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29. April 2011  | lot

Mit Rad und Hund nach Norwegen

Reise: Jens Göpfert aus Groß-Gerau wagt ein Abenteuer – Hund und Herrchen absolvieren mehr als 1500 Kilometer

Jens Göpfert hat sich mit seinem Hündchen Minnie mit dem Fahrrad von Groß-Gerau nach  Herdla bei Bergen in Norwegen aufgemacht – und sein Ziel erreicht.  Foto: Dagmar Mendel
| Vergrößern | Jens Göpfert hat sich mit seinem Hündchen Minnie mit dem Fahrrad von Groß-Gerau nach Herdla bei Bergen in Norwegen aufgemacht – und sein Ziel erreicht. Foto: Dagmar Mendel
GROSS-GERAU. 

Jens Göpfert ist weder Jungspund noch Supersportler, er ist ein Mann in der Lebensmitte und arbeitet als Projektentwickler in der Immobilienbranche. Als er am 10. März seinen Hund Minnie in die wettergeschützte Fahrradtasche am Lenker setzte und in die Pedale seines nagelneuen Trek king rads trat, ahnte der kleine Chihuahua wohl kaum, welche Tour sein Herrchen plante. Dem unzertrennlichen Gespann stand eine 1522,7 Kilometer lange Radstrecke bevor.
„Ich habe die Herausforderung gesucht, ich wollte wissen, was geht“, sagt Jens Göpfert. Drei Monate habe er sich auf das Radabenteuer vorbereitet, dessen Ziel das norwegische Eiland Herdla unweit von Bergen war, wo er in idyllischer Ruhe die Angelrute auswerfen wollte. „Ich habe mehrfach in Norwegen Ferien gemacht und finde die Landschaft mit Bergen, Meer und Fjorden reizvoll. Also sagte ich mir: Warum nicht nach Norwegen radeln?“ Voraus ging verstärktes Training, denn reisevorbereitend waren täglich 30 Kilometer Pflicht.
Hund Minnie musste Impfungen und Gesundheitskontrolle beim Tierarzt über sich ergehen lassen, um in Norwegen einreisen zu dürfen: „Die Mitnahme von Tieren ist streng geregelt.“ Schließlich galt es noch, das 21-Gang-Trekkingrad mit Fahrradtaschen auszurüsten – eine für Minnie und jeweils zwei für das nötigste Gepäck seitlich von Vorder- und Hinterrad. „Außer dem Navigationsgerät und vorsorglich einer Menge Hundefutter hatte ich nicht viel dabei. Regenkleidung, ein bisschen Wäsche und den Helm auf dem Kopf, das war’s“, erzählt Jens Göpfert. Und dann wurde der Freizeitradler zum Abenteurer. „Im Hinterkopf hatte ich natürlich, dass es stets die Notlösung gibt, das Unternehmen abzubrechen. Ich habe in jungen Jahren Fußball gespielt und hatte mit einer Knieverletzung zu kämpfen, daher war ich auf alles gefasst. Ziel war aber, durchzuhalten“, erzählt Göpfert. Und er hielt durch. Sechs Wochen hatte er für die Strecke geplant, er bewältigte sie in nur 21 Tagen. „Ich bin im Durchschnitt 80 Kilometer täglich gefahren.“
Manchmal nahm der Radler freilich Tempo weg, wenn Hund Minnie auf Wegen in freier Natur nebenher spazierte und neugierig unbekannte Plätze erschnüffelte. Am ersten Tag sind Hund und Herrchen abends erschöpft in Oberwesel gestrandet. Überhaupt sei die erste Woche sehr anstrengend gewesen, verhehlt Göpfert nicht. „In der zweiten war ich besser trainiert, in der dritten kam, was kommen musste: Das Knie drohte mich matt zu setzen, und ich musste Schmerzmittel nehmen.“
Entlang der Rheinebene über Bingen, Koblenz, Bonn und Köln gelangten Göpfert und Minnie in den Ruhrpott und weiter in den hohen Norden. Von Cloppenburg ging’s über Bremen nach Stade, bis dann Lübeck und die Insel Fehmarn erreicht waren. „Die Radwege in Deutschland sind zu 99 Prozent sehr gut ausgebaut. Am schwierigsten war das Durchfahren großer Städte – schlimm für Radler etwa ist Bremen“, meint Jens Göpfert.
Übernachtet wurde jeweils in einem Hotel, „zum Campen war’s im März doch noch zu kühl.“ Die längste Tagesetappe legte der Radler mit 127 Kilometern in Dänemark zurück, was daran lag, dass kaum Unterkunft für den Hund zu finden war. „Es gibt dort nur wenige Hotels, in denen Tiere willkommen sind“, sagt er. Zugleich sei die Route durch Dänemark eine der schwierigsten Etappen gewesen: „Es ging permanent auf und ab, wenn auch nur auf 140 Höhenmeter. Außerdem hatte ich meist Gegenwind. Das schlaucht.“
Die längste Fährfahrt war das Übersetzen von der Nordwestküste Dänemarks nach Norwegen. 19 Stunden verbrachten Göpfert und sein Hund auf dem Meer. „Als ich in Bergen ankam, dachte ich euphorisch, wie schnell die Tour doch gegangen war. Auf der Fähre staunten deutsche Pkw-Touristen, als ich sagte, ich käme mit dem Rad aus Hessen“, erzählt Jens Göpfert. Kurz darauf fand er sich in einer norwegischen Regionalzeitung wieder: „Fra Frankfurt til Herdla på sykkel – von Frankfurt nach Herdla per Fahrrad“ lautete die Überschrift. Nach vier Tagen entspannendem Aufenthalt ging’s für Hund und Herrchen dann durch die Lüfte heimwärts: Zwei Stunden nur, und das Flugzeug landete wieder in Frankfurt.

 
 


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