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21. Mai 2010  |  bg

,,Die erste Version ist immer Mist"

Lesetage: Der Krimiautor Wolfgang Burger stellt im Gewächshaus von Blumen-Hägele seinen Kommissar Gerlach vor

| Vergrößern | Seinen Heidelberg-Krimi „Echo der Nacht“ stellte Wolfgang Burger bei den Gernsheimer Lesetagen im Gewächshaus von Blumen-Hägele vor. Foto: Robert Heiler
GERNSHEIM. 

,,Das interessiert doch den Leser: Warum hat die auf Seite 17 einen roten Schal getragen?" Die Antwort wird auf Seite 186, 239 oder auch 534 geliefert - und schon ist diese wurmende Frage geklärt. Auch über das ,,Handwerkszeug" zum Krimi-Schreiben sprach Wolfgang Burger während der ersten Gernsheimer Lesetage. Freimütig erzählte der promovierte Ingenieur über die eine und andere Hilfestellung, die er in amerikanischen Anleitungen erhalten habe.

So müsse der Protagonist möglichst viele Probleme haben - woran Burger sich hält: Auch im fünften Band muss sich Kriminalrat Alexander Gerlach eben nicht nur mit seinem Fall, sondern auch mit seiner Geliebten Theresa (,,meine Göttin"), seinen ihm auf der Nase herumtanzenden Töchtern und allerlei mehr Beschwernissen auseinandersetzen.
Buch

Wolfgang Burger: Echo einer Nacht, Ein Fall für Alexander Gerlach, Piper, München 2009, 8,95 Euro

Dass ihm Theresa nicht zu zickig gerät, dafür sorgen mehrere Leser des Manuskriptes, dessen ,,erste Version immer Mist ist" (Hemingway und Burger). Sieben-, achtmal müsse ein Text überarbeitet werden, ,,ab der fünften Version bekommt er langsam die Form eines Romans". Band sechs der Krimis mit Heidelberg als Schauplatz erscheint jetzt, am siebten schreibt der Autor gerade.

Das macht der in Karlsruhe lebende Leiter einer Forschungsabteilung früh morgens vor der Universität. Begonnen hat er damit 1995, als er ,,etwas ganz anderes" machen wollte. Zur Entscheidung, Krimiautor zu werden, haben auch die ,,unrealistischen Krimis im Fernsehen" beigetragen. Abends beschäftigt Burger sich mit der Zeitung, Thomas Mann oder Wildes ,,Das Bildnis des Dorian Gray", weil es in einem Roman eine Rolle spielt.

In der Schöfferstadt las der Autor zwischen Hortensien und allerlei anderem Grüngewächs, Elfen und weiterem Ziertand für Garten und Fensterbank: Lesung im Gewächshaus bei Blumen-Hägele. Auf dessen Dach plätscherte leise der anhaltende Regen, als Burger in seiner südschwarzwälder Sprachfärbung am Mittwoch abend den fünften Fall für Kriminalrat Alexander Gerlach ausbreitete.

Der greift ein brisantes Thema auf: Das Verschwinden von Kindern, in diesem Falle des kleinen Gundram, der wie vom Erdboden verschluckt ist. Gerlach leidet darunter, nicht nur unter dem Druck, dem ihn die Eltern, Medien und Staatsanwaltschaft aussetzen. Die Töchter (,,sie werden von Roman zu Roman jeweils nur ein Vierteljahr älter, damit ich sie noch lange habe"), berichten von einem weiteren möglichen Entführungsfall: Serientäter?

Was Burger liest, ist nicht gruslig, eher munter. Beispielsweise wenn er Gerlach die Geschichte von jenem Mädchen erzählen lässt, das schon deshalb als vermisst gemeldet wurde, weil es erstmals alleine auf dem Klo und damit fünf Minuten nicht zu sehen war. Oder aus dem richtigen Leben: ,,Das Land streicht Jahr für Jahr Stellen, so dass wir ständig unterbesetzt sind."

Lauthals lachen mussten die Gäste bei der Nummer im Auto am Badesee, die der Kriminalist und seine Theresa hinlegen: ,,Früher war ich gelenkiger.". Und dann nimmt just er selbst die Anzeige des Besitzers der geschlossenen Schranke entgegen, deren Schloss er zum Wegfahren vom See geknackt hatte. Und weil es genug hat von der Feld-Wald-Wiesen-Auto-Liebe, will sich das Paar eine Wohnung mieten. Die aber gibt der Vermieter nur an einen Künstler, so dass Theresa von Gerlach als Schriftstellerin ausgegeben wird. Das Herumdrucksen bringt die Maklerin auf den Gedanken: ,,Sie schreibt Schmuddelkram!"

Was mit Gundram passierte, erfuhren die Zuhörer am Mitt woch abend freilich nicht - das Taschenbuch soll ja gekauft werden. Entschädigt wurden sie mit weiteren Interna aus dem Verlagswesen: ,,Praktikantinnen sind sehr fleißig und kosten nix."


 
 


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