Wahrlich keine leichte Aufgabe, der sich die Retter stellen müssen. Bei dem Unfall mit zwei Lastwagen, vier Personenwagen und einem Kleinbus waren mehr als fünfzehn Menschen verletzt worden. Sie werden von Statisten gespielt, die täuschend echt geschminkt sind und sich auch wie echte Unfallopfer verhalten. Einige sind direkt nach dem Unglück über die Fluchttreppen panisch ins Freie gerannt, andere sind in ihren Fahrzeugen eingeklemmt und rufen lauthals um Hilfe. Die Führungskräfte von Flughafenfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr Kelsterbach, die den Einsatzort zuerst erreichen, müssen sich im Chaos zurechtfinden. Die Unfallstelle wird schnellstmöglich begutachtet, die Erkenntnisse über Funk an die Leitstelle und die nachrückenden Rettungseinheiten weitergegeben. Weitere Fahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn treffen ein.
Um die Übersicht zu bewahren, werden mehrere Abschnitte mit eigenem Führungspersonal gebildet. Erste Verletzte werden von der Feuerwehr an den Rettungsdienst, das Rote Kreuz und weitere Hilfsorganisationen übergeben und aus dem Tunnel ins Freie gebracht. Die Retter arbeiten dabei Hand in Hand, jeder kennt seine Aufgaben. Für die vermeintlich schwer verletzten Mimen endet die Übung tatsächlich im Rettungswagen. Dieser bringt sie sogar ins Krankenhaus, zumindest fast. Das Spital wurde bei der Kelsterbacher Feuerwehr angenommen, wo Personal die Übungsteilnehmer in Empfang nahm.
Mit hydraulischem Rettungsgerät werden die Eingeklemmten aus den Autowracks befreit. Besonders schwierig stellt sich dabei die Rettung von mehreren Personen aus zwei Lastwagen dar. Wegen der Höhe musste auf speziellen Plattformen gearbeitet werden. Doch auch diese Aufgabe meisterten die Einsatzkräfte problemlos.
Zwar hat die Rettung der Verletzten höchste Priorität, dennoch müssen zahlreiche Besonderheiten des Tunnels während der Übung ständig beachtet werden. Die Abgaswarnanlage beispielsweise muss zuverlässig funktionieren, die Belüftung muss entsprechend gesteuert werden, erläutert Kelsterbachs Stadtbrandinspektor Thomas Heller. Durch die Stromerzeuger und Fahrzeuge, die im Tunnel in Betrieb sind, werden große Mengen an Abgasen produziert. Zudem ist der Lärmpegel ein Problem. Gespräche sind kaum möglich, auch der Funkverkehr ist durch den Krach schwierig. Die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften und der „Außenwelt“ ist daher einer der Schwerpunkte der Übung, wie Heller erklärte. Weiterhin soll der Betrieb und die Nutzung der Rettungsplätze und Bereitstellungsräume an den Tunnelausgängen, die Schnittstellen zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst, sowie die Zusammenarbeit in der Technischen Einsatzleitung geprobt werden. Rund ein Dutzend Übungsbeobachter werfen ein genaues Auge auf diese Bereiche und füllen Bewertungsbögen aus, die direkt nach der Übung ausgewertet werden.
Heller zeigt sich nach der Abschlussbesprechung im Kelsterbacher Gerätehaus zufrieden. „Das Grundkonzept funktionierte sehr gut, jetzt geht es um das Feintuning“, berichtet er in seinem Fazit. Die Übungsbeobachter lobten besonders die Vorbereitung. „Das Szenario sei sehr realistisch empfunden worden und sehr gut angekommen“, betont Heller. Größere Komplikationen gab es nicht. Ein Mime bekam während der Übung, die in dieser Größe erstmals im Tunnel stattfand, echte Kreislaufprobleme.
Neben den Feuerwehren und Rettungsdiensten waren auch die Führungsstaffel, sowie der „Einsatzleitwagen 2“ des Kreises Groß-Gerau, der Brandschutzaufsichtsdienst und die Notfallseelsorger ins Übungsgeschehen eingebunden. Während der rund dreistündigen Übung blieb der Tunnel für den Verkehr gesperrt.
Großübung im Flughafentunnel
Rettungsdienste – Ernstfall wird geprobt – Belüftung ist ein wichtiges Thema in dem rund 580 Meter langen Tunnel




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