„Ich war schockiert“, erinnert sich Boris Sharkov an seinen ersten Besuch in Deutschland – im März 1989, als noch die Berliner Mauer stand. Dank der Reformen des sowjetischen Generalsekretärs Michail Gorbatschow durfte das Nicht-Mitglied der Kommunistischen Partei in Darmstadt bei der GSI forschen. Mit dem Zug war er von Moskau nach Berlin gefahren. In West-Berlin war alles bunt beleuchtet, Straßen und Regale in den Geschäften waren voll. „In der Sowjetunion waren die Läden leer“, erinnert er sich und fragte sich, wo der Kommunismus denn wirklich war.
Von West-Berlin aus fuhr er weiter durch die DDR. „Wieder alles grau, dunkel und nicht schön.“ An die unangenehmen Grenzkontrollen erinnert er sich natürlich auch noch. Und wie er mit einem Kollegen erfolgreich um eine Flasche Sekt gewettet hatte. „Das wird nicht mehr ein Jahr dauern“.
Die nächste Stadtteilseite Wixhausen erscheint am 22. März. Am Donnerstag (19.) ist Eberstadt an der Reihe.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten, während seiner „Strahlzeiten“ – ein Terminkalender, der vorgibt, wer wann den Beschleuniger nutzen darf – war der 61 Jahre alte Professor an der Moskauer Technischen Universität zweimal im Jahr für einige Monate in Darmstadt. In diesen Zeiten hatte er seine Frau und seine damals beiden kleinen Kinder mitgebracht.
„Am Wochenende sind wir an die Bergstraße oder in den Rheingau gefahren.“ Auch Radtouren in den Odenwald hatten sie unternommen. „Ich fühle mich in Wixhausen wirklich heimisch“, sagt das Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Während seiner Versuche wohnte er unter anderem auch in Wixhausen. „Früher hatte ich im Wald Pilze gesammelt“, erinnert er sich. Und natürlich die Infrastruktur genutzt. Er ging zum Bäcker, war mit seinem Auto in einer Werkstatt und einmal auch bei einem Zahnarzt. „Ich bin ganz zufrieden“, denkt er an die Behandlung zurück.
Zur Zeit wohnt der Physikprofessor im Gästehaus der Technischen Universität in der Dieburger Straße. Für seine vier Jahre als „Fair“-Direktor ist er vom Moskauer Institut abgeordnet und beurlaubt worden.
„Deutsch war sehr populär in meiner Familie“, erklärt Sharkov sein sehr gutes Deutsch. Seine Großmutter habe zwischen sechs und neun Sprachen gesprochen. „Und sie fing an, mit mir Deutsch zu sprechen, als ich drei Jahre alt war.“ Für seine jetzige Arbeit ein großer Vorteil, findet er. „Ohne die deutsche Sprache wäre es als Direktor schwieriger.“ Aber auch seine früheren Erfahrungen als Direktor eines russischen Beschleunigerprojektes in Moskau mit 1500 Mitarbeitern werden ihm helfen.
„Unser Projekt muss auch positiv auf die Infrastruktur der Region wirken“, betont der Wissenschaftliche Direktor. Daher werde man auch gemeinsam mit der Stadt Darmstadt ein Konzept entwickeln, wie man die Wissenschaftler unterbringen kann. Schließlich sollen in einigen Jahren rund 3000 Menschen im Forschungsinstitut neben der GSI arbeiten.

Merken
|






















