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Märchen zur Gleichberechtigung

Konzert – Das Musiker-Duo Ana und Anda aus Karlsruhe gastiert zum Weltfrauentag im Bürgerhaus Mörfelden

Anlässlich des Weltfrauentages veranstaltete das Frauenbüro Mörfelden-Walldorf am Donnerstagabend „Unheilbar weiblich – Musik und mehr zum Internationalen Frauentag“ im Bürgerhaus Mörfelden.
MÖRFELDEN-WALLDORF.
Unheilbar weiblich lautete der Titel des Programms, das Ana (links) und Anda anlässlich des Weltfrauentags im Mörfelder Bürgerhaus  präsentierten. Foto: Dagmar Mendel
Unheilbar weiblich lautete der Titel des Programms, das Ana (links) und Anda anlässlich des Weltfrauentags im Mörfelder Bürgerhaus präsentierten. Foto: Dagmar Mendel


Mit den Märchen zwischen Mann und Frau müsse einmal aufgeräumt werden, dachten sich wohl die Künstlerinnen Ana (Anita Lohr) und Anda (Andrea Reichert). Wie fest das Bild der auf ihren Prinzen wartenden Frau auch im heutigen Bewusstsein verankert ist, nahmen sie mit ihrem Lied „Dornröschen“ aufs Korn. In ihrer Version der Geschichte versuchen ungezählte Prinzen, Dornröschen wach zu küssen. Letztlich gelingt das einer Frau, woran zuvor niemand gedacht hatte.
Aber nicht nur um gleichgeschlechtliche Liebe ging es. Umgedeutet wurde auch „Rotkäppchen“. Das Kind werde nur deshalb ständig ermahnt, auf dem rechten Weg zu bleiben, damit sich für die Frau rein gar nichts verändere. Komisch sei es außerdem, dass erst die Frau aus einem Frosch einen Mann machen müsse. Und bei „Schneewittchen“ findet der Spiegel bei jedem Blick in ihn neue Problemzonen. „Wenn sie nicht gestorben ist, dann liftet, schnippelt, operiert Schneewittchen sich noch heute“, singt Anda und bittet, „Spieglein, Spieglein an der Wand, gib Schneewittchen mehr Verstand“.
Aber nicht nur mit seinen Texten schreibt das seit 2002 bestehende Duo aus Karlsruhe gegen Klischees und Vorurteile an, auch die Musik lässt sich in keine Schublade stecken. Wenn Anda mit ihrer klaren Stimme singt und dabei zwischen tiefen und hohen Tönen variiert, wird sie von Ana auf dem Klavier oder am Akkordeon begleitet. Die Melodien sind von Zwischentönen, Pausen und Dissonanzen bestimmt, sodass die treibenden Klänge eine eher düstere Grundstimmung vermitteln.
In ihren Instrumentalstücken ergänzt Anda das Ganze mit Perkussion und ihrem aus 14 Teilen bestehenden vietnamesischen Holzschlagzeug. Den gut 50 Besuchern des Konzertabends bot sich nach dem Auftritt der beiden Frauen denn auch die Gelegenheit, solch ein seltenes Instrument aus der Nähe zu betrachten.
Für eine Mischung aus zustimmenden Sprüchen, Schmunzeln und Verärgerung beim Publikum sorgten Ana und Anda zwischen den Liedern, wenn sie wie Nachrichtensprecher Fakten über die Frau in der heutigen Gesellschaft nannten. Etwa, dass jede fünfte Frau der Aussage zustimme, es sei wichtiger, dem Mann bei der Karriere zu helfen, als selbst eine zu machen. Oder dass trotz des seit 93 Jahren geltenden Frauenwahlrechts nur 32 Prozent Frauen im Bundestag säßen und bei der hessischen Landtagswahl jede dritte Frau nicht wählen ging – „Frauen wählen eben nicht, sondern werden auserwählt“, stellte Anda unter Lachern des Publikums fest.
Zwar gingen immer mehr Frauen arbeiten, sie wählten dabei aber nach wie vor überwiegend typische Frauenberufe. Dass sie in einer gleichen Position 23 Prozent weniger als ein Mann verdienten, mache Deutschland in puncto Gleichbehandlung zum Schlusslicht in Europa.
Das Konzept eines anderen Frau-Seins und das Aufräumen mit Klischees forderten Ana und Anda, die als Paar zusammenleben, nicht nur. Sie zeigten es auch. In schwarzen Anzügen und eher männlichen Accessoires wie der Fliege um Andas Hals spielten sie mit Attributen der Geschlechter. So sorgten sie für einen besonderen Abschluss dieses Weltfrauentagsabends, der auf künstlerische Weise zeigte, dass die Klischees von Mann und Frau noch immer bestehen.

 

Artikel Text Laenge: 3264

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  • 10. März 2012
  • Von Charlotte Schnitzspahn
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