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21. August 2010  |  amo

,,Ihre große Stärke ist ihre Empathie"

Bürgermeister-Direktwahl: Grüne votieren bei Mitgliederversammlung einstimmig für Petra Schellhaas als Kandidatin - Politisches Engagement resultiert aus BI gegen Sondermüllverbrennung

RIEDSTADT. 

Die Grüne Liste Riedstadt (GLR) geht mit einer eigenen Bewerberin ins Rennen um das Bürgermeisteramt in Riedstadt: Einstimmig wählten die Parteimitglieder am Donnerstagabend in Wolfskehlen Petra Schellhaas, umweltpolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionssprecherin, zu ihrer Bürgermeisterkandidatin. Sie folgten damit dem Vorschlag des vierköpfigen Parteivorstands, weitere Kandidaten gab es nicht.

,,Das ist keinerlei Konfrontation gegen die SPD. Wir haben hier in Riedstadt in jetzt neun Jahren Koalition viel gemeinsam bewegt. Aber wir in der GLR wissen, dass eine Bürgermeisterwahl ein Kampf zwischen Personen und nicht von Parteien ist", hatte zuvor GLR-Vorstand Norbert Schaffner betont.

Fraktionssprecher Hans-Dieter Bock hielt ein Plädoyer für ein neues grünes Selbstbewusstsein: ,,Nach 25 Jahren GLR sind die Grünen aus dem politischen Leben in Riedstadt nicht mehr wegzudenken. Die jüngste Forsa-Umfrage zeigt, dass die Grünen bundesweit im Aufwind sind. Wir tragen Verantwortung für die kommenden Generationen und die Zukunft, aber auch für diese Stadt. Und das zeigen wir am besten mit einem eigenen Kandidaten", so Bock.

Sowohl Schaffner als auch Bock machten deutlich, dass sie dennoch auf einen eigenen Kandidaten verzichtet hätten, wenn sie mit Schellhaas nicht jemanden gefunden hätten, dem sie auch Siegchancen geben. Norbert Schaffner: ,,Petra hat die Qualifikation und politische Erfahrung nach neun Jahren in der Fraktion. Sie ist sehr gut vernetzt in Vereinen und findet viel Unterstützung auch außerhalb der Partei - einfach weil sie Petra Schellhaas ist."

Was das bedeutet, machte Petra Schellhaas in ihrer Vorstellungsrede deutlich: ,,Ich bin kein Polemiker, sondern will der Sache dienlich sein. Ich bin in der Lage, Menschen und Netzwerke mitzunehmen und anzuschieben, das ist meine Stärke. Für mich ist ganz wichtig: Ich höre Menschen zu und nehme sie ernst." Schellhaas hatte sich die Entscheidung für die Kandidatur nach eigenem Bekunden nicht leicht gemacht. Erst nach Bedenkzeit und einer Klausur von Vorstand, Fraktion und neuen Anwärtern auf einen Listenplatz zur Kommunalwahl erklärte sie sich einverstanden.

Seit 1977 ist Schellhaas Beamtin in der der hessischen Justizverwaltung. ,,Ein Job, der mir sehr, sehr viel Spaß macht. Ich habe keine Not, unbedingt in ein neues Amt zu gehen. Das gibt mir Gelassenheit und sachliche Unabhängigkeit." Ihr politisches Engagement erwuchs aus der Bürgerbewegung gegen die Sondermüllverbrennungsanlage Biebesheim. Die Umwelt liegt ihr nach wie vor am Herzen, sie betont aber auch ihr soziales Engagement. Wichtig ist ihr, politischen Gestaltungswillen nicht an den Stadtgrenzen enden zu lassen und nennt Ausstieg aus der Atomenergie und das Nachtflugverbot für den Frankfurter Flughafen als wichtige Themen.

In Abgrenzung zur CDU erklärte die Kandidatin: ,,Was für die CDU Ideologien sind, sind bei mir Visionen." Seit 2001 sitzt Schellhaas für die GLR im Stadtparlament. Vieles, was in der Koalition mit der SPD erreicht wurde, trage auch ihren Stempel, auch wenn sie sich als Person nie so wichtig genommen habe, als dass sie das immer nach außen getragen habe. ,,Ich habe mich und die GLR immer als Korrektiv verstanden in einer Koalition, die des Korrektivs sehr bedurfte."

Unterstützung bekam Schellhaas auch von der Landtagsabgeordneten Ursula Hammann, die sie seit 20 Jahren kennt: ,,Ihre große Stärke ist ihre Empathie, die Fähigkeit, sich in Menschen einzufühlen. Was sie anpackt, da bleibt sie dran und versucht, Menschen zu überzeugen." So sei durch ihr großes Engagement auch der dritte Ofen der Sondermüllverbrennungsanlage verhindert worden.

N achdem eine Bürgermeisterkandidatin gefunden wurde, soll am 12. November in einer Mitgliederversammlung die Listenaufstellung für die Kommunalwahl erfolgen. Noch vor dem einstimmigen Votum für Petra Schellhaas hatte es noch eine andere Wahl gegeben: Einstimmig unterstützten die Parteimitglieder Norbert Schaffner und Harald Hellwig in dem Wunsch, auf einem der vorderen Listenplätze für den Kreis Groß-Gerau zu ka ndidieren.


 
 


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