Der futuristische Tisch mit Monitor hatte im Fraunhofer-Institut am Mittwoch Deutschland-Premiere. Der Monitor wurde mit einer interaktiven Beleuchtung und einem High-Tech-Summen ausgestattet, um eindruckvoll präsentieren zu können. „Es ist schon mehr ein Marketinginstrument“, räumt Sebastian Demmerle, Direktor von „New Media Yuppies“ ein. „Wir entwickeln technologische Marketinginstrumente.“ EADS, die unter anderem auch den Airbus bauen, habe im Juni mit diesem System sein Portfolio auf der Pariser Luftfahrtmesse präsentiert.
Das Besondere am „Touch Lab“ sei der offene X3D-Softwarestandard, der die multimedialen Inhalte kompatibel zu den 3D-Standards des Internets mache. X3D steht für Extensible 3D, ist eine Beschreibungssprache für 3D-Modelle und seit 2001 Standard für die Darstellung dreidimensionaler Inhalte in Webbrowsern. Die „Touch-Lab“-Installation koste in dieser Form 50 000 Euro. Damit sei man zwar teurer als ähnliche Systeme anderer Hersteller, gibt Eschler zu, aber dafür sei man weniger auf Betriebssysteme und Hardware festgelegt: „Wir können sie in jedem Endgerät mit einem Internetbrowser anbieten.“
Ein System, das den Betrachter ganz in virtuelle Welten eintauchen lässt, präsentierte das Fraunhofer Institut mit seiner „Heye Wall“. Die fünf mal zweieinhalb Meter große Leinwand mit 8400 mal 4200 Pixeln (gesteuert von 50 Computern in einem Nebenraum) wird mit einem berührungssensitiven großen Monitor kontrolliert, der zur Zeit noch flach auf einem kühltruhengroßen Kasten lagert. Auf dem Monitor kann man die Objekte mit seinen Fingern umherschieben oder drehen – wie auf einem normalen Schreibtisch.
Auch ein Gang durch die ehemalige Darmstädter Synagoge ist so kein Problem. Auf dem Monitor sieht man den Grundriss, auf der Leinwand die dreidimensionale Darstellung des Innenraums. Mit intuitiven Berührungen auf dem Grundriss kann man so virtuell durch den Raum laufen. Auch hier sei das Besondere, dass die Daten in dem offenen Standard-X3D vorliegen, erklärt Johannes Behr vom Fraunhofer-Institut. Architektur sei aber nur eine der Anwendungen, beschreibt der Informatiker. Die Automobilindustrie könne beispielsweise kostengünstiger entwickeln, weil 20 virtuelle Prototypen – gebaut nach den 3D-CAD-Daten – günstiger seien als zehn reale.
Kommerziell verfügbar ist die Anlage allerdings noch nicht, schränkt Behr ein. An der praktischen Anwendung der „Heye Wall“ arbeite eine Fraunhofer-Gruppe in Graz, sagt Matthias Unbescheiden, stellvertretender IGD-Leiter. Dort sei man dabei, das System für „Häuslebauer“ und Architekten praktisch nutzbar zu machen.

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