brauche.«


 

Artikel Text Laenge: 4148

ANZEIGE
 
  • 23. September 2010
  • Von Anja Ingelmann
x Artikel verlinken

Wenn Sie auf diesen Artikel von echo-online.de verlinken möchten, können Sie einfach und kostenlos folgenden HTML-Code in Ihre Internetseite einbinden:

Bitte beachten Sie unsere AGB, die Datenschutzerklärung und das Impressum. Sämtliche Rechte für Artikel liegen bei der Echo Medien GmbH. Beiträge dürfen als Textkopie, Pdf-Datei oder Bild-Scan nur nach Absprache in das Layout anderer Seiten eingebunden werden.

 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE