Mit Hilfe des neuen Beschleunigers wollen die Physiker versuchen, mehr über die Struktur von Atomen und Atomkernen herauszufinden. Das Bauprojekt hat gigantische Ausmaße: Unter der Erde verlaufen acht Kreisbeschleuniger mit bis zu 1100 Metern Umfang, auf 3,5 Kilometern werden Strahlführungsrohre verlegt und mehr als eine Million Tonnen Zement verbaut. Das Ganze wird auf 1500 Pfählen stehen.
„Das funktioniert ähnlich wie bei den Pfahlbauten in Uhldingen am Bodensee“, sagte Günther Rosner, Forschungsdirektor und Geschäftsführer der GmbH gestern bei der Geldübergabe. Die Pfähle sollen verhindern, dass die Gebäude einsinken. Der Waldboden rund um die GSI ist schwammig und feucht. Rosner rechnet damit, dass die Bauanträge Ende Januar oder Anfang Februar bewilligt werden. Dann kann es losgehen.
Das „Fair“-Projekt kostet insgesamt eine Milliarde Euro und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die ganze Region. Der Bund übernimmt 65 Prozent der Kosten, zehn Prozent das Land und den Rest teilen sich Länder wie Russland, Frankreich, Spanien, Dänemark, Indien und Rumänien. „Fair“ wird ab 2018 Forscher aus vielen Ländern anziehen. Bereits heute arbeiten dort mehr als 3000 Menschen. Mit den 50,2 Millionen Euro vom Bund sollen unter anderem Magneten für den zentralen Ring-Beschleuniger angefertigt werden.
Mit dem Fällen der Bäume wurde bereits begonnen. Voraussichtlich bis Ende Februar wird das Waldstück südlich der Prinzenschneise gerodet. In einem zweiten Abschnitt ist dann die Fläche nördlich der Schneise dran. Gleich danach soll wieder mit der Aufforstung begonnen werden. Aus Sicherheitsgründen kann es während der Rodungsarbeiten zu Sperrungen im Bereich der Prinzenschneise kommen, heißt es bei der GSI. Für Radfahrer, Spaziergänger und Läufer werden Umleitungen ausgeschildert. Auch für Waldtiere wurde vorgesorgt: Frösche wurden eingefangen und umgesiedelt, Fledermauskästen aufgehängt und Amphibienzäune gesetzt. Bedenken von Anwohnern, dass mit dem neuen Beschleuniger die Radioaktivität in Erde, Luft und Grundwasser steigt, kann Georg Fehrenbacher zerstreuen. Eine dicke Betonschicht sorge dafür, dass keine Strahlen ins Erdreich gelangen, so der Strahlenschutzbevollmächtigte von GSI und „Fair“. Außerdem sollen an einigen Stellen zur Abschirmung Erdwälle von bis zu zehn Metern Höhe errichtet werden. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, so Fehrenbacher. Er hat auch keine Bedenken, dass aus dem Beschleuniger in 17 Metern Tiefe radioaktive Strahlen das Grundwasser verseuchen könnten. „Da dringt nichts durch.“ Noch nie seien bei der GSI erhöhte Strahlenwerte gemessen worden.
Das soll sich mit dem „Fair“-Beschleuniger auch nicht ändern. Er steht ebenfalls unter Beobachtung: Regelmäßig werden Erd- und Wasserproben genommen und Luftwerte überprüft. „Wir messen direkt am Schornstein, aus dem die Abluft kommt“, erklärt der Strahlenexperte. Auf dem GSI-Gelände sind weitere Messgeräte verteilt.
Die Ergebnisse werden an die Aufsichtsbehörde, das hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Wiesbaden weitergeleitet. „Wir sind berichtspflichtig“, erläutert Fehrenbacher. Zudem durchlaufe die Anlage ein aufwendiges Gutachterverfahren, werde von Strahlenschutzexperten unter die Lupe genommen und unter anderem auch vom TÜV.
Über 50 Millionen Euro für Teilchenbeschleuniger
Forschung – Bund übergibt GSI Helmholtzzentrum Bescheid über 50 Millionen Euro – Regelmäßige Strahlenmessungen
Hintergrund: Entdecker und Grundlagenforscher
Die Wissenschaftler am GSI-Helmholtzzentrum sind Grundlagenforscher. Sie versuchen herauszufinden, wie Materie aufgebaut ist und wie sich das Weltall seit dem Urknall entwickelt hat.
Die GSI-Mitarbeiter sind aber auch Entdecker: Zu den chemischen Elementen, die sie in den vergangenen Jahren aufgespürt haben, zählen etwa Bohrium, Copernicium, Hassium, Meitnerium, Darmstadtium und Roentgenium. Wichtigstes Arbeitsgerät der GSI sind seit mehr als 40 Jahren die Beschleunigeranlagen. Dort können Sonnenexplosionen simuliert und neue Elemente geschaffen werden, indem elektrisch geladene Atome (Ionen) auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigt werden. Die Teilchen schaffen locker 30 000 Kilometer pro Sekunde. Dermaßen auf Tempo gebracht, werden die Ionen von den Wissenschaftlern auf hauchdünne Folien mit Ionen eines anderen Elementes geschossen. Mit etwas Glück verschmelzen dabei zwei Atomkerne zu einem neuen Element.
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Dummerle fragt : Ist das nötig ? Gibt es das nicht schon in Europa ?
Einfachste Antwort wird akzeptiert.
Gibt es irgendwo eine Übersicht, welche Erfolge die GSi zu verzeichnen hat - und wie viel Geld dafür insgesamt schon aufgewendet wurde? Und gibt es von den "Erfolgen" auch echte Erfolge, also solche die auch einen praktischen oder sogar wirtschaftlichen Nutzen haben? Und warum zahlt Deutschland in Summe 75% der Kosten - und alle anderen nur Bruchteile? Bekommen die dann auch nur Bruchteile des Forschungsergebnisses? Fragen über Fragen.
Millionen Euro an Kosten, Tonnen von Zement, Naturzerstörung großen Ausmaßes, Kahlschlag im Wald, Lärmbelastungen über Monate für Wishausen - lohnt das? Was sagen die Naturschutzverbände denn dazu? Die Aufregung bei der Anbindung von Telekom City ist groß - bei diesem Mammutprojekt herrscht Grabesruhe? Peinlich.


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