Merlin war seit seiner Geburt oft krank. Ein Infekt jagte den andern. „Wir waren bei vielen Ärzten,“, erinnert sich Mutter Martina, erst im Alter von neun Monaten wurde der Immundefekt bei ihrem Sohn festgestellt. Merlins Lebenserwartung schätzten die Ärzte damals auf weniger als zwölf Monate. Es folgten unzählige Klinikaufenthalte. „Dreimal die Woche musste ich mit ihm in die Ambulanz nach Frankfurt.“ Die ganze Familie stand unter Stress – und war vollständig isoliert. Merlin bekam keine Besucher und durfte nicht mit anderen Kindern spielen. „Wir mussten ihn vor möglichen bakteriellen Infektionen schützen“, erzählt seine Mutter. Desinfektionsmittel gehörten zum Alltag.
Von Berti Stahlecker vom Darmstädter Verein für krebskranke und chronisch kranke Kinder erfuhr sie von der Möglichkeit einer Familienreha. „Wir stellten einen Antrag und bekamen ihn sofort durch.“ Als Merlin zwei Jahre alt war, fuhr die Familie gemeinsam zur Reha in die Klinik Katharinenhöhe im Schwarzwald.
Die Eltern konnten endlich mal durchatmen. In der entspannten Atmosphäre machte Merlin große Fortschritte. „Zum ersten Mal hatte er dort Kontakte zu anderen Kindern“, erzählt Martina M. Er wurde selbstständiger, lernte mit einem Löffel zu essen und er lernte, so seine Mutter, „dass es auf der Welt nicht nur Ärzte gibt, die ihm wehtun, sondern Menschen, die mit ihm spielen“. Die ganze Familie fühlte sich wohl, gut betreut und versorgt. „Das ist alles familiär.“
Ein Jahr später, in der zweiten Reha, machte Merlins Befinden wieder einen großen Sprung. Dank der Physiotherapie lernte er Laufen. „Er wurde insgesamt stabiler und auch seine Laborwerte verbesserten sich“, erzählt Mutter Martina. Sie und ihr Mann konnten in der Reha endlich auch mal wieder als Paar gemeinsam etwas unternehmen. „Alleine schon der Austausch mit den anderen Eltern war wichtig.“
Vergangenes Jahr bekam Merlin in Frankfurt eine Knochenmarkstransplantation. Die Familie hofft, dass die Krankenkasse eine erneute Reha im Frühjahr genehmigt. Die Aussichten für Merlin stehen gut, die Ärzte sind zufrieden mit ihm, seine Mutter ist glücklich.
„Es gibt auf der Welt nicht nur Ärzte, die einem wehtun“
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