GODDELAU.
Wie passen Keyboard und Ziegenfell zusammen? ,,Bestens" können die Besucher des Konzerts mit der 2008 gegründeten Formation Luna Melisande in der Christoph-Bär-Halle nur bestätigen. Mat Coleman schlug die mit Ziegenfell bespannte keltische Handtrommel, während Patrik Pietschmann in die Tasten griff. Den beiden gelang ein mit großem Beifall honoriertes Paradestückchen an abwechslungsreicher Improvisation. Das muss nicht verwundern: Coleman, mit bürgerlichem Namen Mathias Kohlmann, ist Multiinstrumentalist, Sänger und Komponist - und bei ,,Wild Silk" und ,,Paddy goes to Holyhead" bestens erprobt. Pianist Pietschmann ist Preisträger verschiedener Musikwettbewerbe. Die in Vietnam geborene freischaffende Künstlerin Kim Avery gibt der Formation eine kräftig-bezaubernde Stimme. ,,Musik ist alles auf dieser Welt, Musik ist ein Lebensquell" sang sie zu Beginn der Konzertes. ,,Für Dich" lautete der Titel dieser eingängigen Eigenkomposition von Luna Melisande. Vollständig wird das Quartett mit dem aus Spanien stammenden Drummer Jorge Palomo. Souverän begleitete er seine Kollegen, absolvierte in Ginger-Baker-Manier nach der Pause ein beeindruckendes Solo.Der Kontrast zwischen den durchaus melancholisch geratenen Eigenkompositionen in Deutsch und dem fetzig auftrumpfenden Jauchzen bei den keltischen Einheizern machte den Reiz der Darbietungen aus, hielt den Abend in Spannung. ,,Johnny I knew you" besingt bangend-sehnsuchtsvoll eine Frau ihren Mann, der als Soldat im Krieg sein muss. Avery lieh der Verzweifelten ihre wunderschöne Stimme. Gleich darauf wirbelte der Tanz ,,Chick of slurs" durch die Halle.Schnörkellos-schön bot die Sängerin im Duett mit Coleman Miras Song: ,,Die Liebe, die du verströmst, soll niemals versiegen". Der Multiinstrumentalist griff zur Tin Wistle, um sich den Liebeskummer von der Seele zu flöten: ,,If I had Maggie in my arms" ist trotzdem ein fröhliches Lied, weil es die Hoffnung auf die Begegnung mit der Angebeteten ausdrückt. Was dem Quartett ein alter Finne nach einer Wanderung beigebracht hat, wissen nun auch die Gäste in der Bär-Halle. Denn sie waren zum Mitsingen beim Hochzeitswalzer aufgefordert: ,,Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei - mhm, mhm, mhm, mhm." Erhebliches Tempo legte der Sternentanz vor, ein Eigengewächs von Luna Melisande. Den Namen hatte Colemann zu Beginn erläutert: Luna ist der Mond, Melisande die Bezeichnung der Goten für die Meerjungfrau. Ihre Kreativität unterstrichen die Vollblutmusiker mit vielen weiteren Beiträgen aus ihrem Repertoire. Balladen, fragile Songs, Lyrik mit Einflüssen von Celtic-Pop und irischer Folklore unterhielten das Publikum aufs Beste. Und das reagierte auf den im Saal wirbelnden Teufelsgeiger Colemann ebenso wie auf die zarte Avery-Ballade der sitzengelassenen Schönen: begeistert.

Merken
|





















