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17. Januar 2012 Von Susanne Döring

Flirt mit der Geige

Benefizkonzert – Caroline Adomeit musiziert in Darmstadt zugunsten der Aktion „Echo hilft“

DARMSTADT. 


Der Kontrast ist augenfällig. Auf ihrer Geige bewegt sich Caroline Adomeit in höheren Sphären: keine technische Schwierigkeit, der sie sich am Sonntag beim Benefizkonzert für die Aktion „Echo hilft“ zugunsten des „Vereins für krebs- und chronische kranke Kinder“ nicht stellte. Auf der anderen Seite präsentierte die junge Musikerin ihr Programm derart charmant und locker, dass man sich fragte, ob sie gerade ihr Instrument, die Pianistin oder das Publikum anflirtete.
Im ausverkauften Vortragssaal der Universitäts- und Landesbibliothek begann der Abend mit Schuberts Fantasie in C-Dur, (D 934), einem der letzten Werke Schuberts vor seinem Tod. Damit mutete Adomeit sich und ihrer Begleiterin Nadiya Cholodkova schon zum Einstieg Schwerstarbeit zu. Musikalisch gilt es, das vielfach variierte Hauptthema aus einem eigenen Lied Schuberts in all seinen abgründigen Facetten auszuloten, technisch fordert das Werk gebundene Lyrik neben aberwitzig schnellen Läufen, Pizzicati und Spiel in den höchsten Lagen. Auch wenn Violine und Klavier sich zeitweise vollkommen nebeneinander her zu bewegen scheinen, sind Adomeit und Cholodkova im wechselhaften rhythmischen und dynamischen Spiel stets perfekt aufeinander abgestimmt.
An Abwechslung ließ auch Ravels „Tsigane“ nichts missen. Zwischen Schmonzette, Tanz und Humoreske hat Ravel alles hereingepackt in dieses Stück, in dem Adomeit mit ihrem Solospiel schon einmal auf das nach der Pause folgende Violinkonzert von Alexander Glasunow vorauswies. Hier wie dort hat die Geige lange Passagen alleine zu bewältigen. In Glasunows langer Kadenz des ersten Satzes meistert Adomeit hervorragen die Mehrstimmigkeit, die dann auch noch mit Trillern versetzt wird. Mühelos und gut gelaunt geht sie in den anschließenden Stimmungsumschwung im volksliedhaften Ton.
Diese gute Laune beherrschte dann auch den Rest des Abends. Raus aus dem Abendkleid, rein in die Jeans, präsentierte Adomeit nun eigene Arrangements aus der Unterhaltungsmusik. Ob irisches Jig, eine Adaption des Jazz-Klassikers „Take Five“ oder Tango, die Künstlerin konnte gut und gerne auf die Bigband, für die eine ihrer Zugaben geschrieben war, verzichten. Was braucht man das Orchester, wenn Violine und Klavier sich wie an diesem mit vielen Bravos bedachten Abend selbst genügen?

 
 


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