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05. Januar 2010  |  ute

Massenklage gegen Kündigungen bei Tchibo?

Tchibo: Gernsheimer Verteilzentrums wird Ende Mai geschlossen - Gewerkschaft verdi übt Kritik an Abschluss des Sozialplans

GERNSHEIM. 

Zum 31. Mai soll das Logistikzentrum der Firma Tchibo in Gernsheim geschlossen werden (wir haben berichtet). 120 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

,,In einem ungewöhnlich schnellen Tempo", so informiert jetzt die Gewerkschaft verdi in einer Pressemitteilung, habe der für die Tchibo Logistik GmbH mit Sitz in Gallin (Mecklenburg-Vorpommern) verantwortliche Betriebsrat einen Sozialplan abgeschlossen, ohne die Gewerkschaft verdi in die Verhandlungen einzubeziehen. ,,Offenbar wurde vom Betriebsrat auch kein externer Sachverständiger mit der Begutachtung der ökonomischen Lage des Unternehmens und der Prüfung der betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit dieser Betriebsschließung beauftragt", heißt es weiter in dem Schreiben. In der Belegschaft in Gernsheim sei schnell Kritik an diesem ,,zweifelhaften Verfahren" geäußert worden. Auch die Höhe der im Sozialplan vorgesehenen Abfindungen - insbesondere für langjährig Beschäftigte - sei umstritten, liege sie doch ,,durchweg unter ähnlichen Vereinbarungen in Unternehmen, die sich wie Tchibo hierzulande in der Branche (Röstkaffee) als Marktführer mit hohen Gewinnerwartungen (2008: 71 Millionen Euro; 2007: 23 Millionen Euro) anpreisen".

Verdi fragt nun, ob die Sozialplanverhandlungen ,,vielleicht nur deshalb im ,Schweinsgalopp' durchgepeitscht" wurden, damit die Tchibo-Geschäftsleitung noch im Dezember die Möglichkeit haben sollte, den Beschäftigten zu kündigen? Die Zulässigkeit dieser Frage ist laut Gewerkschaftsinformation durch zahlreiche Kündigungen noch vor den Weihnachtsfeiertagen bestätigt.

,,Viele Gewerkschaftsmitglieder der in Gernsheim arbeitenden Beschäftigten wehren sich gegen ihre Entlassung und die ihnen zugesprochene unterdurchschnittliche Abfindung aus dem Sozialplan zusammen mit verdi durch eine Kündigungsschutzklage", heißt es abschließend in der Pressemitteilung.

Tchibo-Konzernsprecher Arnd Liedtke wies die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück: sie entbehrten jeder Grundlage. Von Seiten des Unternehmens gebe man sich große Mühe, möglichst vielen der Gernsheimer Mitarbeiter Arbeit an anderen, nahegelegenen Standorten der Tchibo-Gruppe anzubieten, und sei optimistisch, dass dies auch gelinge. Zudem suche man intensiv nach einem Nachmieter für die hochmoderne Immobilie in Gernsheim, der auch bereit sei, einen Teil der Beschäftigten zu übernehmen.


 
 


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