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Kuriose Daten und beißende Ironie

Kabarett – Thomas Freitag tritt im Groß-Gerauer Landratsamt auf – Politiker bekommen ihr Fett weg

Mit seinem Programm „Die Angst der Hasen“ gastierte der Kabarettist Thomas Freitag am Samstagabend im Georg-Büchner-Saal des Groß-Gerauer Landratsamts.
GROSS-GERAU.


Für die rund 200 Besucher war der Auftritt des Kabarettisten Thomas Freitag am Samstag im Landratsamt ein vergnüglicher Abend. Freitag verstand es, mit beißendem und hintergründigem Humor sein Publikum bestens zu unterhalten.
So zog sich seine „Gegenoffensive“ wie ein roter Faden durch das Programm. Immer wieder lief der Kabarettist an den Rand der Bühne, wo eine Videokamera auf einem Stativ bereitstand. Er gab vor, eine Videobotschaft an die Islamisten über die Probleme und Herausforderungen unserer Zivilisation und Kultur aufzunehmen, und fand allein in diesen Beschreibungen viele gute Ansatzpunkte, die er im Lauf des Abends genüsslich auskostete.
Mit einem Stück aus den Brandenburgischen Konzerten von Johann Sebastian Bach begann Freitag sein Programm und pries diese Stücke als einen der Höhepunkte der deutschen Kultur an. „Da kann man doch gleich die grünen Wälder Brandenburgs sehen, die ruhig fließende Havel, die wunderschönen Seen oder übervollen Arbeitsämter“, erklärte Freitag dem Publikum. Als „Nabel der kulturellen Welt“ bezeichnete er in seiner Rede die Kreisstadt Groß-Gerau: „Man muss sich ja bei seinem Publikum einschleimen. Wobei – gestern in Offenbach fiel mir der Satz deutlich schwerer.“
Dabei konnten die Besucher lernen, dass eine menschliche Seele einer amerikanischen Studie zufolge nur 21 Gramm wiegt, und Freitag tat sein Unverständnis darüber kund, dass es so viel Hass und Krieg nur um diese 21 Gramm gibt. So richtete er vor allem mahnende Worte an die Empfänger seiner Videobotschaft und versuchte dabei sogar Mitleid zu erregen. „In Teheran, da wurden sogar Puppen von Angela Merkel verbrannt. Liebe Islamisten, wir werden von der regiert …“
Vor allem die Politiker bekamen in Thomas Freitags Ansprachen ihr Fett weg. Ob nun Pflegeversicherung, Steuerreform oder Arbeitslosigkeit – er wusste mit einer Mischung aus Fakten, kuriosen Daten und beißender Ironie bei seinem Publikum zu punkten. Dass jeder Minister sich wohl nur über seine Reformen definiert und die Arbeit aller Vorgänger so schlecht gewesen sein muss, dass jeder neue Minister gleich eine Reform ankurbeln muss, diese Aussage erntete breite Zustimmung im Saal.
Speziell die Pflegeversicherung und die Krankenkassen hatten es ihm angetan. „Müll wird mancherorts besser behandelt als Kassenpatienten“, verkündete Freitag unter den erstaunten Blicken seiner Zuhörer. „Im Landkreis Aurich werden die Biotonnen im Müllwagen geröntgt, damit ja kein anderes Material in den Müll kommt. So mancher Ostfriese hat sich dann, um Geld zu sparen …“
Dass das Leben immer komplizierter und technisierter wird, war ebenso einer seiner Ansatzpunkte. So sollen manche Autos schon jetzt intelligenter sein als ihre Besitzer – die Navigationsgeräte ebenso. „Wenn ich nach Büttelborn will, dann fragt das Gerät nicht wohin, sondern ,was will’ste denn da?‘“
Für kulturelle Höhepunkte sorgte Freitag mit seiner Rezitation von Schillers Glocke, die als eines der Prunkstücke der deutschen Sprache nach seinen Worten doch nachweislich gar nicht so deutsch sei. So bewies der Kabarettist dies dem gespannt zuhörenden Publikum, indem er die Wortstämme einzelner Wörter aus dem Griechischen, Französischen oder Latein identifizierte und diese Worte durch ur-deutsche Wörter ersetzte.
Auch seine Version des Märchens Rotkäppchen, das der „Abgeordnete“ Wilhelm Grimm im Bundestag politisch korrekt verabschieden lassen wollte, sorgte für viel Heiterkeit im Saal. Desweiteren blickte er in die Seele deutscher Rentner und entschlüsselte noch Geheimnisse des Vatikans, bevor er – reichlich Applaus erntend – sein Publikum nach rund zweieinhalb Stunden wieder nach Hause entließ.

 

Artikel Text Laenge: 3763

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  • 20. März 2012
  • Von Marc Schüler
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