Dass der Nikolaus künftig elektrisch zu uns kommt, das bezeichnete
der Leiter der Staatskanzlei in Wiesbaden, Staatsminister Axel Wintermeyer, als „eine Vision“. Wintermeyer war zur Eröffnung der Ausstellung „Antrieb Zukunft“ nach Kranichstein gekommen – selbstredend noch mit einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.
Das Kranichsteiner Fraunhofer-Institut bezeichnete der Staatsminister als „Leuchtturm“, als „führendes Forschungsinstitut für Elektromobilität“, den Institutsleiter Holger Hanselka als „Mastermind der künftigen Mobilität“. Hanselka gebe diesem wichtigen Teil der Zukunftsforschung „ein Gesicht“.
Dieser stellte mit einem Kurzvortrag dann die komplexen Fragestellungen vor, mit denen sein Fraunhofer-Institut befasst ist. Und eben nicht nur dies allein. Mit dem Aufbau des Zentrums für Systemzuverlässigkeit mit Schwerpunkt Elektromobilität in Darmstadt stünden „einzigartige experimentelle Möglichkeiten“ zur Verfügung, sagte Hanselka. Obwohl er es als Koordinator der 33 Fraunhofer-Institute zu diesem Themenfeld durchaus „mit einem Flohzirkus“ zu tun habe, den er bändigen müsse. Immerhin arbeiten über 270 Forscher bundesweit an realitätsfähigen Lösungen zur Elektromobilität.
Dass der wissenschaftliche „Flohzirkus“ äußerst prägnant und innovativ die Vision der Elektromobilität im Blick hat, zeigt die Ausstellung im Erdgeschoss des erst vor rund einem Jahr bezogenen – und preisgekrönten – Gebäudes in der Jaupstraße 1. Die Schau war bisher in Berlin zu sehen und wandere nun, so Hanselka, durch die Republik. Erste Station nach der Bundeshauptstadt: Darmstadt.
Die Ausstellung führt trotz des hochtechnischen Kontextes unterhaltsam, didaktisch leichtfüßig, auch sprachlich oftmals keck (und insoweit jugendtauglich) durch die Historie des elektrischen Antriebes seit hundert Jahren. Dazu gehört auch die Geschichte, Funktionsweise und Zukunft der Batterie seit Luigi Galvani (also seit 1789).
Wer möchte, erfährt auch, warum Clara Ford sich ehedem strikt weigerte, ein Automobil mit Verbrennungsmotor zu besteigen, wie zentrale Begriffe wie Wirkungsgrad oder Gleichspannung zu erläutern sind, warum eine Batterie fürs Elektro-Auto heute immer noch so so viel kostet wie ein ganzer Kleinwagen, und wie die Leistungskraft der „Übermorgenbatterie“ aussehen soll.
Das alles wird per Plakat oder per Berührbildschirm sichtbar und lesbar. In Weiterentwicklung von letzterem gibt es auch einen „Touchtisch“, mit dem mehrere Besucher gleichzeitig ihre Fahrzeuge durch eine digitale städtische Topografie steuern können, um dabei das Prinzip der „vernetzten Stadt“ kennenzulernen.
„Elektromobilität“, betonte Hanselka, „bedeutet nicht Elektro-Auto. Höchstens auch Elektro-Auto.“ Es gehe grundsätzlich um Energieproduktion, Energiespeicherung, -verbreitung und
-verwertung. Und auch um die Probleme von Wiederverwertung oder Entsorgung.
Ganz so neu ist das E-Auto ohnehin nicht. Nur rund 110 Jahre alt. Bereits 1901, erinnerte Wintermeyer bereits in seiner Einleitung, habe schließlich Ferdinand Porsche den Entwurf eines Automobils mit Radnaben-Elektroantrieb präsentiert.
Darauf nimmt die Ausstellung „Antrieb Zukunft“ höchst aktuellen Bezug mit dem Fraunhofer-Konzeptfahrzeug – mit elektrischem Radnabenmotor in der Spezialfelge.
Vorwärts mit der „Übermorgenbatterie“
Ausstellung – Mit „Antrieb Zukunft“ offeriert das Fraunhofer-Zentrum in Kranichstein Einblicke in die Elektromobilität
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