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Herzstück der geplanten „Fair“-Anlage auf dem Gelände des GSI-Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung ist ein großer unterirdischer Doppelringbeschleuniger mit 1100 Meter Umfang (auf dem Computerbild rechts). Angeschlossen ist ein komplexes System von Speicherringen und Experimentierstationen. Grafik: GSI
DARMSTADT.
Der Startschuss für den Bau eines weltweit einmaligen Teilchenbeschleuniger-Zentrums in Darmstadt ist gefallen: Neun Staaten unterzeichneten am Montag in Wiesbaden das völkerrechtliche Abkommen zur Errichtung und zum Betrieb von »Fair«. Bis zum Jahr 2017 sollen damit auf dem Gelände des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung mehrere Kreis- und Linearbeschleuniger in Betrieb gehen. Mit ihnen soll die Entstehung des Universums und der innere Aufbau der Materie erkundet werden. Das Zentrum kostet gut eine Milliarde Euro. Drei Viertel der Kosten trägt der Bund, davon 94 Millionen Euro das Land Hessen.Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach von einem »Mega-Projekt«: »Das ist eine der größten Investitionen in die Grundlagenforschung, die wir in Deutschland haben.« In Darmstadt werde damit das »Innerste des Atoms« erforscht, sagte Bouffier bei der feierlichen Vertragsunterzeichnung im Schloss Biebrich in Wiesbaden. Vertreter von acht europäischen Ländern und Indien besiegelten das Abkommen. Nach Aussage des Außenstaatssekretärs Peter Ammon wollen sich auch China, Großbritannien, Saudi-Arabien und Spanien beteiligen.Durch »Fair« (Facility for Antiproton and Ion Research) soll unter anderem untersucht werden, wie Sterne explodieren. Nach GSI-Angaben geht es um den Ursprung von chemischen Elementen und damit von uns Menschen: Denn »alle Materie, auch wir selbst« bestehe »letztendlich aus Sternenstaub, den Überresten von explodierten Sternen«. Ziel sei es zudem, mit dem Teilchenbeschleuniger neue Erkenntnisse für Nanomaterialien und bio-medizinische Anwendungen zu gewinnen.Die Beschleuniger, von denen der größte einen Umfang von 1100 Meter haben soll, werden ab dem Winter 2011/2012 auf dem Gelände des GSI-Helmholtzzentrums in Darmstadt gebaut. Die größten Röhren werden unter einem Waldstück liegen, wie der GSI-Sprecher Ingo Peter dem ECHO sagte. Die derzeitigen GSI-Beschleuniger dienten dann als Vorbeschleuniger. Zudem sollen zehn Experimentierstationen entstehen, jeweils in der Größe eines Einfamilienhauses. Es würden in Zukunft voraussichtlich rund 3000 Wissenschaftler an den Beschleunigern aktiv forschen, sagte Peter.Wichtigster Partner Deutschlands bei dem Projekt ist Russland, das in Form von Geld, Forschungs- und Sachleistungen 178 Millionen Euro beisteuern soll. Viele der tonnenschweren Magnete des Beschleunigers werden den Angaben zufolge in russischen Labors entwickelt und gebaut. Petr Shchedrovitskiy, Vize-Generaldirektor von Rosatom, der russischen Atomenergie-Agentur, sprach von »einem Beschleunigerzentrum der neuen Generation«, für das bereits seit sieben Jahren Vorarbeit geleistet werde.Das GSI-Helmholtzzentrum in Darmstadt besteht seit dem Jahr 1969. In der Forschungseinrichtung arbeiten nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter, darunter sind 300 Wissenschaftler und Ingenieure. Untersucht werden unter anderem Fragen der Kern- und Atomphysik, der Plasma- und Materialforschung sowie der Tumortherapie. Die GSI-Wissenschaftler haben beispielsweise seit 1981 sechs chemische Elemente mit den Ordnungszahlen 107 bis 112 erzeugt, etwa das Bohrium (Element 107), Hassium (Element 108), Meitnerium (Element 109) und das Darmstadtium (Element 110).
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