„Liebe Anna, endlich ein eigenes Zimmer – Nein, eine Wohnung. Viel Freude hier!“ steht auf einem Zettel, der an einer Tür im „Haus Lebensweg“ hängt. Das Wohnhaus für Menschen mit Behinderung ist 2011 auf dem Hofgut Oberfeld entstanden. Knapp ein Jahr nach dem Spatenstich ziehen nun die jungen Leute ein.
Jeder wird mit einem anderen Willkommensgruß aufgenommen: Irina, Dennis, Jasmin, Moritz, Marcus... Sie schleppen Möbel mit Eltern und Geschwistern, denen die Erleichterung anzumerken ist, dass der große Tag endlich gekommen ist. „Es wurde höchste Zeit“, sagt Susann Zschau, deren Tochter ebenfalls ein neues Zuhause gefunden hat.
Natürlich habe es auch Tränen gegeben. „Schließlich ist es ja ein Abschied von daheim.“ Doch habe bei allen Familienmitgliedern die Freude überwogen. „Und ich dachte, jetzt haben wir's geschafft“, sagt Zschau, die sich seit Jahren für das Projekt Lebensweg engagiert.
Vor fünf Jahren hat kaum jemand an die Realisierung des Bauprojekts geglaubt. Bis auf eine kleine Gruppe um den früheren Forstamtsleiter Arnulf Rosenstock, der heute noch der Stiftung Hofgut Oberfeld vorsitzt. Mit acht Entschlossenen hat er sich bereits 2003 für den Erhalt der Domäne am Stadtrand eingesetzt. Es dauerte aber Jahre, bis die von ihm 2006 mit gegründete Stiftung das Hofgut Oberfeld kaufen konnte mit dem Ziel, dort einen neuen Lebensraum für Menschen mit Behinderung zu schaffen. „Es war eine Utopie, mehr nicht“, sagt Rosenstock.
„Ohne ,Echo hilft' wäre aus der Utopie nie Realität geworden“, sagt er. „Mitreißend“ seien die Berichte gewesen, entsprechend großzügig die Spendenbereitschaft der Darmstädter ausgefallen. Insgesamt 780 000 Euro kamen zusammen. Die Hälfte spendeten ECHO-Leser, die andere Hälfte legte die Software AG Stiftung drauf nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Wenig später stand fest: „Das Wohnhaus kann gebaut werden.“ Die Nähe zur Stadt, die Arbeitsmöglichkeiten und vielfältige soziale Begegnungen machen die Qualität dieses Ortes aus, der von den Darmstädtern begeistert angenommen wird.
Das „Haus Lebensweg“ selbst bietet Wohnraum für 20 Menschen mit Behinderung und für drei Mitarbeiter, die in Wohngruppen leben. In das benachbarte Milchhäuschen, dessen Sanierung ebenfalls abgeschlossen ist, ziehen dieser Tage weitere Mitarbeiter ein. Hier hat das Landesamt für Denkmalpflege 70 000 Euro investiert.
Die Stiftung Hofgut Oberfeld ist Bauherr und Eigentümer. Sie vermietet das Haus an den Verein Heydenmühle, der seit 1997 in Lengfeld am Otzberg eine sozialtherapeutische Einrichtung für Menschen mit Behinderung betreibt. Das nach ökologischen Kriterien bewirtschaftete Haus kostete rund 2,24 Millionen Euro. Finanziert wurde es mit 630 000 Euro Eigenmitteln und Spenden (darunter „Echo hilft“), 100 000 Euro Stiftung Wohnhilfe, 40 000 Euro Share value Stiftung und 1,47 Millionen Euro Darlehen. 45 000 Euro spendierte die HSE-Stiftung für das Schmiedehaus.
Das Gebäude wurde von den Architekten Uwe Simon, Joachim Gottstein und Uwe Blumenstein geplant. Um einen Innenhof, der sich nach Süden zum Milchhaus öffnet, gliedert sich die Wohnanlage in zwei Flügel und einen Verbindungsbau im Norden, in dem sich der Eingang, die Küche und Gemeinschaftsräume befinden.
„Wir sind so glücklich“, sagt Rosenstock, der vor allem den Familien der Menschen mit Behinderung allergrößtes Lob zollt. „Sie alle haben neben einem unerschütterlichen Optimismus eine unglaubliche Leistungsbereitschaft, ohne Wenn und Aber.“
Neues Zuhause dank „Echo hilft“
Hofgut Oberfeld – Nach langer Planung ziehen 20 Menschen mit Behinderung in den Neubau ein
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