Ulrike Laux ist zu beneiden. Die Geschäftsführerin des Studentenwerks Darmstadt kann von ihrem Büro in der Alexanderstraße die Baufortschritte an der neuen Universitätsbibliothek hervorragend beobachten. Auch das Studentenwerk Darmstadt hat in den 90 Jahren seines Bestehens kräftig gebaut: Es unterhält 13 Wohnanlagen für knapp 2900 Studenten, fünf Mensen und sieben Bistros – die angesichts der stetig wachsenden Studierendenzahlen nicht ausreichen werden.
Allein dieses Semester haben sich im Vergleich zum Vorjahr knapp 2000 mehr junge Menschen für ein Studium in Darmstadt entschieden: „Man merkt den Unterschied zu den vergangenen Jahren deutlich, vor allem die Mensen sind überfüllt“, sagt die Geschäftsführerin. Die 55 Jahre alte Diplom-Chemikerin ist seit 2006 Vorgesetzte von mittlerweile 290 Mitarbeitern und verwaltet ein jährliches Budget von derzeit 22,3 Millionen Euro. Große Spielräume hat Ulrike Laux aber nicht. Denn nur selten stehen ihr zusätzliche Mittel zur Verfügung, um beispielsweise die Immobilien instand zu halten. „7,1 Millionen Euro wurden für die energetische Sanierung der Mensen im Zuge des Konjunkturpakets II bewilligt.“
Von den rund 35 000 Studenten an der Technischen Universität und Hochschule Darmstadt liegen ihr die ausländischen besonders am Herzen, da sie zu Studienbeginn oft sehr auf sich allein gestellt seien, erklärt Laux. „Zudem sind unsere ausländischen Gäste besonders dringend auf einen Wohnheimplatz angewiesen, um sich einen Aufenthalt in Darmstadt überhaupt leisten zu können.“
1500 weitere Wohnplätze werden gemäß ihrer Einschätzung benötigt. 300 Studenten werden wohl bis zum Wintersemester 2012/2013 in den Neubau an der Berliner Allee einziehen können. Ein vergleichbar großes Studentenheim entsteht hoffentlich bald an der Nieder-Ramstädter Straße in Höhe Lichtwiese; die Inbetriebnahme ist für Frühjahr 2013 geplant.
Hinzu kommen noch 50 weitere Plätze am Karlshof, der strukturell verändert werden soll: Die Eröffnung einer Kindertagesstätte und eines Lebensmittelgeschäfts sollen die Attraktivität des zurzeit etwas tristen Viertels heben, berichtet die Geschäftsführerin.
Laux ist in aller Deutlichkeit an einer Zwischennutzung der ehemaligen amerikanischen Siedlungen interessiert: „Bereits 2009 gab es Gespräche mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Nur hätten wir rund 900 000 Euro investieren müssen, um einen Zweijahres-Mietvertrag zu erhalten. Das hätte den Mietpreis deutlich über 300 Euro gehoben und kam für uns nicht in Frage.“
Erneute Gespräche mit der Stadt und der Bima seien geplant.
Viele sind auf sich gestellt
Studentenwerk: 1500 Wohnplätze werden benötigt – Ulrike Laux ist an einer Zwischennutzung der amerikanischen Siedlungen interessiert
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