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17. Januar 2012 Von Gerd Döring

Nicht nur Pomp und Gloria

Benefizkonzert – Die Philharmonie Merck spielt im Wiesbadener Kurhaus für „Echo hilft“

WIESBADEN. 


Dieses Konzert war ein ungewöhnlicher musikalischer Jahresauftakt, brachte es doch die Begegnung mit zwei nicht eben prominenten Werken aus England und Frankreich. Beide vorgestellten Komponisten waren zu ihrer Zeit ungemein populär, sind es aber längst nicht mehr. Als zu altmodisch galt vielen bald ihre Musik, von dem mangelnden Erfolg jenseits der Landesgrenzen gar nicht zu sprechen.
Der Engländer Edward Elgar ist hierzulande vor allem als Komponist des fulminanten „Land of hope and glory“ bekannt, seine weitaus differenzierteren Werke werden selten gespielt. Nicht viel anders ergeht es dem Oeuvre des vielseitigen Franzosen Camille Saint-Saëns.
Das Diktum des Unzeitgemäßen zu widerlegen, fällt besonders leicht mit den „Enigma-Variations“ von Elgar, der hier mit leichter und humorvoller Hand seinen illustren Bekanntenkreis im ländlichen Worcestershire in 14 mal knappen, mal ausgefeilteren musikalischen Skizzen imaginiert. Den Beginn macht sehr anmutig Lady Elgar, so mancher Auftritt ist schnurrenhaft kurz und Elgar selber gilt dann die letzte der Variationen. Hier kommt ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen daher, ein Held mit breiter Brust. Mit ironischem Augenzwinkern scheint Elgar den später so glänzend reüssierenden Feuerwerksmusikanten vorauszuahnen – viel Blech, viel Pauke. Dass man in den „Enigma-Variations“ auch mit Fingerspitzengefühl musizieren kann, zeigen gerade die Schlagwerker in den Passagen zuvor. Der dritten Sinfonie von Camille Saint-Saëns neue Freunde zuzuführen gestaltet sich ungleich schwieriger, denn hier tritt zu den Musikern ein heikles Instrument hinzu. Eines zudem, das sich gemeinhin nicht mit einem Orchester misst. Zumeist führt die Orgel im Kurhaus ein verborgenes Dasein hinter einem feinen Ziergitter, an diesem Abend bedient sie der junge Organist Timo Rinke, und er hat eine nicht eben leichte Aufgabe.
Fein ausgesponnen beginnt der erste Satz, ein süffiger, farbenreicher Orchesterpart mit sehr agilen Streichern und feinen Bläserstimmen. Die Orgel sucht mit heiserem Klang ihren Platz. So leichthändig Rinke passagenweise die Orgel auch spielt, den Wettlauf mit den Philharmonikern kann er nicht gewinnen. So bleibt bisweilen bloß ein Dröhnen der Orgelpfeifen, dem das Orchester unter der gestenreichen Leitung von Wolfgang Heinzel flink davon eilt.
Die „Orgelsinfonie“ von Saint-Saëns zeigt übrigens in ihrem Finalsatz eine verblüffende Nähe zu den „Pomp-and-Glory“-Arbeiten Elgars. Mit dem Maestoso im Finale könnte man mühelos eine zweite „Titanic“ taufen. Der Beifall im voll besetzten Kurhaus fällt üppig aus.

 
 


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