Am Mittwoch feierte man bei der GSI, dem Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Wixhausen, den „Tag der Weltmaschine“: Gemeint war der zweite Geburtstag des „Large Hadron Colliders“ (LHC) im europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf. Hadronen sind beispielsweise die Neutronen und Protonen, aus denen die Atomkerne aufgebaut sind.
„Am 23. November 2009 starteten die ersten Protonen-Protonen-Kollisionen“, sagte Peter Braun-Munzinger vom „Extreme Matter Institute“ an der GSI. Mitgefeiert – samt Liveschaltung nach Genf – wurde aber nicht nur aus teilchenphysikalischer Solidarität. „Die GSI ist eine der zentral am LHC beteiligten Forschungseinrichtungen“, sagte der Physikprofessor von der TU Darmstadt. Die GSI hat den LHC-Detektor „Alice“ (A Large Ion Collider Experiment) maßgeblich mitentwickelt. Alice ist mit 26 Meter Länge und 16 Meter Durchmesser hausgroß und mit seinen 10 000 Tonnen so schwer wie der Eiffelturm.
Der Name „Weltmaschine“ für den LHC kommt von deren Dimensionen. Der Teilchenbeschleuniger hat 26,7 Kilometer Umfang, liegt in einem 100 Meter tiefen Tunnel in Frankreich und der Schweiz. „Das ist die größte Maschine, die für die Forschung gebaut wurde“, erklärte Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer in der Liveschaltung. Mit der Alice-Anlage untersuchen rund 1000 Wissenschaftler die Folgen von Bleiatomkern-Kollisionen. Mit den Zusammenstößen simulieren die Wissenschaftler die Situation kurz nach dem Urknall vor rund 15 Milliarden Jahren. Die Kollision der Bleiatome fast bei Lichtgeschwindigkeit führt zu Temperaturen, die 100 000 Mal heißer sind als in der Sonne.
„Wenn man die Atome so richtig heiß macht, lösen sich die Verbindungen auf“, erklärte der Heidelberger Physikprofessor und Emmi-Forscher Carlo Ewerz. Die Atome zerlegen sich nicht nur in ihre Protonen und Neutronen, sondern auch in deren Bestandteile, die Quarks und Gluonen, allerdings nur für einen Sekundenbruchteil.
„Unsere Hauptmotivation ist, die Welt zu verstehen“, blickt Ewerz auf den Sinn von Grundlagenforschung wie dieser. Aber auch aus solchen Arbeiten entwickeln sich praktische Anwendungen – wie das Internet. „Das World Wide Web ist von Teilchenphysikern erfunden worden“, erinnerte der Physiker daran, dass Cern-Mitarbeiter Tim Berners-Lee 1990 die Seitenbeschreibungssprache HTML entwickelt hatte, weil er den Informationsaustausch im Cern erleichtern wollte. Die erste Internetpräsenz der Welt war http://info.cern.ch.
100 000 Mal heißer als in der Sonne
Physik: GSI feiert in Wixhausen den zweiten Geburtstag des Teilchenbeschleunigers LHC in Genf
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