Eine Serie von Sachbeschädigungen sorgt für Aufregung im Ried: Zwischen Goddelauer Freibad, Erfelder Altrhein und Leeheimer Riedsee färben Unbekannte öffentliche Plätze und Gewässer rot ein und verzieren alles mit Zitaten Georg Büchners. – Das zumindest beschreibt Autor Ralf Schwob in seinem neuen Buch, „Büchners letzter Sommer“, das zur Buchmesse im Ried erschienen ist. Wie spannend Schwobs neuer Roman ist, davon überzeugten sich rund 30 Zuhörer am Samstagnachmittag, als der Autor daraus las.
„Riedroman“ nennt der Autor selbst sein viertes Buch, in dem er immer wieder seine Pro
tagonisten zu Wort kommen lässt. Ob das junge Paar Nina und Leon, Studienrat Ulrich Ruland mit Ehefrau Jutta oder Pädagoge Arno Friedleben – immer wieder schlüpft Schwob in neue Rollen und erzählt die Geschehnisse aus unterscheidlichen Blickwinkeln. Die einzelnen Erzählungen lassen sich schließlich zu einer Geschichte zusammensetzen.
Die Hauptpersonen seines Romans seien frei erfunden, gibt Schwob zu. Lediglich einige Nebenfiguren, unter ihnen Bürgermeister Hendrik Klammer, sowie andere Personen des öffentlichen Lebens wiesen Parallelen zu realen Personen auf und könnten wiedererkannt werden, erzählt Schwob. Typisch für seinen Roman sind vor allem die exakten Beschreibungen der Landschaften und Orte im Ried. So konnten die Zuhörer der Lesung die Wege der Romanfiguren genau mitverfolgen und beispielsweise Nina und Leon bei ihrer Radtour begleiten: auf dem Schotterweg von den Geflügelzüchtern in Leeheim an den Streuobstwiesen mit einem Bienenschwarm entlang, unter schattigen Bäumen hindurch, vorbei am Campingplatz bis zu den Kassenhäuschen am Riedsee. Auch die Schwedensäule, Kühkopf und Knoblochsaue oder das Goddelauer Freibad sind einige der vielen Handlungsorte im Ried, die der Autor in seinem Buch beschreibt. Der Roman sei schließlich der Versuch, „genau und kenntnisreich zu schreiben und möglichst viele Orte wiederzugeben“, meint Schwob, der aus Groß-Gerau kommt, derzeit in Leeheim wohnt und so mit den Lokalitäten gut vertraut ist.
Der Roman verbindet aber nicht nur Elemente eines Krimis mit denen einer jugendlichen Liebesgeschichte. Ab und zu lässt der Autor seine Helden auch tief greifende Fragen und Gedanken aufwerfen, die den Zuhörer zum Nachdenken anregen. So fragt ein Romanheld: „Was macht der Mond die Nacht so hell?“, bevor er darüber nachdenkt, ob Eichenprozessionsspinner Monster aus amerikanischen Filmen sind. „Was interessiert heute?“, fragt Lehrer Friedleben ernüchtert, als er am Auenwald am Altrhein die Ruhe genießt und nachdenkt. Stu
dienrat Ruland regt sich schließlich über die „Leisetreterei“ auf, mit der viele Menschen versuchen, bloß „nirgendwo anzuecken“.
Selbst als Schwob am Ende seiner Lesung erklärt, dass Ninas Bruder, der siebzehnjährige Riedstädter Malte, überführt wird und ein umfassendes Geständnis ablegt, bleibt die Spannung erhalten. Denn der Autor verrät auch: „Die Sachbeschädigungen im Ried hören nicht auf.“ Und damit ist auch der Roman mit der Überführung Maltes längst nicht zu Ende.
Auf den Spuren von Nina und Leon
Roman: Ralf Schwob liest in Stockstadt aus „Büchners letzter Sommer“ – Elemente eines Krimis und einer Liebesgeschichte
STOCKSTADT.
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